Manchmal werden uns positive Aspekte erst bewusst, wenn sie fehlen. Das trifft auch auf eine Beobachtung zu, die US-amerikanische Forscher um Dr. Ashley Dayer vom Department of Fish and Wildlife Conservation an der Universität Virginia Tech, USA, gemacht haben [1]. In den Jahren 2021 und 2022 hatten mehrere staatliche Behörden in den USA dazu geraten, keine Vögel mehr zu füttern. Hintergrund waren das Auftreten von Vogelgrippe, Salmonellose und mehreren nicht klassifizierten Erkrankungen bei Wildvögeln in diesem Zeitraum. Vielen Menschen tat es jedoch nicht gut, keine Vögel mehr im heimischen Garten oder auf dem Balkon zu füttern.
Das Füttern von Vögeln ist weit verbreitet
Kontakt zur Natur ist förderlich für unser psychisches Wohlbefinden. Das ist naheliegend, da wir uns so mit unserem Umfeld verbinden und auch durch zahlreiche Studien belegt. Eine Möglichkeit in Kontakt mit der Natur zu kommen, ist das Füttern von Wildvögeln. Hier zeigen Zahlen, dass diese Tätigkeit weit verbreitet ist. Über 60% der Haushalte in Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland füttern Wildvögel. In Großbritannien und Kontinentaleuropa werden jährlich rund 660 Millionen US-Dollar für den Kauf von Wildvogelfutter ausgegeben.
Auswirkungen auf die mentale Gesundheit
Die Forscher um Dayer fassen in ihrem Bericht die aktuelle Sachlage rund um das Füttern von Wildvögeln, das Aussetzen der Fütterung aufgrund öffentlicher Empfehlungen und die Folgen für Vögel und Menschen zusammen. Was die mentale Gesundheit anbelangt, war die Empfehlung der Behörden, keine Wildvögel mehr zu füttern, besonders in Zeiten von COVID-19, folgenreich. Gerade unter solch schwierigen Umständen scheint das menschliche Wohlbefinden stark vom Kontakt mit der umliegenden Natur abzuhängen.
Die positiven Auswirkungen der Interaktion zwischen Mensch und Natur scheinen vor allem in städtischen Regionen und in Zeiten sozialer Isolation besonders stark zu sein. Unabhängig von Wohnort und Krisenzeiten scheint die Interaktion mit der Natur im eigenen Umfeld insbesondere für ältere Menschen und Menschen mit physischen oder mentalen Behinderungen wichtig.
Neuer Ansatz soll Bedürfnisse von Vögeln und Menschen berücksichtigen
Die Autoren um Dayer analysieren in ihrem Bericht auch, wie sich das Unterlassen der Fütterung von Wildvögeln auf die Verbreitung von Erkrankungen, die Futtersuche und auf die Populationsgröße auswirkt. Das vorläufige Fazit lautet: Das Einstellen der Fütterung durch den Menschen könnte bei den Vögeln auch dazu führen, dass sie den Radius zur Nahrungssuche ausweiten müssen und dadurch ebenfalls zur Verbreitung von Krankheiten beitragen.
Die Forscher schlagen daher vor, das bisherige Vorgehen zu adaptieren. Bevor eine Empfehlung zum Einstellen der Fütterung von Wildvögeln ausgesprochen wird, sollten weitere Daten aus der Vogelpopulation, die Bedeutung der Maßnahmen für den Menschen und Hygienemaßnahmen bei der Fütterung einbezogen werden.
Weitere Forschungen zur Bedeutung der Fütterung von Vögeln für Tier und Mensch
Mit Unterstützung der National Science Foundation sollen Daten von über 10.000 Futterstationen in den USA gesammelt werden. Die Untersuchungen werden sowohl ökologische Daten als auch soziologische enthalten. Weitere Unterstützung kommt von ‚Feeder Watch‘. Diese Organisation sammelt Daten von Futterstellen, woraus sich Informationen zum Verhalten der Tiere, zu Krankheiten, Populationsgrößen und Folgen des Klimawandels ableiten lassen. Nun sollen daneben auch Daten zu den persönlichen Empfindungen der Freiwilligen bei der Vogelfütterung und -beobachtung erhoben werden.
Kein Risiko für die Vögel und maximaler Benefit für den Menschen
Dadurch möchten die Forscher dazu beitragen, sowohl das Wohlergehen der Wildvögel als auch der Menschen zu berücksichtigen. „In einer Welt, wo so viele von uns in Städten oder am Stadtrand leben, sind Vögel an Futterstationen in unseren Höfen oder Balkonen oft die einzige Möglichkeit, mit Wildtieren in Kontakt zu kommen. Aber die Menschen möchten in der Lage sein, Vögel so zu füttern, dass die Wildvogelpopulationen gesund bleiben“, so Dana Hawley, eine Biologieprofessorin, die ebenfalls an dem Forschungsvorhaben beteiligt ist [2]. „Unsere Arbeit wird idealerweise helfen, Richtlinien zur Vogelfütterung zu entwickeln, die das Risiko für Wildvögel minimieren und den Benefit für die Menschen, die die Tiere füttern, zu maximieren.“
Situation in Deutschland
Hierzulande ist das Füttern von Wildvögeln ebenfalls sehr populär. Was es dabei zu beachten gibt, ist beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) nachzulesen. Grundsätzlich ist eine Vogelfütterung vor allem im Winter zu empfehlen. Aus hygienischen Gründen sollten statt den klassischen Vogelhäuschen Futterspender verwendet werden. Weitere Informationen zu Art und Zusammensetzung des Futters sind auf der Webseite nachzulesen. Auch beim NABU ist das Fazit: Vogelfütterung ist eine einmalige Möglichkeit für Naturerlebnis und Umweltbildung. Weitere Forschungsbemühungen in diese Richtung werden dazu beitragen, die Mensch-Tier-Interaktion positiv für beide Seiten zu gestalten.










