Einfluss von HLA-B27 auf die Sterblichkeitsrate bei ankylosierender Spondylitis

Personen mit ankylosierender Spondylitis weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine erhöhte Sterblichkeitsrate auf, insbesondere wenn sie das HLA-B27-Gen tragen. Vor allem HLA-B27-positive Frauen haben eine verkürzte Lebenserwartung.

Mortalität Schalter

Verschiedenen Berichten zufolge sterben Personen mit ankylosierender Spondylitis (AS), die das HLA-B27-Gen tragen, früher als ansonsten gesunde Personen. Eine internationale Forschungsgruppe überprüfte nun diese Hypothese anhand einer 35-jährigen Follow-up-Studie und Daten aus der UK Biobank. Die Ergebnisse sind in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift »Annals of the Rheumatic Diseases« erschienen [1].

35-Jahre Follow-up: Lebenserwartung mit HLA-B27-Status

Im Jahr 1985 wurden 363 Patienten mit ankylosierender Spondylitis aus der Schweiz und 806 Angehörige klinisch und radiologisch auf AS/axiale Spondyloarthritis (axSpA) gescreent. In einer 35-jährigen Nachbeobachtungszeit analysierten die Forschenden die Lebenserwartung von 377 axSpA-Patienten mit verfügbaren Beckenröntgenbildern und bekanntem HLA-B27-Status und verglichen diese mit Daten aus der Schweizer Bevölkerung. Die Untersuchung der Überlebensrate in Bezug auf den HLA-B27-Status in der allgemeinen Bevölkerung basierte auf Daten von Menschen europäischer Abstammung aus der UK Biobank (Gesamtzahl n=407.480, Todesfälle n=30.419).

Verkürzte Lebenserwartung bei HLA-B27-positiven AS-Patienten

In dieser Studie wiesen Patienten mit ankylosierender Spondylitis im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung eine um 1,37-fach erhöhte standardisierte Mortalitätsratio (SMR) auf (95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 1,11 bis 1,62). Für HLA-B27-positive AS-Patienten ergab sich eine Sterblichkeitsrate von 1,38 (95%-KI 1,11–1,65). Eine verkürzte Lebenserwartung wurde sowohl bei HLA-B27-positiven Frauen (SMR 1,77, 95%-KI 1,09–2,70) als auch bei HLA-B27-positiven Männern (SMR 1,31, 95%-KI 1,02–1,59) mit ankylosierender Spondylitis beobachtet.

Patienten mit nicht radiologischer axSpA (nr-axSpA) hatten eine signifikant niedrigere SMR: 0,44 (95%-KI 0,23–0,77) im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung.

Das Tragen von HLA-B27 in der europäischstämmigen Bevölkerungskohorte der UK Biobank wirkte sich kaum auf die Sterblichkeitsrate (HR 1, 95%-KI 0,97–1,1, p=0,349, adjustiert nach Geschlecht) aus, weder bei Männern (HR 1, 95%-KI 0,98–1,1, p=0,281) noch bei Frauen (HR 0,96, 95%-KI 0,9–1, p=0,232). Auch wurde keine Zunahme der Sterblichkeit aufgrund von Gefäßerkrankungen beobachtet.

Fazit

Der Studie zufolge haben Patienten mit ankylosierender Spondylitis, mit Ausnahme der nr-axSpA, eine signifikant verkürzte Lebenserwartung. Besonders deutlich ist die erhöhte Mortalität bei Frauen mit HLA-B27-positiver AS. Das Vorhandensein des HLA-B27-Gens allein hat keinen Einfluss auf die Überlebensrate oder auf das Risiko, an Gefäßerkrankungen zu sterben, so das Fazit der Studienautoren.

Autor:
Stand:
14.09.2023
Quelle:

Li, Z. et al. (2023): HLA-B27, axial spondyloarthritis and survival. Annals of the Rheumatic Diseases, DOI: 10.1136/ard-2023-224434

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