Spondylitis ankylosans: Geschlechterunterschied bei Rückenschmerzen

Forscher bestätigen, dass entzündlicher Rückendschmerz bei Spondylitis ankylosans eine signifikant niedrigere Prävalenz bei Männern aufweist. Eine Ursache könnten unterschiedliche inflammatorische Schmerzmechanismen beider Geschlechter sein.

Genderunterschiede

Entzündlicher Rückenschmerz als häufiges Symptom

Der chronische Rückenschmerz ist in allen Klassifikationssystemen für Spondylitis ankylosans (SA) ein wichtiges Kriterium. Die Schmerzen können auf entzündlichen Prozessen (Sakroilitis, Spondylitis, Spondylodiszitis) oder strukturellen Schäden basieren.

Entzündliche Rückenschmerzen (ER) gelten als häufigstes Symptom bei SA. Zuvor wurden die Berliner Kriterien als die Klassifikation mit der höchsten Spezifität für ER verifiziert. Nach diesen Kriterien beträgt die Prävalenz des ER ca. 43%.

Das Vorhandensein von ER diagnostizierte eine SA in vorherigen Studien mit einer Sensitivität von 70%. Einige SA-Patienten weisen jedoch keinen ER auf und insbesondere im ambulanten Setting fiel eine geringere Prävalenz von ER bei Männern auf. Aktuelle Studien bei weiblichen Patientinnen zeigten zudem erhöhte Schmerz-Scores, obwohl sie im Vergleich zu männlichen Patienten bessere inflammatorische Marker und radiologische Befunde aufwiesen.

Studie zu Geschlechterunterschieden bei ER

Französische Forscher untersuchten in einer aktuellen Studie die Häufigkeit von ER bei männlichen SA-Patienten im Vergleich zu weiblichen SA-Patientinnen.

Charakterisierung des ER mithilfe standardisierter Fragebögen

Insgesamt wurden 124 männliche und 57 weibliche Patienten mit SA in die Studie eingeschlossen. Zur Überprüfung der Spezifität der Berliner-Kriterien in der Studienkohorte wurden zusätzlich 64 Patienten mit mechanischen Rückenschmerzen (MR) einbezogen. Alle Studienteilnehmer durchliefen ein persönliches Interview, in dem das Vorkommen und die Eigenschaften des ER mithilfe standardisierter Fragebögen charakterisiert wurden.

Zusätzlich wurden zur Evaluation von Funktionalität und Aktivität der Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI), Bath Ankylosing Spondylitis Functional Index (BASFI), und Bath Ankylosing Spondylitis Metrology Index (BASMI) erhoben.

Die subjektiven Kriterien wurden durch objektive Entzündungsparameter, darunter Erythrozyten-Sedimentation und CRP-Werte, sowie durch Standard-Röntgenaufnahmen von Becken und Wirbelsäule ergänzt.

Niedrigere Prävalenz von ER bei Männern im Vergleich zu Frauen

Weibliche SA-Patientinnen präsentierten häufiger ER mit einer Prävalenz von 87,7% im Vergleich zu 66,1% bei Männern (p=0.002). Bei beiden Geschlechtern wiesen die Berliner-Kriterien in der Differenzierung zwischen ER und mechanischen Rückenschmerzen hohe Spezifitäten von 85,7% bei Frauen und 89,2% bei Männern auf. Die Sensitivität betrug insgesamt 72%. Die weibliche SA-Gruppe präsentierte zudem höhere BASDAI-Scores, es gab jedoch keine relevanten Unterschiede in den anderen Scores oder Entzündungsparametern.

Geschlechterunterschiede auch in radiologischen Befunden

Die Auswertung der Röntgenbefunde ergab eine höhere Prävalenz von axialen Veränderungen in der männlichen Studiengruppe. Syndesmophyten in mindestens einer Ebene der Wirbelsäule fanden sich bei 48,3% der Männer im Vergleich zu 33,3% der Frauen (p=0.04). Dabei war bei weiblichen Patientinnen die Prävalenz von Syndesmophyten mit ER assoziiert, während dies bei der männlichen Gruppe nicht beobachtet wurde. In vorausgegangenen Studien waren bei Männern mit SA mildere Symptome trotz höherer radiologischen Schäden festgestellt worden.

Neuropathische Mechanismen spielen eine Rolle in der Schmerzentstehung bei SA

Die Beobachtungen unterstützen die Ergebnisse vorausgegangener Studien, die neben inflammatorischen Faktoren auch neuropathische Mechanismen im Rahmen der Schmerzentstehung postulieren. Beispielsweise wurden in bildgebenden Analysen Geschlechterunterschiede in der Schmerztoleranz, Schmerzsensitivität und Adaptation beobachtet.

Klinische Relevanz von Geschlechterunterschieden bei SA

Insgesamt scheinen molekulare und neurologische Mechanismen die Schmerzwahrnehmung und -ausprägung zwischen den Geschlechtern unterschiedlich zu beeinflussen. Die höhere Prävalenz von ER bei Frauen mit SA könnte die Spezifität der diagnostischen Kriterien steigern. Das Thema Genderbias erhält zunehmend Beachtung in der klinischen Forschung. Die klinische Bedeutung der Geschlechterunterschiede bei SA sollte in weiteren Studien mit größeren Kohorten untersucht werden.

Autor:
Stand:
15.03.2024
Quelle:
  1. Kenar et al. (2024): A lower frequency of inflammatory back pain in male patients with ankylosing spondylitis compared with female patients. Rheumatology international, DOI: 10.1007/s00296-023-05449-5
  2. Wu (2013): Neuropathic pain in ankylosing spondylitis: a psychophysics and brain imaging study. Arthritis and rheumatism, DOI:  10.1002/art.37920
  3. Tournadre et al. (2013): Differences between women and men with recent-onset axial spondyloarthritis: results from a prospective multicenter French cohort. Arthritis care & research, DOI: 10.1002/art.37920
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