Qualität und Einfluss von TikTok-Inhalten zur pädiatrischen Rheumatologie

Immer mehr Social Media-Inhalte, z.B. von Patienten, befassen sich mit medizinischen Themen. Eine italienische Studie untersuchte die Qualität und den Einfluss von TikTok-Videos über pädiatrische Rheumatologie.

Social Media

Soziale Medien sind weltweit eine äußerst verbreitete Form der Online-Interaktion, mit mehr als 4,5 Milliarden Nutzern im Jahr 2022. TikTok, eine der aktuell beliebtesten Video-Sharing-Plattformen, hat insbesondere unter jungen Menschen eine enorme Reichweite, mit über 1 Milliarde monatlicher Nutzer weltweit. Dies macht diese Gruppe besonders empfänglich für gewisse Informationen, wie auch Gesundheitsinformationen, auf der Plattform.

Social-Media-Inhalte über pädiatrische Rheumatologie

Die pädiatrische Rheumatologie umfasst eine Vielzahl von Erkrankungen, die Kinder und Jugendliche betreffen und oft bis ins Erwachsenenalter andauern. Häufig handelt es sich um seltene Erkrankungen, die vielen Betroffenen und ihren Familien weitgehend unbekannt sind. In den letzten Jahren haben soziale Medien an Bedeutung gewonnen, da immer mehr Profile über diese und andere Krankheiten informieren oder persönliche Erfahrungen teilen.

Soziale Medien können einen erheblichen Einfluss auf das Gesundheitsverhalten von Patienten und ihren Betreuern haben, wie bereits für andere Erkrankungen und Patientengruppen gezeigt werden konnte. Eine aktuelle italienische Studie hat nun Inhalte auf TikTok zur pädiatrischen Rheumatologie hinsichtlich ihrer Qualität und weiteren Eigenschaften untersucht.

Eine Analyse des Contents über pädiatrische Rheumatologie

Zwischen dem 15. und 30. November 2023 wurden die 40 meist „geliketen“ Videos aus 25 relevanten TikTok-Hashtags systematisch durchsucht. Videos in Italienisch und Englisch wurden eingeschlossen, während Fotosequenzen, Duplikate und irrelevante Videos ausgeschlossen wurden.

Bewertungskriterien orientierten sich an ähnlichen Auswertungen

Die Videos wurden von pädiatrischen Rheumatologen anhand der folgenden Kriterien beurteilt:

  • Content Creator: Gesundheitsfachkräfte (HCPs) wie pädiatrische Rheumatologen, Kinderärzte, Rheumatologen, andere Ärzte, nichtmedizinisches Gesundheitspersonal und Medizinstudenten; sowie nichtmedizinische Fachleute (NHCPs) wie Patienten, Betreuer, Influencer und Verkäufer
  • Video-Metriken: Ansichten, Kommentare und andere Interaktionen
  • Inhaltlicher Zweck: Bildung, Patienten- oder Betreuererfahrung, Unterhaltung oder Werbung
  • Fehlinformationen: Minimal (<30%), signifikant (>30%) oder keine
  • Informationsqualität: Bewertet anhand der JAMA-Benchmark-Kriterien (0-4 Punkte)

TikTok-Videos haben sehr große Reichweite

Insgesamt wurden 847 Videos für die Analyse berücksichtigt. Diese erzielten rund 279 Millionen Aufrufe und 24,6 Millionen Interaktionen, darunter 23 Millionen Likes, 0,2 Millionen Kommentare, 1 Million Speicherungen und 0,4 Millionen Shares. Die drei beliebtesten Hashtags waren „autoimmune-disease“ (17,7 Millionen Likes), „vasculitis“ (2,2 Millionen Likes) und „systemiclupus“ (0,8 Millionen Likes).

Bei den Aufklärungsvideos konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen HCPs und NHCPs in Bezug auf die Aufrufe, Likes und Interaktionen festgestellt werden. Jedoch wurden die von NHCPs veröffentlichten Aufklärungsvideos häufiger kommentiert als die von HCPs.

Deutlich mehr nichtmedizinische Content Creator

Von den 847 analysierten Videos wurden 87% von NHCPs und 12,6% von HCPs erstellt. Unter den Videoautoren waren die meisten Patienten (51,8 %) und Pfleger (27,7 %), während nur ein kleiner Prozentsatz aus Influencern (6,6 %) und Verkäufern (0,8 %) bestand. Besonders interessant ist, dass nur wenige Videos von Rheumatologen (0,8%), Kinderärzten (1,2%) und pädiatrischen Rheumatologen (0,1%) erstellt wurden.

Mehrheit der Videos vermittelte korrekte Informationen

Die Informationen in 84,9% der Videos wurden als korrekt eingestuft, während 11,5% minimale und 3,3% signifikante Fehlinformationen enthielten. Zwischen Videos von HCPs und NHCPs gab es keinen signifikanten Unterschied in der Häufigkeit von Fehlinformationen. Der durchschnittliche JAMA-Benchmark-Score war jedoch bei Videos von HCPs signifikant höher als bei Videos von NHCPs, was für eine höhere Informationsqualität spricht (2,9 vs. 2,8; p=0,02).

Social-Media-Content als Zukunft medizinischer Aufklärung?

Offensichtlich ist pädiatrische Rheumatologie ein Thema von großem Interesse auf Social Media. Gesundheitsfachkräfte, insbesondere pädiatrische Rheumatologen und verwandte medizinische Organisationen, sollten ihre Bemühungen verstärken, um umfassendere und genauere Bildungsinhalte auf Social Media bereitzustellen. Dies könnte erheblich dazu beitragen, das Verständnis und die Unterstützung für Patienten und deren Betreuer zu verbessern.

Autor:
Stand:
17.06.2024
Quelle:

La Bella S, et al. (2024): Quality and Characteristics of Pediatric Rheumatology Content on Social Media: Toward a New Era of Education for Patients and Caregivers? J Rheumatol., DOI: 10.3899/jrheum.2024-0039

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden