Bewegungstherapien bei Kniearthrose
Chronisch degenerative Gelenkerkrankungen sind muskuloskelettale Pathologien, die weltweit mehr als 595 Millionen Menschen betreffen. Eine Unterform ist die Kniearthrose, die durch Gelenkschmerzen und -dysfunktion gekennzeichnet ist. Sie führt zu Einbußen in der Bewegung und Lebensqualität der Betroffenen. Als Erstlinientherapie empfehlen die internationalen Leitlinien Bewegungstherapie, um den Schmerz und die Funktion zu verbessern. Als wirksam gelten hier insbesondere Stärkungsübungen.
Unterschiede bei Wirkmechanismen Yoga versus Stärkungsübungen bei Kniearthrose
Zwar sind Muskelkräftigungsprogramme bzw. Stärkungsübungen gut etabliert, doch direkte Vergleiche mit alternativen Disziplinen wie Yoga sind rar. Yoga und Muskelkräftigungsübungen sind zwei unterschiedliche Interventionen, die durch verschiedene Mechanismen Schmerzen lindern und die Funktion des Knies verbessern können. So verbessern die Kräftigungsübungen insbesondere die Muskelkraft rund um das Kniegelenk und erhöhen dadurch die Gelenkstabilität und reduzieren so mechanisch bedingte Schmerzen. Im Gegensatz dazu vereint Yoga Körperhaltung, Achtsamkeit und Atemtechniken, die den Schmerz durch die Kombination aus verbesserter Beweglichkeit, Stressreduktion und Körper-Geist-Bewusstsein senken können.
Studie untersucht Unterschiede in Wirksamkeit zwischen Yoga und Stärkungsübungen bei Gonarthrose
Eine aktuelle Studie prüfte daher erstmals in einer klar definierten, randomisierten Studie, ob die Wirksamkeit eines systematischen Yoga-Programms gegenüber einem evidenzbasierten Kräftigungsprogramm nicht unterlegen ist. Hierfür wurden 117 Studienteilnehmer 1:1 auf die Gruppen Yoga oder aktive evidenzbasierte Stärkungsübungen (n=58 versus n=59) verteilt. Der Altersdurchschnitt lag bei 62,5 Jahren und der Frauenanteil bei 72,6 %. Beide Gruppen absolvierten zwei wöchentliche Übungssitzungen, durchgeführt von Physiotherapeuten und Yogalehrern, und eine Home-Session pro Woche über zwölf Wochen, danach wöchentlich drei Einheiten zu Hause bis Woche 24.
Der primäre Studienendpunkt war die Schmerzreduktion auf der visuellen Analogskala nach zwölf Wochen. Sekundäre Outcomes umfassten unter anderem den Western Ontario and McMaster Universities Osteoartritis Index (WOMAC), der Schmerz, Funktion, Steifigkeit bewertete, sowie diverse andere Tests beispielsweise zur Messung der Muskelfunktion und Lebensqualität.
Beide Gruppen erzielten eine Schmerzreduktion
Die Wissenschaftler zeigten, dass beide Gruppen klinisch relevante Schmerzlinderung erlebten.
Sekundäre Ergebnisse: Funktion, Steifigkeit, Stimmung
Von den 27 bewerteten sekundären Endpunkten ergaben sich sieben signifikante Vorteile zugunsten von Yoga. Sie verbesserten sich im WOMAC-Schmerz Score, WOMAC-Funktionsscore und WOMAC-Steifheitsscore etwas mehr im Vergleich zur Stärkungsübungsgruppe. Auch die Werte des Patient Global Assessment waren besser. Ferner fiel der 40 m Gehtest bei der Yoga-Gruppe etwas besser aus. Sie verbesserten sich zudem mehr in der Lebensqualität und beim Depressionsscore im Vergleich zur Stärkungsübungsgruppe. Dies ist besonders vor dem Hintergrund interessant, da viele Gonarthrosepatienten eine Depression als Komorbidität aufweisen.
Yoga-Gruppe hatte etwas mehr interventionsbezogene unerwünschte Wirkungen
Unerwünschte Wirkungen waren mild und vergleichbar zwischen den beiden Gruppen. jedoch berichtete die Yoga-Gruppe häufiger interventionsbezogene unerwünschte Wirkungen (15.5 % vs. 6.8 %). Die könnte laut den Wissenschaftlern daran liegen, dass die Studienteilnehmer noch nicht an bestimmte Yogaposen gewöhnt waren.
Yoga sinnvolle Ergänzung zur Kniearthrosetherapie
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sowohl Yoga als auch die Stärkungsübungen den Schmerz bei Patienten mit Kniearthrose senken könnten. Nichtsdestotrotz verbesserte Yoga, wenn auch moderat, die Funktion und das psychische Befinden der Betroffenen etwas mehr im Vergleich zu den Stärkungsübungen. Dies unterstreicht das Potenzial von Yoga als sinnvolle Ergänzung oder Alternative in der Kniearthrosebehandlung - zumal sich die unterschiedlichen Wirkmechanismen so ergänzen können.
Die Studie ist bei ANZCTR.org unter ACTRN12621000066886 registriert.







