Aescin

Aescin ist ein pflanzlicher Wirkstoff aus Rosskastaniensamen. Er verbessert die Venenzirkulation, reduziert Ödeme, Schmerzen und Schweregefühl und wird bei Venenleiden, Prellungen, Hämatomen und unterstützend bei Hämorrhoiden eingesetzt.

Aescin

Anwendung

Aescin wird zur Behandlung von Erkrankungen mit venöser Insuffizienz, insbesondere bei chronischen Beinbeschwerden wie Schweregefühl, Schmerzen und Schwellungen, eingesetzt. Darüber hinaus wird der Wirkstoff bei traumatisch bedingten Ödemen, Prellungen, Verstauchungen und Hämatomen verwendet. Aescin kommt auch unterstützend bei der symptomatischen Behandlung von Hämorrhoiden sowie bei postoperativen oder posttraumatischen Schwellungen zum Einsatz.

Anwendungsart

Aescin ist sowohl zur oralen als auch zur topischen Anwendung verfügbar. In Tablettenform wird es mit ausreichend Flüssigkeit unzerkaut eingenommen. Bei äußerlicher Anwendung, etwa in Form von Gelen oder Cremes, wird Aescin direkt auf die betroffenen Hautpartien aufgetragen und sanft einmassiert.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Nach oraler Gabe wird Aescin nur in begrenztem Umfang aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Studien mit Tritium-markiertem Aescin zeigten bei Maus und Ratte eine durchschnittliche Absorptionsrate von 12 % bis 16 % der verabreichten Dosis.

Verteilung

  • Aescin verteilt sich nach der oralen Aufnahme primär über den Blutkreislauf. Die höchsten Konzentrationen finden sich im Blut, während die Organverteilung – insbesondere in Leber und Niere – im Vergleich dazu als unauffällig beschrieben wird.

Metabolismus

  • Aescin unterliegt nach oraler Einnahme einem ausgeprägten First-Pass-Metabolismus. 
  • Die Rate der Biotransformation ist deutlich höher als nach intravenöser Verabreichung. 
  • Genaue Details zu den beteiligten Enzymsystemen oder Metaboliten sind bislang nicht abschließend geklärt.

Elimination

  • Die Ausscheidung von Aescin erfolgt renal und biliär.

Wirkmechanismus

Aescin ist ein Gemisch von Saponinen aus der Rosskastanie (Aesculus hippocastanum). Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht abschließend erforscht.

Präklinische und klinische Studien deuten jedoch darauf hin, dass Aescin sowohl den Venentonus beeinflusst als auch die kapillare Filtration reduziert. Der primäre Angriffspunkt liegt an der Gefäßwand, wo Aescin bei pathologisch gesteigerter Kapillarpermeabilität die Exsudation hemmt. Dies erfolgt durch verringerte Kapillardurchlässigkeit und verbesserten Abtransport vorhandener Ödeme. Darüber hinaus steigert Aescin die Kapillarresistenz, hemmt entzündliche Prozesse und verbessert die Mikrozirkulation.

Dosierung

Orale Anwendung

Die Dosierung von Aescin richtet sich nach Alter und Schweregrad der Beschwerden:

  • Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren: Zu Therapiebeginn werden dreimal täglich 40 mg empfohlen. In leichteren Fällen oder zur Erhaltungstherapie genügt eine Dosis von dreimal täglich 20 mg. Abhängig vom Schweregrad können alternativ täglich morgens und abends jeweils 50 mg Aescin verabreicht werden 
  • Kinder von 7 bis 14 Jahren: Es wird eine Einnahme von 2- bis 3-mal täglich 20 mg empfohlen. 
  • Kinder unter 7 Jahren: Für diese Altersgruppe ist Aescin in oraler Anwendung nicht geeignet.

Topische Anwendung

  • Die Wirkstoffmenge beträgt 1 g/100 g Gel
  • Erwachsene: Aescin wird 2- bis 3-mal täglich dünn auf die intakte Haut der betroffenen Körperstellen aufgetragen. 
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Die Anwendung von Aescin ist in dieser Altersgruppe kontraindiziert.

Behandlungsdauer

Die Behandlungsdauer richtet sich nach dem Krankheitsbild. Eine Anwendung über mehrere Wochen ist in der Regel möglich, sollte jedoch regelmäßig ärztlich überprüft werden.

Überdosierung

Bisher wurden keine Fälle einer Überdosierung mit Aescin berichtet.

Nebenwirkungen

Zu den Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Aescin auftreten können, zählen:

  • bei oraler Anwendung: gelegentlich Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Magen- und Darmbeschwerden (Schleimhautreizungen) 
  • bei topischer Anwendung: allergische Hautreaktionen

Die vollständigen Angaben können der jeweiligen Fachinformation entnommen werden.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der oralen Anwendung von Aescin zu beachten: 

  • Verstärkung der Gerinnungshemmung: Aescin kann die Wirkung gerinnungshemmender Arzneimittel verstärken. Eine engmaschige Überwachung der Gerinnungsparameter ist daher empfehlenswert.
  • Vermeidung von Aminoglykosiden: Die gleichzeitige Anwendung von Aminoglykosid-Antibiotika (z. B. Gentamicin) sollte vermieden werden, da eine mögliche Erhöhung der Nephrotoxizität nicht ausgeschlossen werden kann.
  • Einfluss auf die Plasmaeiweißbindung: Antibiotika wie Cefalotin und Ampicillin können die Bindung von Aescin an Plasmaproteine beeinflussen und so die Konzentration von freiem Aescin im Serum erhöhen. Eine gleichzeitige Anwendung mit diesen Wirkstoffen wird nicht empfohlen.

Bei topischer Anwendung liegen bislang keine Studien zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln vor.

Kontraindikation

Die Anwendung von Aescin ist generell kontraindiziert bei: 

  • Überempfindlichkeit gegen Aescin
  • Schwere Nierenerkrankungen
  • Schwangerschaft und Stillzeit 
  • Kinder unter 7 Jahren bei oraler Anwendung und unter 18 Jahren bei topischer Anwendung
  • topische Anwendung auf geschädigter Haut, wie z. B. bei Verbrennungen, Ekzemen oder bei offenen Wunden

Schwangerschaft

Die Sicherheit von Aescin während der Schwangerschaft ist nicht ausreichend belegt. Aufgrund unzureichender Erfahrungen wird die Anwendung während der Schwangerschaft nicht empfohlen.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Aescin in die Muttermilch übergeht. Ein potenzielles Risiko für das gestillte Kind kann nicht sicher ausgeschlossen werden. Daher sollte Aescin während der Stillzeit nicht angewendet werden.

Verkehrstüchtigkeit

Aescin hat keinen oder nur einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Aescin sind folgende Warnhinweise zu beachten:

  • Bei persistierenden oder sich verschlechternden Symptomen und ungewöhnlichen Nebenwirkungen ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
  • Die topische Anwendung darf nicht auf verletzter Haut, offenen Wunden oder Schleimhäuten erfolgen. Nach dem Auftragen sind die Hände gründlich zu waschen.
  • Topisch angewendetes Aescin ergänzt, ersetzt jedoch nicht Maßnahmen wie Kompression oder Kaltwassertherapie.

Alternativen

Abhängig von den spezifischen Bedürfnissen und der Reaktion des Patienten auf die Behandlung können alternativ auch folgende alternative Behandlungsoptionen verwendet werden:

  • weitere pflanzliche Venentherapeutika wie Troxerutin, Diosmin, Rutosid oder Hamamelisextrakte
  • Heparinoide zur lokalen Anwendung bei Schwellungen und Blutergüssen
  • Kompressionstherapie bei venöser Insuffizienz 
  • in schweren Fällen auch systemische Phlebotonika oder chirurgische Maßnahmen

Wirkstoff-Informationen

Kindstoff(e): Aescin, Natriumsalz

Wirkstoff-Informationen

Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
06.08.2025
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
  2. Fachinformationen ausgewählter Aescin-Hersteller (z. B. Reparil-Dragees Madaus, Venostasin-Gel-Aescin)
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