Amikacin

Amikacin ist ein Aminoglykosid-Antibiotikum, das durch Hemmung der bakteriellen Proteinbiosynthese wirkt und vorrangig gegen gramnegative Bakterien eingesetzt wird. Es findet Anwendung bei schweren Infektionen, die durch amikacinempfindliche Erreger verursacht werden, einschließlich multiresistenter Stämme.

Amikacin

Anwendung

Amikacin wird angewendet zur Behandlung schwerwiegender Infektionen mit Amikacin-empfindlichen Gram-negativen Erregern (einschließlich Pseudomonaden, E.coli, indolnegativer und indolpositiver Proteus spp., Klebsiellen, Enterobacter, Serratia, Salmonellen und Shigellen).

Die Erkrankungen umfassen:

  • Infektionen der Atemwege
  • Infektionen des Bauchraums einschließlich Peritonitis
  • schwere septische Infektionen im Urogenitalbereich
  • Bakteriämie, Septikämie, Meningitis, Endokarditis (nur in Kombination mit einem Betalaktam-Antibiotikum)
  • infizierte Verbrennungswunden

Anwendungsart

Amikacin wird als Lösung für die intravenöse (i.v.) Kurzinfusion angewendet. Die Dauer der Behandlung variiert je nach Schweregrad der Infektion und bewegt sich typischerweise in einem Rahmen von 3 bis 10 Tagen.

Wirkmechanismus

Amikacin ist ein Aminoglykosid-Antibiotikum, das seine bakterizide Wirkung durch die Hemmung der Proteinbiosynthese in bakteriellen Zellen entfaltet. Es bindet spezifisch an die 30S-Untereinheit des bakteriellen Ribosoms, was zu einer fehlerhaften Paarung von mRNA-Codons mit den tRNA-Anticodons führt. Diese fehlerhafte Paarung verursacht die Synthese fehlerhafter Proteine, was letztlich die bakterielle Zellfunktion stört und zum Zelltod führt.

Dosierung

Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre:

  • Normalfunktion der Nieren (Kreatinin-Clearance ≥ 50 ml/min): 15 mg/kg/Tag, entweder als Einmaldosis oder aufgeteilt in zwei Dosen von 7,5 mg/kg alle 12 Stunden.
  • Tageshöchstdosis: 1,5 g. Bei Endokarditis oder febriler Neutropenie wird eine zweimal tägliche Dosierung empfohlen.

Kinder von 4 Wochen bis 12 Jahre:

  • Normalfunktion der Nieren: 15 – 20 mg/kg/Tag, entweder als Einmaldosis oder aufgeteilt in zwei Dosen von 7,5 mg/kg alle 12 Stunden.

Neugeborene:

  • Initialdosis: 10 mg/kg, gefolgt von 7,5 mg/kg alle 12 Stunden.

Frühgeborene:

  • Empfohlene Dosis: 7,5 mg/kg alle 12 Stunden.

Intravenöse Verabreichung bei pädiatrischen Patienten:

  • Die Infusionsdauer sollte normalerweise zwischen 30 und 60 Minuten betragen, bei Säuglingen 1 bis 2 Stunden.

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen von Amikacin umfassen:

  • Gleichgewichtsstörungen, Schwindelgefühle
  • Nystagmus
  • Tinnitus
  • Druck auf oder in den Ohren
  • Innenohrschwerhörigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schädigung der Nierentubuli mit einer mehr oder weniger reversiblen Einschränkung der Nierenfunktion

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Amikacin zu beachten:

  • Diuretika: Können Nephro- und Ototoxizität von Amikacin erhöhen.
  • Cephalosporine steigern die Nephrotoxizität; engmaschige Überwachung erforderlich.
  • Synergistische Effekte mit Azlocillin, Piperacillin gegen bestimmte Bakterien und Betalaktam-Antibiotika, aber Vorsicht bei Mischung wegen möglicher Inaktivierung.
  • Muskelrelaxanzien und Inhalationsnarkotika: Können die neuromuskulär-blockierende Wirkung von Amikacin verstärken.
  • Sonstige Arzneimittel: Kombination mit neuro-, nephro- oder ototoxischen Substanzen vermeiden. Indometacin kann Plasmakonzentration bei Neugeborenen erhöhen.
  • Laborwerte: Falsch erhöhte Serumkreatinin-Werte bei Gabe von Cephalosporinen möglich; Aminoglykosid-Spiegel in Proben können durch Inaktivierung verfälscht werden.

Kontraindikationen

Amikacin darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Amikacin zu beachten:

  • Vorsicht bei bestimmten Patientengruppen: Besondere Aufmerksamkeit ist geboten bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, Gehör- oder Gleichgewichtsstörungen, vorheriger Behandlung mit Aminoglykosiden und bei Myasthenia gravis.
  • Risikofaktoren für Nebenwirkungen: Zu den Faktoren, die das Risiko für oto- und nephrotoxische Reaktionen erhöhen, gehören Frühgeburt, hohes Alter, bestehende Hörschäden, Vorbehandlung mit nephrotoxischen Substanzen, gleichzeitige Gabe ototoxischer oder nephrotoxischer Medikamente, Notwendigkeit einer hohen und langdauernden Dosierung, Schock, Dehydratation, Sepsis und schwere Begleiterkrankungen.
  • Engmaschige Überwachung: Bei Risikopatienten ist eine sorgfältige und tägliche Überwachung der Nieren-, Gehör- und Gleichgewichtsfunktion sowie die Bestimmung der Amikacin-Blutkonzentrationen erforderlich.
  • Genetische Faktoren: Patienten mit mitochondrialen DNA-Mutationen, insbesondere der 1555-A- bis-G-Substitution im 12S-rRNA-Gen, haben ein erhöhtes Risiko für Ototoxizität. Bei solchen Patienten oder bei auffälliger Familienanamnese bezüglich Aminoglykosid-induzierter Taubheit sollten alternative Behandlungen oder Gentests in Betracht gezogen werden.
  • Anwendung bei speziellen Patientengruppen: Bei Früh- und Neugeborenen ist wegen der unreifen Nierenfunktion Vorsicht geboten. Ältere Patienten können aufgrund möglicher Einschränkungen der Nierenfunktion ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen haben.
  • Notwendige Kontrollen und Maßnahmen: Überwachung der Nierenfunktion, des Blutbildes, der Leberfunktion sowie der Hör- und Gleichgewichtsfunktion vor, während und nach der Therapie ist erforderlich. Eine ausreichende Hydratation und Harnproduktion sollten sichergestellt werden.

Alternativen

Siehe Aminoglykosid-Antibiotika

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
585.6 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 2.3 H
Q0-Wert:
0.04
Autor:
Stand:
15.02.2024
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