Atogepant
Atogepant ist ein CGRP-Rezeptor-Antagonist zur Prophylaxe episodischer und chronischer Migräne bei Erwachsenen. Der Wirkstoff wird oral als Tablette eingenommen und blockiert gezielt CGRP-vermittelte Prozesse im trigeminalen System.
Atogepant: Übersicht

Anwendung
Der Wirkstoff Atogepant ist ein CRGP-Rezeptor-Antagonist, der zur Prophylaxe von episodischer und chronischer Migräne bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat angewendet wird.
Anwendungsart
Atogepant wird in Tablettenform einmal täglich unzerkaut oral verabreicht.
Wirkmechanismus
Atogepant gehört zur Gruppe der Gepante, einer Klasse niedermolekularer CGRP-Rezeptor-Antagonisten. CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) ist ein Neuropeptid, das eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Migräneanfällen spielt. Es wirkt gefäßerweiternd, fördert die Neuroinflammation und sensibilisiert schmerzleitende Nervenbahnen.
Atogepant blockiert gezielt den CGRP-Rezeptor und unterbindet so die Effekte von CGRP auf das trigemino-vaskuläre System. Es zeigt zudem Affinität zu weiteren Rezeptoren der Calcitonin-/CGRP-Rezeptorfamilie. Diese Rezeptoren gelten als potenziell an der Migränepathophysiologie beteiligt.
Durch die kompetitive Hemmung dieser Zielstrukturen trägt Atogepant zur Prävention von Migräneattacken bei, auch wenn der genaue klinische Wirkmechanismus noch nicht vollständig geklärt ist.
Pharmakokinetik
Resorption
- Schnelle Aufnahme: Nach oraler Einnahme wird Atogepant rasch resorbiert und erreicht die maximale Plasmakonzentration nach etwa 1 bis 2 Stunden.
- Lineare Pharmakokinetik: Bei Dosierungen bis zu 170 mg zeigt Atogepant eine dosisabhängige Pharmakokinetik ohne Akkumulation.
- Einfluss von Nahrungsmitteln: Eine fettreiche Mahlzeit verringert die maximale Plasmakonzentration um etwa 22 % und die AUC um ca. 18 %, ohne den Wirkeintritt zu verzögern. Die Tabletteneinnahme ist nicht an Mahlzeiten gebunden.
Verteilung
- Plasmaproteinbindung: Etwa 4,7 % des Wirkstoffs liegt ungebunden im Plasma vor, die Plasmaproteinbindung bleibt auch bei steigender Konzentration konstant.
- Verteilungsvolumen: Das mittlere scheinbare Verteilungsvolumen (Vz/F) beträgt etwa 292 Liter nach oraler Gabe.
Metabolismus
- Hauptabbauweg: Atogepant wird hauptsächlich über das Enzym CYP3A4 metabolisiert.
- Plasmabestandteile: Im Plasma sind vor allem die unveränderte Muttersubstanz und ein Glucuronidmetabolit (M23) nachweisbar.
- Enzyminteraktion: Atogepant hemmt oder induziert in klinisch relevanten Konzentrationen keine wichtigen Cytochrom-P450-Isoenzyme (u. a. CYP3A4, 2D6, 2C9) und ebenso nicht MAO-A oder UGT1A1.
Elimination
- Halbwertszeit: Die mittlere Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 11 Stunden.
- Clearance: Die scheinbare orale Clearance (CL/F) beträgt im Mittel etwa 19 l/h.
- Ausscheidung: Nach oraler Gabe werden rund 42 % der Dosis unverändert fäkal und 5 % renal eliminiert.
Dosierung
Dosierung von Atogepant
- Standarddosis: 60 mg einmal täglich
- Einnahme: Mit oder ohne Mahlzeit
- Zeitpunkt: Die Einnahme sollte möglichst täglich zur gleichen Uhrzeit erfolgen
Dosisanpassungen bei Wechselwirkungen
- Starke CYP3A4-Inhibitoren: 10 mg einmal täglich
- Starke OATP-Inhibitoren: 10 mg einmal täglich
Besondere Patientengruppen
- Ältere Patienten: Keine Dosisanpassung erforderlich
- Leichte/mittelschwere Niereninsuffizienz: Keine Dosisanpassung notwendig
- Schwere Niereninsuffizienz (CrCl 15–29 ml/min): 10 mg einmal täglich
- Terminale Niereninsuffizienz (CrCl <15 ml/min): 10 mg einmal täglich, möglichst nach der Dialyse
- Leichte/mittelschwere Leberinsuffizienz: Keine Dosisanpassung notwendig
- Schwere Leberinsuffizienz: Anwendung kontraindiziert
Nebenwirkungen
Zu den häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Atogepant auftreten können, zählen:
- Fatigue und Somnolenz
- Gewichtsabnahme
- Verminderter Appetit
- Übelkeit und Verstopfung
Weitere Nebenwirkungen, die potenziell unter Atogepant auftreten können, umfassen:
- Überempfindlichkeit
- Erhöhte Werte von ALT/AST
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Atogepant zu beachten:
- Starke CYP3A4-Inhibitoren: Substanzen wie Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin oder Ritonavir können die Konzentration von Atogepant im Blut deutlich erhöhen. In Kombination mit Itraconazol wurde ein mehr als doppelt so hoher Cmax-Wert und eine fünffach erhöhte AUC beobachtet. Daher ist bei gleichzeitiger Gabe eine Dosisreduktion auf 10 mg täglich erforderlich.
- OATP-Inhibitoren: Wirkstoffe wie Rifampicin, Ciclosporin oder Ritonavir, die den OATP-Transport hemmen, steigern ebenfalls die Exposition gegenüber Atogepant erheblich. In Kombination mit Rifampicin wurde ein mehr als doppelt so hoher Cmax- und AUC-Wert festgestellt. Auch hier wird eine Dosisanpassung empfohlen.
- Gängige Begleitmedikation: Bei gleichzeitiger Anwendung mit oralen Kontrazeptiva (Ethinylestradiol/Levonorgestrel), Paracetamol, Naproxen, Sumatriptan oder Ubrogepant wurden keine relevanten Wechselwirkungen festgestellt. Auch die Kombination mit Famotidin oder Esomeprazol hat keine klinisch bedeutsame Veränderung der Atogepant-Exposition zur Folge.
- Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
- Scholz et al., Taschenbuch der Arzneibehandlung, 2005, Springer
- Fachinformationen des Atogepant-Herstellers abbvie (AQUIPTA 10 mg/60 mg Tabletten)










