Atosiban
Atosiban ist ein selektiver Antagonist von Oxytocin-Rezeptoren, der die uterine Kontraktion hemmt, indem er die Wirkung von Oxytocin blockiert. Es wird klinisch eingesetzt, um vorzeitige Wehen zu behandeln und die Geburt hinauszuzögern.
Atosiban: Übersicht

Anwendung
Atosiban ist indiziert zur Hinauszögerung einer drohenden Frühgeburt bei erwachsenen Schwangeren, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Regelmäßige Uteruskontraktionen mit einer Dauer von mindestens 30 Sekunden und einer Häufigkeit von ≥4 pro 30 Minuten
- Öffnung des Muttermundes auf eine Weite von 1 bis 3 cm (0–3 bei Nullipara) und Cervixverstreichung ≥50%
- Schwangerschaft in der 24. bis 33. vollendeten Schwangerschaftswoche
- Normale Herzfrequenz des Fetus
Wirkmechanismus
Atosiban wirkt als kompetitiver Antagonist an Oxytocin-Rezeptoren, die eine zentrale Rolle in der Regulation uteriner Kontraktionen während der Schwangerschaft spielen. Durch die Bindung an diese Rezeptoren verhindert Atosiban die Aktivierung der Rezeptoren durch Oxytocin, ein natürlich vorkommendes Peptidhormon, das für die Auslösung und Verstärkung von Wehen verantwortlich ist. Durch Blockade der Oxytocin-Rezeptoren wird die intrazelluläre Freisetzung von Calcium in den Myometriumzellen reduziert, was zu einer Verringerung der uterinen Kontraktionen führt.
Dosierung
Die Dosierung von Atosiban für die Behandlung vorzeitiger Wehen erfolgt in drei aufeinanderfolgenden Stufen und wird intravenös verabreicht:
Initialdosis (Bolusinjektion):
- 6,75 mg Atosiban als einmalige Bolusinjektion (Atosiban Accord 6,75 mg/0,9 ml Injektionslösung).
Erste Dauerinfusion (Sättigungsinfusion):
- 300 µg/min für 3 Stunden unmittelbar nach der Bolusinjektion (Atosiban Accord 37,5 mg/5 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung).
Zweite Dauerinfusion (nachfolgende Infusion):
- 100 µg/min für bis zu 45 Stunden nach der Sättigungsinfusion (Atosiban Accord 37,5 mg/5 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung).
Gesamtdauer der Behandlung:
- Sollte 48 Stunden nicht überschreiten.
Gesamtdosis:
- Die während einer vollständigen Therapie verabreichte Gesamtdosis sollte 330,75 mg Atosiban nicht übersteigen.
Wiederholung der Behandlung:
- Bei Bedarf kann die Behandlung mit Atosiban wiederholt werden, beginnend mit der Bolusinjektion von 6,75 mg gefolgt von den Infusionen wie oben beschrieben.
Kontraindikationen
Atosiban darf nicht angewendet werden bei:
- Schwangerschaft vor der 24. oder nach der 33. abgeschlossenen Woche
- Vorzeitigem Blasensprung >30. Schwangerschaftswoche
- Gestörter Herzfrequenz des Fetus
- Präpartalen Uterusblutungen, die eine sofortige Entbindung notwendig machen
- Eklampsie und schwere Präeklampsie, die eine Entbindung erforderlich machen
- Intrauterinem Fruchttod
- Verdacht auf intrauterine Infektion
- Placenta praevia
- Abruptio placentae
- Anderen Zuständen der Mutter oder des Fetus, bei welchen das Fortbestehen der Schwangerschaft ein Risiko wäre
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Atosiban zu beachten:
- Bei Patientinnen, bei denen ein vorzeitiger Blasensprung nicht ausgeschlossen werden kann, sollte der Nutzen einer Aufschiebung der Entbindung sorgfältig gegen das potenzielle Risiko für das Auftreten einer Chorioamnionitis abgewogen werden.
- Es liegen keine Erfahrungen zur Behandlung mit Atosiban bei Patientinnen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion vor. Bei eingeschränkter Leberfunktion sollte Atosiban mit Vorsicht eingesetzt werden. Eine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion ist wahrscheinlich nicht erforderlich.
- Bei Mehrlingsschwangerschaften oder während der 24. – 27. Schwangerschaftswoche sind nur begrenzte klinische Erfahrungen vorhanden, und der Nutzen von Atosiban ist nicht gesichert.
- Wiederholte Behandlungen mit Atosiban sind möglich, aber es liegen nur eingeschränkte klinische Erfahrungen mit bis zu drei Wiederholungen vor.
- Nach Markteinführung wurden respiratorische Ereignisse wie Dyspnoe und Lungenödem berichtet, insbesondere bei gleichzeitiger Gabe anderer Arzneimittel mit tokolytischer Wirkung und/oder bei Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften.
- Bei intrauteriner Wachstumsretardierung sollte die Entscheidung zur Fortsetzung oder erneuten Initiierung der Behandlung von der Beurteilung des fetalen Reifezustandes abhängig gemacht werden.
- Während der Verabreichung von Atosiban und bei anhaltender Wehentätigkeit sollte eine Überwachung der Wehentätigkeit und der fetalen Herzfrequenz erwogen werden.
- Als Oxytocin-Antagonist kann Atosiban theoretisch die Relaxation des Uterus und postpartale Blutungen begünstigen, daher muss nach der Entbindung der Blutverlust überwacht werden.
- Mehrlingsschwangerschaften und die gleichzeitige Gabe von Arzneimitteln mit tokolytischer Wirkung wie Calciumkanalblocker und β-Sympathomimetika sind mit einem erhöhten Risiko für Lungenödeme verbunden. Atosiban sollte in solchen Fällen mit Vorsicht angewendet werden.
Alternativen
Folgende Alternativen von Atosiban können in Betracht gezogen werden:
- Beta-Adrenerge Agonisten (Beta-Mimetika): Substanzen wie Terbutalin und Salbutamol, die zur Entspannung der Gebärmutter beitragen, indem sie die Beta-2-Adrenozeptoren stimulieren. Diese Medikamente können jedoch kardiovaskuläre Nebenwirkungen bei der Mutter verursachen, wie Tachykardie und Palpitationen.
- Magnesiumsulfat: Wird intravenös verabreicht und wirkt als Muskelrelaxans auf die glatte Muskulatur der Gebärmutter, um Wehen zu unterdrücken. Magnesiumsulfat wird auch zur Prävention von Krampfanfällen bei Präeklampsie verwendet.
- Calciumkanalblocker: Nifedipin, ein orales Medikament, das die Kalziumkanäle in den Muskelzellen der Gebärmutter blockiert, um Wehen zu unterdrücken.
- Prostaglandin-Synthesehemmer: Indometacin, ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR), das die Produktion von Prostaglandinen hemmt, welche eine Schlüsselrolle bei der Auslösung von Wehen spielen. Die Anwendung ist aufgrund potenzieller Nebenwirkungen auf den Fötus auf kurze Behandlungszeiträume und frühe Schwangerschaftsstadien beschränkt.
- Fachinformation Atosiban accord
- Steinhilber, Dieter, Manfred Schubert-Zsilavecz, and Hermann Roth. "Medizinische Chemie." (2017).
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