Brivudin
Brivudin ist ein virostatisches Medikament, das selektiv gegen das Varizella-Zoster-Virus (VZV) wirkt, indem es die virale DNA-Polymerase hemmt. Es wird vorrangig zur Behandlung von Herpes Zoster (Gürtelrose) bei Erwachsenen eingesetzt.
Brivudin: Übersicht

Anwendung
Brivudin wird angewendet zur frühen Behandlung eines akuten Herpes zoster bei immunkompetenten Erwachsenen.
Wirkmechanismus
Brivudin gehört zur Wirkstoffgruppe der Nukleosidanaloga. Allerdings ist der Wirkstoff deutlich stärker als andere Nukleosidanaloga wie Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir. Brivudin ist ein Prodrug, das erst in den mit Varicella-Zoster-Viren infizierten Zellen in seine aktive Form Triphosphat gewandelt wird. Die Umwandlung geschieht ausschließlich in den virusinfizierten Zellen, da diese das Enzym Thymidinkinase enthalten. Triphosphat hemmt die DNA-Polymerase der Zosterviren. So wird das Erbgut der Virenzellen geschädigt. Die Varicella-Zoster-Viren können sich nicht mehr vermehren und die Gürtelrose kann langsam abklingen. Gesunde Zellen werden nicht geschädigt, weil sie das Enzym Thymidinkinase nicht enthalten.
Dosierung
Standarddosierung für Erwachsene
- Eine Tablette mit 125 mg Brivudin einmal täglich.
- Behandlungsdauer: 7 Tage.
Beginn der Behandlung
- Start idealerweise innerhalb von 72 Stunden nach Hautsymptomen (Zoster-Ausschlag) oder 48 Stunden nach Erscheinen von Hautbläschen.
- Tabletten täglich zur gleichen Zeit einnehmen.
Besondere Hinweise
- Bei anhaltenden oder sich verschlechternden Symptomen während der Behandlung Arztbesuch empfohlen.
- Nur für Kurzzeitbehandlung vorgesehen.
- Reduziert das Risiko der postherpetischen Neuralgie bei Patienten über 50 Jahre.
Spezielle Patientengruppen
- Ältere Patienten (über 65 Jahre): Keine Dosisanpassung erforderlich.
- Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion: Keine Dosisanpassung erforderlich.
- Nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren empfohlen. Sicherheit und Wirksamkeit in dieser Gruppe unklar.
Nebenwirkungen
Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie Schwindel und Kopfschmerzen sind die häufigsten Nebenwirkungen der Anwendung von Brivudin.
Wechselwirkungen
Bei der Anwendung von Brivudin sind folgende Wechselwirkungen zu beachten:
- Wechselwirkung mit Fluoropyrimidinen: Brivudin kann mit Fluoropyrimidinen wie Capecitabin, 5-FU, Tegafur und Flucytosin gefährlich interagieren, was zu erhöhter Toxizität führen kann. Diese Kombination kann potenziell tödlich sein.
- Wirkung auf Dihydropyrimidindehydrogenase (DPD): Brivudin hemmt DPD irreversibel. Da DPD für den Abbau von Fluoropyrimidinen zuständig ist, führt die Hemmung zu einer Akkumulation und verstärkter Toxizität dieser Medikamente.
- Erholung der DPD-Funktion: Nach einer Brivudin-Behandlung (125 mg einmal täglich für 7 Tage) ist die volle Funktion von DPD erst nach 18 Tagen wiederhergestellt.
- Kontraindikationen: Brivudin darf nicht bei Patienten angewendet werden, die kürzlich oder in naher Zukunft (innerhalb von 4 Wochen) eine Krebs-Chemotherapie mit 5-FU oder verwandten Substanzen erhalten.
- Zeitlicher Abstand zur Fluoropyrimidin-Therapie: Zwischen dem Ende der Brivudin-Behandlung und dem Beginn einer Therapie mit Fluoropyrimidinen muss ein Mindestabstand von 4 Wochen eingehalten werden.
- Maßnahmen bei versehentlicher Anwendung: Bei versehentlicher Kombination von Brivudin mit Fluoropyrimidinen sind sofortige Krankenhauseinweisung und spezielle Maßnahmen zur Reduzierung der Toxizität notwendig.
- Symptome einer Fluoropyrimidin-Intoxikation: Dazu gehören Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Stomatitis, Mukositis, toxische epidermale Nekrolyse, Neutropenie und Knochenmarksdepression.
- Interaktion mit dopaminergen Arzneimitteln:IBei gleichzeitiger Anwendung von Brivudin und dopaminergen Medikamenten zur Behandlung der Parkinson-Krankheit kann möglicherweise Chorea ausgelöst werden.
- Sonstige Wechselwirkungen: Kein nachgewiesenes Potenzial für Induktion oder Hemmung des hepatischen CYP450-Enzymsystems; Nahrung hat keinen signifikanten Einfluss auf die Resorption von Brivudin.
Kontraindikation
Brivudin darf nicht angewendet werden bei:
- Krebs-Chemotherapie mit Fluoropyrimidinen: Brivudin ist bei Patienten kontraindiziert, die eine Krebs-Chemotherapie mit 5-Fluorouracil (5-FU) oder ähnlichen Medikamenten (einschließlich topischer Zubereitungen, Prodrugs wie Capecitabin und Tegafur sowie Kombinationsarzneimittel) erhalten haben, aktuell erhalten oder innerhalb von 4 Wochen erhalten werden.
- Antimykotischer Therapie mit Flucytosin: Brivudin darf nicht bei Patienten angewendet werden, die Flucytosin, ein Prodrug von 5-FU, im Rahmen einer antimykotischen Therapie einnehmen oder kürzlich eingenommen haben.
- Anwendung von Fluoropyrimidinen: Die Kombination von Brivudin mit Fluoropyrimidinen kann potenziell tödlich sein.
- Immunsupprimierten Patienten: Brivudin ist bei immunsupprimierten Patienten kontraindiziert, einschließlich solcher, die eine Krebs-Chemotherapie durchlaufen oder immunsuppressive Therapien erhalten.
- Kindern: Die Sicherheit und Wirksamkeit von Brivudin bei Kindern sind nicht ausreichend nachgewiesen.
- Überempfindlichkeit gegen Brivudin
- Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft/Stillzeit
Brivudin darf nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden.
Verkehrstüchtigkeit
Obwohl keine spezifischen Studien über die Wirkung von Brivudin auf die Fahrtüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen vorliegen, ist Vorsicht geboten. Insbesondere sollten Personen, die dieses Medikament einnehmen, beim Führen von Fahrzeugen, beim Bedienen von Maschinen oder bei Arbeiten, die einen sicheren Stand erfordern, aufmerksam sein. Es gibt Berichte über Nebenwirkungen wie Benommenheit und Schläfrigkeit, die das Reaktionsvermögen beeinträchtigen und somit ein Risiko bei diesen Aktivitäten darstellen könnten.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind vor der Anwendung von Brivudin zu beachten:
- Wechselwirkungen mit Krebs-Chemotherapie: Brivudin darf nicht bei Patienten angewendet werden, die kürzlich eine Chemotherapie mit 5-Fluorouracil (5-FU) oder verwandten Substanzen (z. B. Capecitabin, Tegafur) erhalten haben oder dies innerhalb der nächsten 4 Wochen tun werden. Diese Wechselwirkung kann potenziell tödlich sein. Brivudin hemmt das Enzym Dihydropyrimidin-Dehydrogenase (DPD) irreversibel, welches für den Abbau von 5-FU verantwortlich ist. Dies führt zu einer Akkumulation und verstärkten Toxizität von 5-FU.
- Wechselwirkungen mit antimykotischer Therapie: Die Anwendung von Brivudin bei Patienten, die kürzlich mit Flucytosin behandelt wurden, ist ebenfalls kontraindiziert.
- Wartezeit zwischen Brivudin und Fluoropyrimidin-Therapie: Es muss eine Wartezeit von mindestens 4 Wochen zwischen dem Ende der Brivudin-Behandlung und dem Beginn einer Therapie mit Fluoropyrimidin-haltigen Medikamenten eingehalten werden.
- Maßnahmen bei versehentlicher Anwendung: Bei versehentlicher Anwendung von Brivudin in Kombination mit Fluoropyrimidinen müssen sofortige Maßnahmen ergriffen werden, um die Toxizität zu reduzieren, einschließlich Krankenhauseinweisung und Kontaktaufnahme mit einem Giftinformationszentrum.
- Anwendung bei voll ausgeprägten Hauterscheinungen: Brivudin sollte nicht angewendet werden, wenn die Hauterscheinungen bereits voll ausgeprägt sind.
- Vorsicht bei chronischen Lebererkrankungen: Bei Patienten mit chronischen Lebererkrankungen wie Hepatitis sollte Brivudin vorsichtig angewendet werden. Eine Überschreitung der empfohlenen Behandlungsdauer von 7 Tagen kann das Risiko einer Hepatitis erhöhen.
Alternativen
Es gibt mehrere Behandlungsalternativen zu Brivudin für die Behandlung von Herpes Zoster, insbesondere wenn Brivudin aufgrund von Kontraindikationen oder Unverträglichkeiten nicht geeignet ist. Zu diesen Alternativen gehören:
- Aciclovir: Ein antivirales Medikament, das häufig zur Behandlung von Herpes Zoster eingesetzt wird. Es wird normalerweise mehrmals täglich über einen Zeitraum von 7 bis 10 Tagen eingenommen.
- Valaciclovir: Ein Prodrug von Aciclovir, das eine höhere Bioverfügbarkeit aufweist und weniger häufig eingenommen werden muss als Aciclovir.
- Famciclovir: Ähnlich wie Aciclovir und Valaciclovir, wird Famciclovir zur Behandlung von Herpes Zoster verwendet. Es hat den Vorteil, dass es seltener eingenommen werden muss als Aciclovir.
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Brivudin Aristo










