Chlorambucil
Chlorambucil ist ein alkylierendes Zytostatikum, das durch die Vernetzung von DNA-Strängen die DNA-Replikation und RNA-Transkription stört, was zu einer Hemmung der Zellteilung und zum Zelltod führt. Es wird vorrangig in der Behandlung chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) und bestimmter Formen von Non-Hodgkin-Lymphomen eingesetzt.
Chlorambucil: Übersicht

Anwendung
Chlorambucil wird angewendet zur Behandlung von chronisch lymphatischer Leukämie (CLL), niedrig malignen Non-Hodgkin-Lymphomen und Waldenströms Makroglobulinämie.
Wirkmechanismus
Chlorambucil gehört zur Klasse der alkylierenden Substanzen, die ihre antineoplastische Wirkung durch die Alkylierung von DNA ausüben. Der Wirkstoff bindet kovalent an die DNA, was zur Bildung von inter- und intrastrang DNA-Vernetzungen führt. Diese Vernetzungen behindern die DNA-Replikation und RNA-Transkription, was letztlich die Zellteilung stört und zum Zelltod führen kann. Durch seine Lipophilie ermöglicht Chlorambucil eine effektive Penetration in Zellen und erreicht so Leukämiezellen und Lymphomzellen mit hoher Effizienz.
Nebenwirkungen
Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Chlorambucil gehören:
- Myelosuppression: Unterdrückung der Blutbildung im Knochenmark, was zu Anämie, Leukopenie und Thrombozytopenie führen kann.
- Gastrointestinale Störungen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Mundschleimhautentzündung sind häufig.
- Immunsystem: Erhöhtes Risiko für Infektionen aufgrund der Unterdrückung des Immunsystems.
- Neurologische Effekte: Gelegentlich können Krampfanfälle und periphere Neuropathie auftreten.
- Hepatotoxizität: Leberschädigung, die in seltenen Fällen beobachtet wurde, kann zu erhöhten Leberenzymwerten führen.
- Dermatologische Reaktionen: Hautausschlag und Juckreiz sind möglich; selten kann es zu schweren Hautreaktionen kommen.
- Pulmonale Toxizität: In sehr seltenen Fällen kann eine Lungenfibrose auftreten.
- Karzinogenität: Langzeittherapie kann das Risiko für die Entwicklung von Sekundärmalignomen, einschließlich Leukämie, erhöhen.
- Gonadale Suppression: Bei Männern und Frauen kann es zu einer Beeinträchtigung der Fertilität kommen.
- Teratogenität: Chlorambucil kann bei Anwendung während der Schwangerschaft schädliche Wirkungen auf den Fötus haben.
Schwangerschaft
Chlorambucil schädigt das Erbgut und kann die Entwicklung des Embryos nachteilig beeinflussen. Deshalb sollte Chlorambucil während der Schwangerschaft, insbesondere im ersten Trimenon, vermieden werden. Bei unvermeidbarer Behandlung schwangerer Patientinnen mit Chlorambucil ist eine sorgfältige ärztliche Beratung über das Risiko schädlicher Effekte für das Kind erforderlich.
Bei allen mit Zytostatika durchgeführten Chemotherapien sind sichere kontrazeptive Maßnahmen zu ergreifen, um eine Schwangerschaft während der Therapie zu verhindern. Tritt dennoch eine Schwangerschaft ein, sollte die Möglichkeit genetischer Beratung genutzt werden, um über potenzielle Risiken für das Kind aufzuklären.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Chlorambucil zu beachten:
- Nicht anwenden bei: Schweren Knochenmarkschäden, kürzlich erfolgter Röntgenbestrahlung oder zytostatischer Behandlung.
- Lebendimpfstoffe: Sollten vermieden werden, da sie bei immunsupprimierten Patienten Infektionen hervorrufen können.
- Knochenmarktransplantation: Patienten, die eine solche Transplantation erwägen, sollten nicht langfristig mit Chlorambucil behandelt werden.
- Überwachung: Regelmäßige Blutbildkontrollen sind notwendig, da Chlorambucil eine irreversible Knochenmarkschädigung verursachen kann. Eine sorgfältige Überwachung bei Neutropenie ist erforderlich, auch nach Therapieende.
- Besondere Patientengruppen: Kinder und Jugendliche mit nephrotischem Syndrom, Patienten mit Hochdosistherapie und solche mit Krampfanfällen in der Vorgeschichte benötigen besondere Überwachung.
- Leber- und Nierenfunktion: Sollte nur nach Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses angewendet werden, da klinische Studien in diesen Gruppen fehlen.
- Mutagenität und Karzinogenität: Risiko für sekundäre Malignitäten, insbesondere Leukämien, nach Langzeitbehandlung. Chlorambucil kann erbgutschädigend wirken.
- Reproduktive Gesundheit: Männern wird empfohlen, während und bis zu 6 Monate nach der Behandlung kein Kind zu zeugen und eine Spermakonservierung in Erwägung zu ziehen.
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Leukeran










