Clorazepat

Clorazepat ist ein Benzodiazepin, das zur Behandlung von Angststörungen und kurzzeitigen Linderung von Symptomen, die mit Angst verbunden sind, sowie als Teil der Behandlung von Entzugssymptomen bei Alkoholabhängigkeit eingesetzt wird.

Clorazepat

Anwendung

Clorazepat wird angewendet zur symptomatischen Behandlung akuter oder chronischer Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände sowie zur Prämedikation vor diagnostischen oder
operativen Eingriffen.

Anwendungsart

  • Hartkapsel oder Tablette unzerkaut mit Flüssigkeit einnehmen.
  • Bei ambulanter Behandlung vorzugsweise eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen und nicht auf vollen Magen.
  • Bei stationärer Behandlung Einnahme über den Tag verteilt, unabhängig von den Mahlzeiten.
  • Bei akuten Erkrankungen Beschränkung auf Einzelgaben oder wenige Tage.
  • Bei chronischen Krankheiten Dauer nach Verlauf, mit Überprüfung nach ca. 2 Wochen; maximale Behandlungsdauer 4 Wochen.
  • Bei Langzeitbehandlung Kontrollen des Blutbildes sowie der Leber- und Nierenfunktion empfohlen.
  • Beendigung der Behandlung durch schrittweise Dosisreduktion, besonders nach längerer Anwendung oder bei hoher Dosierung.

Wirkmechanismus

Clorazepat bindet als Agonist an spezifische Stellen auf dem GABAA-Rezeptorkomplex im zentralen Nervensystem, wodurch die Affinität des inhibitorischen Neurotransmitters GABA zu dessen Rezeptor erhöht wird. Diese Bindung führt zur Öffnung von Chloridkanälen, die in der Membran der Neuronen integriert sind, wodurch eine Hyperpolarisation der Neuronenmembran induziert wird.

Die resultierende Hyperpolarisation vermindert die Wahrscheinlichkeit einer neuronalen Erregung und führt so zu einer zentralnervösen Dämpfung. Durch diesen Mechanismus entfalten Benzodiazepine wie Clorazepat ihre anxiolytischen, sedativen, muskelrelaxierenden und antikonvulsiven Wirkungen.

Dosierung

Dosierung bei akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen:

Ambulante Therapie:

  • Tagesdosis üblicherweise 10 - 20 mg in 2 - 3 Einzelgaben oder als abendliche Einmaldosis.
  • Bei Bedarf Erhöhung auf 50 mg bis maximal 150 mg möglich.

Stationäre Therapie:

  • Tagesdosis kann kurzfristig auf bis zu 300 mg erhöht werden.

Dosierung zur Prämedikation vor diagnostischen oder operativen Eingriffen:

  • Erwachsene: 20 - 50 mg als Einzeldosis.
  • Kinder und Jugendliche: 0,3 - 1,25 mg/kg Körpergewicht als Einzeldosis.

Dosierungshinweis für besondere Patientengruppen:

  • Dosis bei älteren/geschwächten Patienten, bei hirnorganischen Veränderungen, Kreislauf- und Ateminsuffizienz sowie bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion in der Regel um 50% verringern.

Nebenwirkungen

Bekannte Nebenwirkungen von Clorazepat, einem Benzodiazepin, umfassen eine Reihe von Effekten, die mit seiner sedierenden, muskelrelaxierenden, anxiolytischen und antikonvulsiven Wirkung zusammenhängen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Müdigkeit und Schläfrigkeit: Aufgrund der sedierenden Wirkung von Clorazepat können Patienten insbesondere zu Beginn der Therapie oder bei höheren Dosen eine ausgeprägte Müdigkeit und Schläfrigkeit erfahren.
  • Schwindel und Ataxie: Diese Effekte resultieren aus der zentralnervösen Dämpfung und können die Koordination und das Gleichgewicht beeinträchtigen.
  • Verwirrtheit und Desorientierung: Besonders bei älteren Patienten kann Clorazepat Verwirrtheitszustände und Desorientierung hervorrufen.
  • Gedächtnisprobleme: Benzodiazepine können anterograde Amnesie verursachen, d.h., die Fähigkeit, neue Informationen nach der Einnahme des Medikaments zu speichern, kann beeinträchtigt sein.
  • Abhängigkeitsentwicklung: Bei längerem Gebrauch kann es zur Entwicklung einer physischen und psychischen Abhängigkeit kommen.
  • Entzugserscheinungen: Bei abruptem Absetzen von Clorazepat können Entzugserscheinungen wie Angst, Unruhe, Schlaflosigkeit und in schweren Fällen sogar Krampfanfälle auftreten.
  • Veränderte Reaktionsfähigkeit: Die Fähigkeit, Fahrzeuge zu führen oder Maschinen zu bedienen, kann beeinträchtigt sein.
  • Gastrointestinale Beschwerden: Übelkeit und gelegentlich Erbrechen können auftreten.
  • Sehstörungen: Verschwommenes Sehen oder Doppelsehen sind mögliche Nebenwirkungen.
  • Atemdepression: In hohen Dosen oder bei Patienten mit vorbestehenden Atemwegserkrankungen kann Clorazepat eine Atemdepression verursachen.

Kontraindikationen

Clorazepat darf nicht angewendet werden bei:

  • bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Benzodiazepine
  • dekompensierter respiratorischet Insuffizienz
  • Abhängigkeitsanamnese (Alkohol, Arzneimittel, Drogen)
  • akuter Vergiftung mit zentraldämpfenden Mitteln (z. B. Alkohol, Schlaf- oder Schmerzmitteln sowie Neuroleptika, Antidepressiva und Lithium)
  • Schlafapnoe-Syndrom
  • Myasthenia gravis
  • schweren Leberschädigungen (z. B. cholestatischer Ikterus), da Benzodiazepine bei diesen Patienten eine Enzephalopathie verursachen können
  • spinalen und zerebellaren Ataxien

Alternativen

Alternativen zu Clorazepat umfassen:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
332.74 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 50.0 H
Q0-Wert:
1.0
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
18.03.2024
Quelle:

Fachinformation Tranxilium

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