Cyclopentolat
Cyclopentolat ist ein schnell wirkendes, anticholinerges Mydriatikum und Zykloplegikum, das zur Pupillenerweiterung und Hemmung der Akkommodation bei diagnostischen und therapeutischen Augenuntersuchungen eingesetzt wird. Es blockiert die Wirkung von Acetylcholin an muskarinischen Rezeptoren und entspannt somit den Ziliarmuskel und den Sphinkter der Iris.
Cyclopentolat: Übersicht

Anwendung
Cyclopentolat ist indiziert für diagnostische und therapeutische Zwecke:
- Diagnostisch wird es eingesetzt, um eine Mydriasis für die Augenspiegelung zu erzielen und eine Zykloplegie zur objektiven Refraktionsbestimmung zu ermöglichen.
- Therapeutisch ist es angezeigt bei Iritis und Iridozyklitis, bei Begleitiritis in Verbindung mit Entzündungen und Verletzungen der Hornhaut sowie bei Entzündungen der Ader- und Lederhaut.
Wirkmechanismus
Cyclopentolat ist ein Anticholinergikum, das spezifisch als Muskarinrezeptor-Antagonist wirkt. Sein Wirkmechanismus beruht auf der Blockade von Muskarinrezeptoren (mAChRs) im Ziliarmuskel und im Sphinkter des Irismuskels im Auge. Die mAChRs sind G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, die durch den Neurotransmitter Acetylcholin aktiviert werden.
Wenn Cyclopentolat an die mAChRs bindet, verhindert es die Aktivierung dieser Rezeptoren durch Acetylcholin, wodurch die Kontraktion der glatten Muskulatur des Ziliarmuskels und des Irissphinkters gehemmt wird. Die Hemmung des Ziliarmuskels führt zu einer Lähmung der Akkommodation (Zykloplegie), was bedeutet, dass die Linse ihre Krümmung nicht mehr anpassen kann, um auf unterschiedliche Entfernungen scharf zu stellen. Dies ist nützlich für die objektive Refraktionsbestimmung bei Augenuntersuchungen.
Die Blockade des Irissphinkters führt zu einer Erweiterung der Pupille (Mydriasis), was den Arzt in die Lage versetzt, den hinteren Teil des Auges, einschließlich der Netzhaut und des Augenfundus, gründlicher zu untersuchen.
Die Wirkung von Cyclopentolat ist zeitlich begrenzt und lässt nach einigen Stunden nach, sodass die normale Pupillengröße und Akkommodationsfähigkeit des Auges wiederhergestellt werden.
Dosierung
Für diagnostische Zwecke sollten zwei Tropfen Cyclopentolat 1%-Augentropfen im Abstand von 5-10 Minuten ins betroffene Auge getropft werden. Eine Verkürzung dieses Zeitabstands kann zu Überdosierung führen.
In therapeutischen Fällen sollte ein Tropfen Cyclopentolat 1%-Augentropfen alle 5-6 Stunden ins betroffene Auge getropft werden.
Die Dosierung hängt vom Alter des Patienten und der Pigmentierung der Iris ab. Bei Kleinkindern und älteren Personen sollte Cyclopentolat 1% aufgrund des Risikos schwerwiegender systemischer Nebenwirkungen nicht angewendet werden.
Dauer der Anwendung
Die therapeutische Anwendung sollte so lange andauern, wie eine Ruhigstellung der Linse erforderlich ist. Bei Entzündungen sollte die Notwendigkeit einer zusätzlichen Medikation, wie Antiphlogistika und/oder Antibiotika, berücksichtigt werden.
Nebenwirkungen
Folgende Nebenwirkungen von Cyclopentolat sind bei der Anwendung zu beachten:
- Cyclopentolat kann ähnliche Reaktionen wie andere Anticholinergika hervorrufen.
- Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Ataxie, Halluzinationen, ungewöhnliche Benommenheit, Harnsperre, und verminderte Sekretion in Speichel- und Schweißdrüsen
- Cyclopentolat kann den Augeninnendruck erhöhen und Glaukomanfälle auslösen.
- Bei Kindern besteht ein erhöhtes Risiko für systemische Toxizität und allergische Reaktionen.
- Cyclopentolat kann bei Kindern Krämpfe und akute Psychosen auslösen.
Wechselwirkungen
Bei der Anwendung von Cyclopentolat-Augentropfen können trotz topischer Anwendung möglicherweise systemische Nebenwirkungen auftreten. Dadurch können die anticholinergen Wirkungen anderer Medikamente verstärkt werden, wie beispielsweise bei Antihistaminika, Antidepressiva oder bestimmten Antiarrhythmika.
Wenn nach der Untersuchung eine schnellere Wiederherstellung des normalen Pupillendurchmessers benötigt wird, können Miotika wie Carbachol, Physostigmin oder Pilocarpin-Augentropfen angewendet werden, da sie die Wirkung von Cyclopentolat verkürzen.
Wenn mehrere Augenmedikamente verabreicht werden müssen, sollten die Anwendungen mindestens 5 Minuten voneinander entfernt erfolgen, wobei Augensalben zuletzt aufgetragen werden sollten.
Kontraindikationen
Cyclopentolat darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegenüber Cyclopentolat oder einem der sonstigen Bestandteile des jeweiligen Präparates
- primären Glaukomen, insbesondere Engwinkelglaukom oder der Neigung zum Engwinkelglaukom
- empfindlichen Patienten, vor allem Säuglingen, Kleinkindern, Erwachsenen über 65 Jahren und Patienten mit Down-Syndrom sowie hirngeschädigten Kindern oder Kindern mit spastischer Paralyse
Schwangerschaft
Da Cyclopentolat auch bei ophthalmologischer Anwendung resorbiert wird, sind systemische Nebenwirkungen, z. B. kardiovaskulärer Art, sowohl bei der Mutter als auch beim Kind nicht auszuschließen. Eine Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte daher nur bei strenger Indikationsstellung unter Berücksichtigung des Risikos für Mutter und Kind erfolgen.
Stillzeit
Da Cyclopentolat auch bei ophthalmologischer Anwendung resorbiert wird, sind systemische Nebenwirkungen, z. B. kardiovaskulärer Art, sowohl bei der Mutter als auch beim Kind nicht auszuschließen. Eine Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte daher nur bei strenger Indikationsstellung unter Berücksichtigung des Risikos für Mutter und Kind erfolgen.
Verkehrstüchtigkeit
Cyclopentolat beeinträchtigt die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, aufgrund seiner Wirkung auf die Akkommodation und der Mydriasis, die zu verstärkter Blendempfindlichkeit führen kann. Es besteht ein Risiko für Störungen der aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, der Arbeit ohne sicheren Halt und der Bedienung von Maschinen. Es kann auch zu toxischen Effekten auf das zentrale Nervensystem kommen, die die Fähigkeit zusätzlich beeinträchtigen können.
Alternativen
Neben Cyclopentolat werden in der Ophthalmologie u.a. folgende Wirkstoffe als Mydriatika eingesetzt:
Fachinformation Cyclopentolat Alcon
Abbildung
Anika Mifka adapted from "Alzheimer's Disease (AD) - Current Treatments" and "Anti-cholinesterases Mechanism of Action in Alzheimer's Disease (AD)" by BioRender.com










