Daptomycin

Daptomycin ist ein zyklisches Lipopeptid-Antibiotikum, das durch Bindung an bakterielle Zellmembranen eine schnelle Depolarisation bewirkt und dadurch zum Zelltod führt. Es wird zur Behandlung von komplizierten Haut- und Weichgewebeinfektionen sowie von rechtsseitiger infektiöser Endokarditis und Bakteriämie durch grampositive Erreger eingesetzt.

Daptomycin

Anwendung

Daptomycin wird für die Behandlung verschiedener Infektionen eingesetzt, wobei seine Anwendung spezifisch auf bestimmte Patientengruppen und Infektionsarten ausgerichtet ist:

  • Komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen (cSSTI): Sowohl bei Erwachsenen als auch bei pädiatrischen Patienten im Alter von 1 bis 17 Jahren wird Daptomycin zur Behandlung dieser Infektionen verwendet.
  • Rechtsseitige infektiöse Endokarditis (RIE) durch Staphylococcus aureus: Diese Anwendung ist auf erwachsene Patienten beschränkt. Bei der Entscheidung, Daptomycin für diese Indikation zu verwenden, ist es wichtig, die antibakterielle Empfindlichkeit des Erregers zu berücksichtigen und die Entscheidung sollte von Fachleuten getroffen werden.
  • Staphylococcus-aureus-Bakteriämie (SAB): Daptomycin wird sowohl bei Erwachsenen als auch bei pädiatrischen Patienten (1 bis 17 Jahre) eingesetzt. Bei Erwachsenen sollte die Bakteriämie mit einer RIE oder einer cSSTI assoziiert sein, während bei Kindern und Jugendlichen eine Assoziation mit einer cSSTI vorliegen sollte.

Es ist wichtig zu beachten, dass Daptomycin ausschließlich gegen Gram-positive Bakterien wirksam ist. Bei Mischinfektionen, bei denen auch Gram-negative und/oder bestimmte Arten anaerober Bakterien vermutet werden, sollte Daptomycin in Kombination mit anderen geeigneten antibakteriellen Wirkstoffen eingesetzt werden.

Anwendungsart

Daptomycin wird als intravenöse Infusion angewendet.

Wirkmechanismus

Daptomycin ist ein zyklisches Lipopeptid-Antibiotikum, das seine antibakterielle Wirkung durch eine einzigartige Interaktion mit der Zellmembran grampositiver Bakterien entfaltet. Es bindet an die Zellmembran und führt zu einer schnellen Depolarisation, wodurch der Ionengradient und das Membranpotenzial gestört werden. Diese Vorgänge resultieren in der Hemmung der Protein-, DNA- und RNA-Synthese, was letztlich zum Zelltod führt. Daptomycin zeigt eine konzentrationsabhängige bakterizide Aktivität gegen eine Vielzahl grampositiver Organismen, einschließlich multiresistenter Stämme. Seine Wirkung bleibt auf grampositive Bakterien beschränkt, da es nicht effektiv die äußere Membran gramnegativer Bakterien durchdringen kann.

Daptomycin

Dosierung

Erwachsene

  • Komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen (cSSTI) ohne SAB: 4 mg/kg täglich für 7-14 Tage.
  • cSSTI mit SAB oder RIE durch Staphylococcus aureus: 6 mg/kg täglich, Dauer abhängig von der Infektion.

Kinder und Jugendliche (1 bis 17 Jahre)

  • Dosis variiert je nach Alter und Indikation von 5 mg/kg bis 12 mg/kg täglich.
  • Die Therapiedauer ist individuell anzupassen.

Bei Nierenfunktionsstörungen ist eine Dosisanpassung erforderlich.

Nebenwirkungen

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen  (≥ 1/100, < 1/10) unter der Anwendung von Daptomycin sind:

  • Pilzinfektionen
  • Harnwegsinfektion
  • Candidainfektion
  • Anämie
  • Angst
  • Insomnie
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Hypertonie, Hypotonie
  • gastrointestinale Schmerzen, Bauchschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Obstipation, Diarrhö
  • Flatulenz, Völlegefühl, Distension (Blähbauch)
  • abnormale Leberfunktionswerte (erhöhte Alanin-Aminotransferase (ALT), Aspartat-Aminotransferase (AST) oder Alkalische Phosphatase (ALP)
  • Ausschlag, Pruritus, Gliederschmerzen
  • erhöhte Serum-Kreatinphosphokinase (CPK)
  • Reaktionen an der Infusionsstelle, Pyrexie, Asthenie

Wechselwirkungen

Unter der Anwendung von Daptomycin sind folgende Wechselwirkungen zu beachten:

  • Kein signifikanter Metabolismus über Cytochrom P450 (CYP450): Daptomycin wird nicht wesentlich über das CYP450-System metabolisiert, daher ist es unwahrscheinlich, dass es den Metabolismus anderer Arzneimittel beeinflusst, die über dieses System verarbeitet werden.
  • Wechselwirkungsstudien: Studien mit Aztreonam, Tobramycin, Warfarin und Probenecid zeigten, dass Daptomycin keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik dieser Medikamente hat und deren Pharmakokinetik Daptomycin ebenfalls nicht beeinflusst.
  • Kombination mit Tobramycin: Bei gleichzeitiger Anwendung von Daptomycin und Tobramycin wurden geringfügige, aber nicht statistisch signifikante Änderungen in der Pharmakokinetik beobachtet. Vorsicht ist bei dieser Kombination geboten.
  • Kombination mit Warfarin: Es liegen nur begrenzte Erfahrungen mit der gleichzeitigen Anwendung von Daptomycin und Warfarin vor. Die antikoagulative Aktivität sollte überwacht werden.
  • Myopathie-Risiko bei gleichzeitiger Anwendung mit Myopathie-auslösenden Arzneimitteln: Es gibt begrenzte Erfahrungen mit der gleichzeitigen Anwendung von Daptomycin und Arzneimitteln, die eine Myopathie auslösen können, wie z.B. HMG-CoA-Reduktasehemmer. In einigen Fällen kam es zu erhöhten CPK-Spiegeln und Rhabdomyolyse. Überwachung der CPK-Spiegel und sorgfältige Beobachtung auf Myopathie-Symptome wird empfohlen.
  • Einfluss auf renale Filtration: Daptomycin wird hauptsächlich durch renale Filtration eliminiert. Arzneimittel, die die renale Filtration vermindern, können die Plasmaspiegel von Daptomycin erhöhen. Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung mit Medikamenten, die die renale Filtration vermindern.
  • Wechselwirkungen mit Prothrombinzeit/INR-Tests: Nach Markteinführung wurden Wechselwirkungen zwischen Daptomycin und bestimmten Reagenzien berichtet, die in Tests zur Bestimmung der Prothrombinzeit/International Normalised Ratio (PT/INR) verwendet werden, was zu falschen Testergebnissen führen kann.

Kontraindikationen

Daptomycin darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff angewendet werden.

Schwangerschaft

Daptomycin darf während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn dies eindeutig erforderlich ist und der zu erwartende Nutzen das mögliche Risiko überwiegt.

Stillzeit

In einer Einzelfallstudie am Menschen erhielt eine stillende Mutter 28 Tage lang täglich Daptomycin als intravenöse Gabe in einer Dosis von 500 mg/Tag. An Tag 27 wurden Proben der Muttermilch über
einen Zeitraum von 24 Stunden entnommen. Die höchste in der Muttermilch gemessene Daptomycin-Konzentration betrug 0,045 μg/ml, wobei es sich um eine geringe Konzentration handelt.

Solange jedoch keine weiteren Erfahrungen vorliegen, sollte das Stillen während der Behandlung mit Daptomycin unterbrochen werden.

Verkehrstüchtigkeit

Auf Grundlage der gemeldeten Nebenwirkungen ist davon auszugehen, dass Auswirkungen von Daptomycin auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen unwahrscheinlich sind.

Alternativen

Für die Behandlung von Infektionen, bei denen Daptomycin eingesetzt wird, können je nach Art der Infektion und dem Erreger folgende alternative Antibiotika in Betracht gezogen werden:

  • Vancomycin: Oft als erste Wahl zur Behandlung von schweren Infektionen durch grampositive Bakterien, einschließlich MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus).
  • Linezolid: Ein weiteres effektives Antibiotikum gegen grampositive Bakterien, einschließlich MRSA und Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE). Es kann sowohl oral als auch intravenös verabreicht werden.
  • Teicoplanin: Ähnlich wie Vancomycin, aber oft mit einer längeren Halbwertszeit, was eine weniger häufige Dosierung ermöglicht.
  • Tigecyclin: Ein Breitbandantibiotikum, das auch gegen eine Vielzahl von grampositiven und einigen gramnegativen Bakterien wirksam ist.
  • Ceftarolin: Ein Cephalosporin-Antibiotikum der neuesten Generation mit Wirksamkeit gegen MRSA.
  • Clindamycin: Kann als Alternative bei bestimmten Staphylokokken- oder Streptokokkeninfektionen in Betracht gezogen werden, vor allem bei Patienten mit Allergien gegen andere Antibiotika.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
1620.67 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 8.0 H
Q0-Wert:
0.5
Autor:
Stand:
28.11.2023
Quelle:

EMA: Fachinformation Cubicin

Abbildung

Dr. Isabelle Viktoria Maucher; Adapted from “Daptomycin Mechanism of Action”, by BioRender.com

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