Deflazacort

Deflazacort ist ein synthetisches Glukokortikoid, das vorwiegend zur Symptomlinderung bei chronisch-entzündlichen und autoimmunen Erkrankungen, wie Duchenne-Muskeldystrophie, rheumatoide Arthritis und systemischer Lupus erythematodes eingesetzt wird.

Deflazacort

Anwendung

Deflazacort besitzt folgende Anwendungsgebiete:

Endokrine Störungen

Rheumatische Erkrankungen und Kollagenosen

Dermatologische Erkrankungen

  • Dermatitis exfoliativa generalisata
  • Schweres Erythema multiforme
  • Erythema nodosum

Allergische Erkrankungen

  • Anaphylaxie und schwere Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Asthmaexazerbation

Hämatologische Erkrankungen

  • Autoimmunhämolytische Anämie
  • Immunthrombozytopenie

Neoplastische Erkrankungen

Lungenerkrankungen

  • Exogen-allergische Alveolitis

Augenerkrankungen

  • Choroiditis
  • Chorioretinitis
  • Iritis und Iridozyklitis

Hepatische und gastrointestinale Erkrankungen

Nierenerkrankungen

  • Nephrotisches Syndrom

Anwendungsart

Deflazacort-Tabletten sollten unzerkaut während oder nach den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden. Die Einnahme erfolgt idealerweise morgens, um die natürlichen Hormonzyklen des Körpers zu berücksichtigen. Auch eine alternierende Therapie ist möglich, bei der an jedem zweiten Tag die doppelte Dosis am Morgen verabreicht wird. Bei Langzeitbehandlungen ist eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Dosis wichtig, um Risiken zu minimieren. Nach einer langfristigen Therapie sollte die Dosis schrittweise reduziert werden, um Entzugssymptome zu vermeiden.

Wirkmechanismus

Deflazacort ist ein synthetisches Glucocorticoid, das hauptsächlich durch seine entzündungshemmende und immunsuppressive Wirkung charakterisiert ist. Es wirkt, indem es in den Zellkern eindringt und die Expression bestimmter Gene beeinflusst, wodurch es zur Produktion entzündungshemmender Proteine kommt. Dies resultiert in einer reduzierten Freisetzung von Entzündungsmediatoren wie Zytokinen, was Schwellungen, Rötungen und Schmerzen lindert. Deflazacort moduliert zudem die Immunantwort, weshalb eine Behandlung von Autoimmunerkrankungen ebenfalls möglich ist. Dosierungstechnisch ist eine 6-mg-Tablette Deflazacort in etwa gleichwertig mit 5 mg des Corticosteroids Prednison, was bei Medikamentenumstellungen berücksichtigt wird.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Deflazacort wird nach oraler Gabe gut resorbiert.
  • Die Umwandlung in den aktiven Metaboliten 21-OH-Deflazacort erfolgt unmittelbar durch Plasmaesterasen.
  • Maximale Plasmakonzentrationen des aktiven Metaboliten werden innerhalb von ein bis zwei Stunden erreicht.

Verteilung

  • Deflazacort ist zu etwa 40% an Plasmaproteine gebunden.
  • Es zeigt keine Affinität zum corticosteroidbindenden Globulin, auch bekannt als Transcortin.
  • Die Plasmaeliminationshalbwertszeit beträgt zwischen 1,1 und 1,9 Stunden.

Metabolismus (Biotransformation)

  • Deflazacort wird schnell in 21-Desacetyl-Deflazacort umgewandelt, welcher als der pharmakologisch aktive Metabolit agiert.
  • Der weitere Abbau von 21-Desacetyl-Deflazacort führt zur Bildung von 6β-OH-Deflazacort-21-OH.

Elimination

  • Die Elimination von Deflazacort erfolgt hauptsächlich über die Nieren.
  • Etwa 70% der verabreichten Dosis werden in den ersten acht Stunden nach Verabreichung im Urin ausgeschieden.
  • Die verbleibenden 30% werden über die Fäzes eliminiert.
  • Im Urin finden sich nur etwa 5% des unveränderten 21-OH-Deflazacort, während die Metaboliten 6β-OH-Deflazacort einen wesentlichen Teil der Urinausscheidung darstellen.

Dosierung

Erwachsene

  • Anfangsdosis: Je nach Schwere und Verlauf der Erkrankung zwischen 3 mg und 120 mg pro Tag. Diese Dosis sollte beibehalten oder entsprechend angepasst werden, um ein zufriedenstellendes klinisches Ansprechen zu erzielen.
  • Rheumatoide Arthritis: 6 - 18 mg Deflazacort / Tag, je nach Schwere des Krankheitsbildes.
  • Erhaltungsdosis: Sollte der niedrigsten möglichen Dosis entsprechen, die noch eine wirksame Kontrolle der Symptome ermöglicht. Eine schrittweise Reduzierung der Dosis ist notwendig, um eine Erholung der Hypothalamus-Hypophysen-Achse zu ermöglichen.

Kinder und Jugendliche

  • Allgemein: Kinder sollten die niedrigste wirksame Dosis erhalten. Eine alternierende Gabe alle zwei Tage kann angemessen sein.
  • Kinder > 6 Jahre und/oder > 20 kg: Anfangsdosis kann je nach Erkrankungsschwere zwischen 0,25 mg/kg und 1,5 mg/kg pro Tag liegen.
  • Jüngere und/oder leichtere Kinder: Andere Darreichungsformen und Dosierungsstärken können besser geeignet sein.

Ältere Patienten

  • Keine spezielle Dosisanpassung erforderlich, jedoch sollte eine sorgfältige Überwachung stattfinden.

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion

  • Möglicherweise erhöhte Blutspiegel von Deflazacort. Die Dosis sollte sorgfältig überwacht und an die minimal wirksame Dosis angepasst werden.

Überdosierung

Bei Überdosierung von Deflazacort sind bisher keine Fälle akuter Intoxikation bekannt. Sollte es dennoch zu einer Überdosierung kommen, sollten symptomatische und unterstützende Maßnahmen ergriffen werden.

Nebenwirkungen

Deflazacort kann zu Nebenwirkungen führen, die typisch für Corticosteroide sind. Diese treten nur gelegentlich  bis selten  und schließen unerwünschte Wirkungen wie Gewichtszunahme, erhöhtes Infektionsrisiko, Osteoporose, Akne, Ödeme und Kopfschmerzen ein. Psychische Effekte wie Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen können ebenfalls auftreten.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Deflazacort zu beachten:

Kontraindikationen

Die Anwendung von Deflazacort ist generell kontraindiziert bei: 

Schwangerschaft

Bei der Verwendung von Deflazacort während der Schwangerschaft besteht Unsicherheit bezüglich der Sicherheit. Es ist bekannt, dass Corticosteroide, einschließlich Deflazacort, die Plazenta passieren können. Die Verabreichung von Corticosteroiden an trächtige Tiere hat gezeigt, dass diese Substanzen Anomalien in der Entwicklung des Fötus, wie Gaumenspalten, intrauterine Wachstumsverzögerungen sowie Effekte auf das Gehirnwachstum verursachen können. Obwohl es keine klaren Belege für eine erhöhte Inzidenz solcher Anomalien beim Menschen gibt, kann eine langfristige oder wiederholte Anwendung während der Schwangerschaft das Risiko einer intrauterinen Wachstumsretardierung erhöhen. Es besteht auch ein theoretisches Risiko, dass Neugeborene Hypoadrenalismus entwickeln können, der sich jedoch in der Regel nach der Geburt zurückbildet und selten klinisch signifikant ist. Daher sollte Deflazacort während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der erwartete Nutzen die potenziellen Risiken überwiegt.

Stillzeit

Corticosteroide, einschließlich Deflazacort, gehen in die Muttermilch über, obwohl spezifische Daten zu Deflazacort fehlen. Es wird angenommen, dass Deflazacort in Tagesdosen von bis zu 50 mg keine systemischen Wirkungen beim gestillten Säugling hervorruft. Bei höheren Dosierungen könnte jedoch eine Suppression der Nebennierenfunktion beim Säugling auftreten. Aus diesem Grund wird das Stillen während der Einnahme von Deflazacort nicht empfohlen, es sei denn, der erwartete Nutzen für die Mutter überwiegt das Risiko für das Kind.

Verkehrstüchtigkeit

Deflazacort kann Nebenwirkungen wie Schwindel oder Müdigkeit verursachen, die die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen können.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise sind bei der Anwendung von Deflazacort zu beachten:

  • Variabler Corticosteroidbedarf: Die Dosierung muss individuell nach Krankheitsbild und therapeutischem Ansprechen angepasst werden.
  • Besondere Vorsicht ist geboten bei: Herzerkrankungen oder kongestiver Herzinsuffizienz (außer bei aktiver rheumatischer Karditis), Hypertonie, Thromboembolischen Störungen, Infektionen (geeignete antiinfektiöse Behandlung erforderlich), Gastrointestinale Erkrankungen wie Gastritis, Ösophagitis, Divertikulitis und Colitis ulcerosa, frische intestinale Anastomosen, Diabetes mellitus, Emotional instabile oder psychotische Zustände, Epilepsie, Glaukom, Hypothyreose, Leberzirrhose (verstärkte Wirkung von Glucocorticoiden möglich), Myasthenia gravis, Osteoporose
  • Dosisanpassung bei Stress: Bei Infektionen, Traumata oder chirurgischen Eingriffen kann eine höhere Dosierung erforderlich sein.
  • Langzeittherapie und Überwachung: Regelmäßige medizinische Kontrollen, einschließlich augenärztlicher Untersuchungen, sind notwendig. Bei Langzeitbehandlung ist eine Osteoporoseprophylaxe empfohlen.
  • Elektrolythaushalt und Dosierung: Bei längerer Behandlung ist die Überwachung und Anpassung der Elektrolytzufuhr wichtig.
  • Nach Beendigung der Therapie: Eine graduelle Reduzierung der Dosis ist erforderlich, um eine sekundäre Nebenniereninsuffizienz zu vermeiden.
  • Infektionsrisiko: Erhöhtes Risiko für verschiedene Infektionen und mögliche Verschleierung der Symptome.
  • Impfung und Infektionen: Besondere Vorsicht bei Kontakt mit Personen, die an Windpocken oder Masern erkrankt sind. Mögliche prophylaktische Behandlung erforderlich.
  • Anaphylaktische Reaktionen: Möglichkeit schwerer allergischer Reaktionen.
  • Wachstumsverzögerung bei Kindern: Mögliche Entwicklungsverzögerungen bei langfristiger Anwendung.
  • Umgang mit älteren Patienten: Vorsichtige Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses aufgrund erhöhter Risiken.
  • Auswirkungen auf den Glukosehaushalt: Mögliche Verschlechterung eines bestehenden Diabetes oder Manifestation eines latenten Diabetes.
  • Visuelle Veränderungen: Bei Sehstörungen ist eine augenärztliche Untersuchung anzuraten.

Alternativen

Alternativ zu Deflazacort kann eine Behandlung auch mit anderen synthetischen Glukokortikoid verwendet werden:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
441.52 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 1.5 H
Q0-Wert:
0.8
Autor:
Stand:
09.07.2024
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
  2. Fachinformationen ausgewählter Deflazacort -Hersteller (z. B. Calcort 30 mg Tabletten, GALENpharma)
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