Dexmedetomidin
Dexmedetomidin ist ein alpha-2-Adrenozeptor-Agonist, der sedierende, anxiolytische, sympatholytische und analgetische Effekte ohne Atemdepression auslöst. Es wird vorrangig in der Intensivmedizin zur Sedierung von beatmeten Patienten, sowie in der Anästhesiologie zur Sedierung während operativer und diagnostischer Eingriffe eingesetzt.
Dexmedetomidin : Übersicht

Anwendung
Dexmedetomidin wird angewendet:
- Für die Sedierung erwachsener, intensivmedizinisch behandelter Patienten, die eine Sedierungstiefe benötigen, die ein Erwecken durch verbale Stimulation noch erlaubt (dies entspricht einer Klassifikation von 0 bis – 3 nach der Richmond Agitation-Sedation Scale (RASS)).
- Für die Sedierung erwachsener nicht intubierter Patienten vor und/oder während diagnostischer oder chirurgischer Maßnahmen, die eine Sedierung erfordern, d. h. prozedurale Sedierung/Wachsedierung.
Wirkmechanismus
Dexmedetomidin ist ein selektiver α2-Adrenozeptor-Agonist, dessen Wirkung hauptsächlich durch die Bindung an α2-Adrenozeptoren im Zentralnervensystem vermittelt wird. Durch die Stimulation dieser Rezeptoren im Locus coeruleus, einem Kerngebiet im Hirnstamm, das an der Regulation von Wachheit und Aufmerksamkeit beteiligt ist, reduziert Dexmedetomidin die Ausschüttung von Noradrenalin. Dies führt zu einer Verringerung der sympathischen Aktivität, was zu Sedierung, Anxiolyse und Analgesie führt, ohne die Atemwege zu beeinträchtigen.
Dosierung
Intensivmedizinische Sedierung:
- Startdosis: 0,7 Mikrogramm/kg/h, anpassbar zwischen 0,2 und 1,4 Mikrogramm/kg/h.
- Höchstdosis: 1,4 Mikrogramm/kg/h nicht überschreiten.
- Anwendungsdauer: Keine Erfahrungen über 14 Tage hinaus.
Prozedurale Sedierung/Wachsedierung:
Einleitung:
- Standard: 1,0 Mikrogramm/kg über 10 Minuten.
- Weniger invasive Eingriffe: 0,5 Mikrogramm/kg über 10 Minuten.
Erhaltung:
- Beginn mit 0,6 – 0,7 Mikrogramm/kg/Stunde, anpassbar zwischen 0,2 und 1,0 Mikrogramm/kg/Stunde.
Nebenwirkungen
Sehr häufige Nebenwirkungen:
- Bradykardie
- Hypotonie
- Hypertonie
- Atemdepression
Häufige Nebenwirkungen:
- Hyperglykämie
- Hypoglykämie
- Unruhe
- Myokardiale Ischämie oder Infarkt
- Tachykardie
- Übelkeit
- Erbrechen
- Mundtrockenheit
- Entzugssyndrom
- Hyperthermie
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Dexmedetomidin zu beachten:
- Verstärkung der Wirkung: Die gleichzeitige Anwendung von Dexmedetomidin mit Anästhetika, Sedativa, Hypnotika und Opioiden kann deren Wirkung verstärken. Dies betrifft sowohl die sedierenden und anästhetischen Effekte als auch die kardiorespiratorischen Effekte. Bestätigt wurde dies für Isofluran, Propofol, Alfentanil und Midazolam.
- Wechselwirkungen auf Enzymebene: Dexmedetomidin kann die Aktivität von CYP-Enzymen, insbesondere CYP2B6, hemmen. Dies könnte die Metabolisierung von Medikamenten, die hauptsächlich über CYP2B6 abgebaut werden, beeinflussen.
- Mögliche Induktion von Enzymen: In vitro wurde eine Induktion von Dexmedetomidin auf Enzyme wie CYP1A2, CYP2B6, CYP2C8, CYP2C9 und CYP3A4 beobachtet. Eine solche Induktion könnte auch in vivo auftreten, deren klinische Bedeutung ist jedoch unklar.
- Blutdruck und Herzfrequenz: Bei gleichzeitiger Anwendung von Dexmedetomidin mit anderen Medikamenten, die blutdrucksenkende oder bradykarde Effekte haben (z.B. Betablocker), sollte die Möglichkeit verstärkter Effekte berücksichtigt werden. In einer Studie mit Esmolol waren diese additiven Effekte jedoch nur mäßig.
Kontraindikationen
Dexmedetomidin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Fortgeschrittenem Herzblock (Grad 2 oder 3) bei Patienten ohne Herzschrittmacher
- Unkontrollierter Hypotonie
- Akuten zerebrovaskulären Ereignissen
Verkehrstüchtigkeit
Patienten müssen darauf hingewiesen werden, nach einer prozeduralen Sedierung mit Dexmedetomidin auf das Fahren eines Autos oder die Ausführung anderer risikobehafteter Aktivitäten zu verzichten.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Dexmedetomidin zu beachten:
- Überwachung: Dexmedetomidin ist für den Einsatz in der Intensivmedizin, im Operationssaal und bei diagnostischen Maßnahmen vorgesehen. Eine kontinuierliche kardiale Überwachung ist erforderlich, und bei nicht intubierten Patienten muss die Atmung überwacht werden, um Risiken wie Atemdepression oder Apnoe zu minimieren.
- Allgemeine Vorsichtsmaßnahmen: Dexmedetomidin sollte nicht als Bolusdosis verabreicht werden. In der Intensivmedizin wird eine Aufsättigungsdosis nicht empfohlen. Ein alternatives Sedativum sollte bereitgehalten werden, besonders in den ersten Stunden der Behandlung.
- Sedierungsniveau: Patienten unter Dexmedetomidin sind normalerweise leicht aufweckbar. Das Medikament bewirkt keine tiefe Sedierung, was bei bestimmten Patienten, die eine anhaltende tiefe Sedierung benötigen, problematisch sein kann.
- Nicht für Narkoseeinleitung: Dexmedetomidin sollte nicht zur Narkoseeinleitung oder zur Sedierung von muskelrelaxierten Patienten verwendet werden.
- Kombination mit anderen Medikamenten: Vorsicht ist geboten bei der Kombination von Dexmedetomidin mit anderen sedierenden oder kardiovaskulär wirksamen Substanzen.
- Ältere Patienten: Bei älteren Patienten ist Vorsicht geboten, insbesondere bei der Anwendung einer Aufsättigungsdosis für die prozedurale Sedierung, da sie anfälliger für Hypotonie sein können.
- Mortalitätsrisiko: Bei Patienten unter 65 Jahren wurde in einer Studie ein erhöhtes Mortalitätsrisiko im Vergleich zu anderen Sedativa festgestellt. Dies sollte bei der Wahl des Sedativums berücksichtigt werden.
- Kardiovaskuläre Wirkungen: Dexmedetomidin kann die Herzfrequenz und den Blutdruck senken. Vorsicht ist geboten bei Patienten mit schwerer kardiovaskulärer Instabilität oder vorbestehender Bradykardie.
- Leberfunktion: Bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion ist Vorsicht geboten, da Dexmedetomidin in der Leber metabolisiert wird.
- Neurologische Erkrankungen: Die Erfahrungen mit Dexmedetomidin bei schweren neurologischen Erkrankungen sind begrenzt. Vorsicht ist geboten, insbesondere wenn eine tiefe Sedierung erforderlich ist.
- Entzugsreaktionen: Selten wurden Entzugsreaktionen nach abruptem Absetzen von Dexmedetomidin beobachtet. Bei Unruhe und Hypertonie nach dem Absetzen sollte dies berücksichtigt werden.
- Hyperthermie: Dexmedetomidin kann eine Hyperthermie auslösen, die auf konventionelle Behandlungsmethoden nicht anspricht. Bei anhaltendem Fieber unklarer Ursache sollte die Behandlung beendet werden.
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Dexdor
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