Dinoproston
Dinoproston ist ein natürlich vorkommendes Prostaglandin E2. Es wird klinisch eingesetzt, um die Einleitung der Geburt bei Frauen mit entsprechenden medizinischen Indikationen zu unterstützen. Dinoproston fördert die Erweichung und Erweiterung des Gebärmutterhalses und stimuliert die Myometriumkontraktionen.
Dinoproston: Übersicht

Anwendung
Dinoproston wird angewendet zur medizinisch indizierten Geburtseinleitung bei Schwangeren mit unreifer Zervix.
Anwendungsart
Der Wirkstoff ist in Form von Vaginalgel, einem vaginalen Freisetzungssystem und Vaginaltabletten verfügbar.
Wirkmechanismus
Dinoproston, bekannt als Prostaglandin E2 (PGE2), ist ein endogenes Prostaglandin, das eine zentrale Rolle in einer Vielzahl von physiologischen Prozessen spielt, insbesondere in der Geburtseinleitung. Es bindet an spezifische G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (EP-Rezeptoren), die auf der Oberfläche von Zielzellen im Uterus vorhanden sind, darunter EP1, EP2, EP3 und EP4. Die Aktivierung dieser Rezeptoren löst verschiedene intrazelluläre Signalkaskaden aus, die letztlich zu biologischen Effekten führen, die für die Geburtsvorbereitung entscheidend sind.
Die Bindung von PGE2 an den EP2- und EP4-Rezeptor führt zu einer Aktivierung der Adenylylcyclase, was zu einem Anstieg des intrazellulären cAMP-Spiegels führt. Dieses erhöhte cAMP aktiviert die Proteinkinase A (PKA), die wiederum eine Reihe von nachgeschalteten Effekten initiiert, die die Relaxation der glatten Muskulatur fördern und die Zervixreifung unterstützen. Parallel dazu kann die Aktivierung des EP1- und EP3-Rezeptors eine Erhöhung der intrazellulären Calciumkonzentrationen bewirken, was zur Kontraktion der Myometriumzellen beiträgt.
Dosierung
Vaginalgel
- Initialdosierung: 1 mg per Fertigspritze
- Nachdosierung: Nach 6 Stunden möglicherweise eine weitere Dosis von 1 mg oder 2 mg
- Maximaldosis: Nicht mehr als 3 mg Dinoproston innerhalb von 24 Stunden
- Art der Anwendung: Inhalt der Fertigspritze ins hintere Scheidengewölbe einbringen
- Patientin sollte nach der Anwendung mindestens 30 Minuten liegen bleiben
Vaginaltablette
- Standarddosierung: 1 Vaginaltablette mit 3 mg Dinoproston
- Nachdosierung: Nach 6 bis 8 Stunden eventuell eine zweite Tablette, falls keine Wehentätigkeit einsetzt
- Maximaldosis: Maximal 6 mg Dinoproston pro Tag (2 Vaginaltabletten)
- Weitere Vorgehensweise: Verfahren kann am zweiten Tag wiederholt werden
- Nach 48 Stunden ohne Wehentätigkeit sollte eine andere Geburtseinleitungs-Methode angewendet werden
Vaginales Freisetzungssystem
- Dosierung: Ein Vaginalinsert mit 10 mg Dinoproston in Matrix
- Das Vaginalinsert wird nach 24 Stunden entfernt, unabhängig von der Zervixreifung
- Empfehlung nach Entfernung: Bei geplanter Anwendung von Oxytocin sollte eine Wartezeit von mindestens 30 Minuten eingehalten werden
- Maximale Anwendung: Nur eine Anwendung empfohlen
Wechselwirkungen
Folgende wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Dinoproston zu beachten:
- Verstärkte Wirkung von Oxytocin: Die Reaktion auf Oxytocin kann durch die gleichzeitige Verwendung von Dinoproston verstärkt werden. Daher wird die gleichzeitige Anwendung mit anderen wehenauslösenden Medikamenten nicht empfohlen.
- Mindestabstand bei Oxytocin-Anwendung: Sollte nach der Gabe von Dinoproston die Verwendung von Oxytocin als notwendig erachtet werden, wird ein Dosierungsintervall von mindestens 6 Stunden zwischen den Anwendungen empfohlen.
- Abschwächung der Dinoproston-Wirkung: Die Verwendung von uterusrelaxierenden Substanzen, wie Beta-Sympathomimetika, kann die Wirkung von Dinoproston vermindern oder aufheben.
Kontraindikationen
Dinoproston darf nicht angewendet werden bei:
- Patientinnen, die auf Prostaglandine oder einen der sonstigen Bestandteile allergisch sind.
- Zur Geburtseinleitung bei vorausgegangenen Uterusoperationen wie Kaiserschnitt oder Hysterotomie.
- Bei Myomenukleation.
- Bei Multiparität (6 oder mehr vorausgegangene Geburten).
- Wenn der Kopf des Kindes noch nicht in das Becken eingetreten ist.
- Bei fetopelviner Disproportion.
- Bei fetalen Herzfrequenzmustern, die eine beginnende Gefährdung des Kindes vermuten lassen.
- Bei geburtshilflichen Situationen, bei denen die Nutzen-Risiko-Bewertung für Mutter oder Kind für eine operative Geburtsbeendigung spricht.
- Bei ungeklärtem vaginalem Ausfluss und/oder anormalen Uterusblutungen während der aktuellen Schwangerschaft.
- Bei vorliegenden Infektionen (Kolpitis, Cervicitis, Amnioninfektionssyndrom).
- Bei regelwidriger Kindeslage oder Poleinstellung.
- Bei Zervixläsion.
- Bei vorzeitiger Plazentalösung.
- Bei Placenta praevia.
Schwangerschaft
In tierexperimentellen Studien an Ratten und Kaninchen hat sich gezeigt, dass Prostaglandin E2, zu dem Dinoproston gehört, Skelettanomalien verursachen kann. Zudem wurde in diesen Studien festgestellt, dass Dinoproston embryotoxische Wirkungen aufweist. Es besteht ein Risiko für den Embryo oder Fötus, insbesondere wenn Dosierungen verwendet werden, die über einen längeren Zeitraum zu einem erhöhten Uterustonus führen.
Stillzeit
Dinoproston ist für die Anwendung während der Stillzeit nicht indiziert. Generell werden Prostaglandine nur in sehr niedrigen Konzentrationen in der Muttermilch ausgeschieden.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Dinoproston zu beachten:
- Medizinische Überwachung: Einsatz nur in Kliniken mit intensivmedizinischen Möglichkeiten und der Option für operative Geburtsbeendigungen.
- Geburtshilfliche Untersuchung: Vor der Anwendung ist eine gründliche Untersuchung notwendig, und die Zervixerweiterung muss sorgfältig überwacht werden.
- Kontinuierliche Überwachung: Ständige elektronische Überwachung der Uterusaktivität und fetalen Herzfrequenz ist erforderlich.
- Vorsicht bei Risikogruppen: Besondere Vorsicht bei Herz-Kreislauf-Problemen, Leber- oder Nierenstörungen, Asthma, Lungenkrankheiten, Infektionen, Glaukom oder bei Mehrlingsschwangerschaften.
- Risiko der disseminierten intravasalen Gerinnung (DIG): Erhöhtes Risiko bei Frauen über 35, bei komplizierten Schwangerschaften oder über 40 Wochen Schwangerschaftsdauer.
- Kontraindikationen: Dinoproston darf nicht angewendet werden bei vorausgegangenen Geburtskomplikationen oder kindlicher Notlage. Darüber hinaus darf das Gel nicht über den inneren Muttermund hinaus extraamnial verabreicht werden, da dies zu Uterushypertonie führen kann.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Prepidil Gel
- Fachinformation Propess
- Fachinformation Minprostin










