Dupilumab

Dupilumab ist ein humaner IgG4-Antikörper mit neuartigem Wirkmechanismus. Er wird zur Therapie zahlreicher Typ-2-entzündlicher Erkrankungen eingesetzt, darunter atopische Dermatitis, Asthma, eosinophile Ösophagitis, Prurigo nodularis, COPD und chronische Urtikaria.

Anwendung

Dupilumab (Dupixent) besitzt folgende Indikationsgebiete:

Atopische Dermatitis

  • Erwachsene und Jugendliche: Zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis (AD) bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren, dieeine systemische Therapie benötigen.
  • Kinder von 6 bis 11 Jahre: Zur Behandlung von schwerer atopischer Dermatitis bei Kindern von 6 bis 11 Jahre, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen.

Asthma

  • Erwachsene und Jugendliche: Als Add-on-Erhaltungstherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit schwerem Asthma mit Typ-2-Inflammation, gekennzeichnet durch eine erhöhte Anzahl der Eosinophilen im Blut und/oder eine erhöhte exhalierte Stickstoffmonoxid-Fraktion (FeNO), das trotz hochdosierter ICS-Therapie (inhalative Kortikosteroide) und weiterer Medikamente nicht ausreichend kontrolliert wird.
  • Kinder von 6 bis 11 Jahre: Als Add-on-Erhaltungstherapie bei Kindern von 6 bis 11 Jahre mit schwerem Asthma mit Typ-2-Inflammation, gekennzeichnet durch eine erhöhte Anzahl der Eosinophilen im Blut und/oder eine erhöhte exhalierte Stickstoffmonoxid-Fraktion (FeNO), das trotz mittel- bis hochdosierter inhalativer Kortikosteroide (ICS) plus einem weiteren zur Erhaltungstherapie angewendeten Arzneimittel unzureichend kontrolliert ist.

Chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (Chronic rhinosinusitis with nasal polyposis, CRSwNP)

  • Dupilumab ist angezeigt als Add-on-Therapie mit intranasalen Kortikosteroiden zur Behandlung von Erwachsenen mit schwerer CRSwNP, die trotz systemischer Kortikosteroide oder chirurgischer Maßnahmen unzureichend kontrolliert bleibt.

Prurigo nodularis (PN)

  • Dupilumab ist angezeigt zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Prurigo nodularis (PN) bei Erwachsenen, die für eine systemische Therapie in Betracht kommen.

Eosinophile Ösophagitis (EoE)

  • Dupilumab ist angezeigt zur Behandlung der eosinophilen Ösophagitis bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 1 Jahr mit einem Körpergewicht von mindestens 15 kg, die auf konventionelle Therapien unzureichend ansprechen, diese nicht vertragen oder für die eine solche Therapie nicht in Betracht kommt.

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

  • Dupilumab ist angezeigt als Add-on-Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patienten mit durch eine erhöhte Anzahl an Eosinophilen im Blut gekennzeichneter chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), die trotz einer Kombinationstherapie aus einem inhalativen Corticosteroid (ICS), einem langwirksamen Beta-2-Agonisten (LABA) und einem langwirksamen Muskarinantagonisten (LAMA) oder, falls ICS nicht angebracht ist, einer Kombinationstherapie aus LABA und LAMA unzureichend kontrolliert ist.

Chronische spontane Urtikaria (CSU)

  • Seit 2025 gibt es eine Zulassung für Dupilumab für die Therapie von Personen ab 12 Jahren mit chronischer spontaner Urtikaria, deren Symptome nicht ausreichend unter H1-Antihistaminika kontrolliert sind.

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Dupilumab sind folgende Warnhinweise zu beachten:

  • Nicht für akute Exazerbationen: Dupilumab ist nicht zur Behandlung akuter Asthma- oder COPD-Exazerbationen, Bronchospasmen oder Status asthmaticus geeignet.
  • Corticosteroide schrittweise reduzieren: Ein plötzlicher Abbruch von systemischen, topischen oder inhalativen Corticosteroiden nach Therapiebeginn mit Dupilumab ist zu vermeiden. Eine langsame Reduktion sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
  • Überempfindlichkeitsreaktionen: Bei Anzeichen einer systemischen Überempfindlichkeit (z. B. Anaphylaxie, Angioödem, serumkrankheitsähnliche Reaktionen) ist die Behandlung sofort abzubrechen.
  • Eosinophile Erkrankungen: Bei Asthma- oder CRSwNP-Patienten wurden unter Dupilumab eosinophile Pneumonien und vaskulitische Reaktionen (z. B. EGPA) beobachtet. Symptome wie Hautausschlag, Herzbeteiligung oder Neuropathie erfordern ärztliche Abklärung.
  • Helminthosen: Patienten mit bekannten Wurminfektionen sollten vor Therapiebeginn behandelt werden. Bei fehlendem Ansprechen auf eine Anthelminthika-Therapie ist Dupilumab vorübergehend auszusetzen.
  • Augenbeschwerden: Vor allem bei atopischer Dermatitis können Konjunktivitis, Keratitis und Sehstörungen auftreten. Neue oder sich verschlechternde Augensymptome sollten ärztlich abgeklärt werden.
  • Komorbides Asthma: Asthmatherapien dürfen unter Dupilumab nicht eigenmächtig verändert oder abgesetzt werden. Nach Beendigung der Dupilumab-Therapie ist eine engmaschige Kontrolle des Asthmas notwendig.
  • Impfungen: Lebendimpfstoffe sollten nicht gleichzeitig mit Dupilumab verabreicht werden. Der Impfstatus ist vor Therapiebeginn gemäß aktuellen Empfehlungen zu aktualisieren.

Wirkmechanismus

Dupilumab ist ein rekombinanter, humaner, monoklonaler IgG4-Antikörper, der sich gegen die Alpha-Untereinheit der Rezeptoren von Interleukin-4 und Interleukin-13 (IL-4, IL-13) richtet. Infolge werden die Signalwege der beiden Zytokine gehemmt. Der Einfluss auf den IL-4-Effekt beruht auf der Blockade des Typ-I-Rezeptors (IL-4Rα/γc). Zudem wird die IL-4-Reaktion, ebenso wie die Signalkaskade von IL-13, über den Typ-II-Rezeptor (IL-4Rα/IL-13Rα) beeinflusst. Beide Interleukine werden von T-Helferzellen (Th2) ausgeschüttet und spielen als zentrale Typ-2-Zytokine eine Schlüsselrolle bei der atopischen Dermatitis. Blockiert Dupilumab die Rezeptoren, wird die überaktive Signalkaskade gestoppt und Entzündungsreaktionen lassen nach.

Dupilumab senkt die Konzentration:

  • von Typ-2-Immunitätsbiomarkern wie thymus- und aktivierungsreguliertes Chemokin (TARC/CCL17)
  • des Gesamt-IgE im Serum
  • des allergenspezifischen IgE im Serum
  • des mit dem Schweregrad der atopischen Dermatitis assoziierten Biomarkers Laktatdehydrogenase (LDH).
Dupilumab

Pharmakokinetik

Nach einer subkutan injizierten Einzeldosis von 75–600 mg Dupilumab wird die maximale Serumkonzentration (t) im Mittel zwischen 3 und 7 Tagen erreicht. Die geschätzte absolute Bioverfügbarkeit von Dupilumab liegt nach einer s.c. Dosis bei 64 Prozent.

Nach Gabe einer Anfangsdosis von 600 mg und einer Dosis von 300 mg alle zwei Wochen werden die Steady-State-Konzentrationen erfahrungsgemäß bis Woche 16 erreicht. Das Verteilungsvolumen von Dupilumab wird auf etwa 4,6 l geschätzt. Das lässt vermuten, dass die Verteilung von Dupilumab primär vasculär erfolgt.

Dosierung

Atopische Dermatitis

  • Die empfohlene Dosierung für Dupilumab beträgt bei Erwachsenen 600 mg als Initialdosis (zwei Injektionen zu je 300 mg), gefolgt von 300 mg alle zwei Wochen, als subkutane Injektion.
  • Jugendliche (12 bis 17 Jahre) mit einem Körpergewicht unter 60 kg erhalten eine Initialdosis von 400 mg (zwei Injektionen zu je 200 mg) gefolgt von 200 mg alle zwei Wochen, als subkutane Injektion. Ab einem Körpergewicht von ab 60 kg beträgt die Initialdosis 600 mg (zwei Injektionen zu je 300 mg) gefolgt von 300 mg alle zwei Wochen, als subkutane Injektion.
  • Kinder (6 bis 11 Jahre) mit einem Körpergewicht von 15 kg bis <60 kg erhalten eine Initialdosis von 300 mg (eine Injektion zu 300 mg) an Tag 1, gefolgt von weiteren 300 mg an Tag 15, 300 mg alle 4 Wochen, beginnend 4 Wochen nach der Tag-15-Dosis.

Asthma

Die empfohlene Dosierung für Dupilumab beträgt bei Erwachsenen und Jugendlichen (ab 12 Jahren):

  • 600 mg (zwei Injektionen zu je 300 mg) als Anfangsdosis, gefolgt von 300 mg alle zwei Wochen, als subkutane Injektion bei Patienten mit schwerem Asthma und die auf orale Kortikosteroide eingestellt sind oder bei Patienten mit schwerem Asthma und komorbider mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis (AD) oder bei Erwachsenen mit komorbider schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen
  • 400 mg (zwei Injektionen zu je 200 mg) als Anfangsdosis, gefolgt von 200 mg alle zwei Wochen, als subkutane Injektion bei allen anderen Patienten.

Kinder (6 bis 11 Jahre) erhalten:

  • mit einem Körpergewicht von 15 kg bis <30 kg: 100 mg alle 2 Wochen (Q2W) oder 300 mg alle 4 Wochen (Q4W)
  • mit einem Körpergewicht von 30 kg bis <60 kg: 200 mg alle 2 Wochen (Q2W) oder 300 mg alle 4 Wochen (Q4W)
  • mit einem Körpergewicht ab 60 kg: 200 mg alle 2 Wochen (Q2W)

Chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen

  •  Die empfohlene Dosierung für Dupilumab bei erwachsenen Patienten ist eine Anfangsdosis von 300 mg, gefolgt von 300 mg alle zwei Wochen.

Prurigo nodularis

  • Erwachsene erhalten initial 600 mg (zwei Injektionen à 300 mg), anschließend 300 mg alle zwei Wochen. Die Therapie kann mit oder ohne topische Kortikosteroide erfolgen. Bleibt ein Ansprechen nach 24 Wochen aus, sollte die Behandlung beendet werden.

Eosinophile Ösophagitis

  • Kinder mit einem Körpergewicht von 15 kg bis <30 kg: 200 mg alle zwei Wochen (Q2W)
  • Kinder mit einem Körpergewicht von 30 kg bis <40 kg: 300 mg alle zwei Wochen (Q2W)
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem Körpergewicht ab 40 kg: 300 mg wöchentlich (QW)

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

  • Die empfohlene Dosis beträgt 300 mg alle zwei Wochen. Die Anwendung ist als Langzeittherapie vorgesehen; Daten über Wirksamkeit jenseits von 52 Wochen fehlen.
  • Bei fehlendem Ansprechen nach 52 Wochen sollte ein Abbruch erwogen werden.

Chronische spontane Urtikaria

  • Erwachsene: 300 mg alle zwei Wochen nach initialer Aufsättigungsdosis
  • Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren: abhängig vom Körpergewicht entweder 200 mg (≥30 bis <60 kg) oder 300 mg (≥60 kg) alle zwei Wochen

Versäumte Dosen

  • Wöchentliche Gabe: Dosis so bald wie möglich nachholen; Zeitplan neu anpassen.
  • 14-tägige Gabe: Innerhalb von 7 Tagen nachholen, sonst auf die nächste reguläre Dosis warten.
  • 28-tägige Gabe: Innerhalb von 7 Tagen nachholen; bei späterer Gabe ist ein neuer Zeitplan erforderlich.

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen:

  • Reaktionen an der Injektionsstelle

Häufige Nebenwirkungen:

  • Konjunktivitis
  • oraler Herpes
  • Eosinophilie
  • Kopfschmerzen
  • allergische Konjunktivitis, Augenjucken, Blepharitis

Sehr seltene Nebenwirkungen:

  • Serumkrankheit/Serumkrankheit-ähnliche Reaktionen

Wechselwirkungen

Sicherheit und Wirksamkeit der gleichzeitigen Anwendung von Dupilumab und Lebendimpfstoffen wurden bislang nicht untersucht.

Patienten mit atopischer Dermatitis, die 16 Wochen lang einmal wöchentlich 300 mg Dupilumab erhielten, wurden hinsichtlich der Immunreaktionen auf eine Impfung untersucht. Nach zwölfwöchiger Therapie mit Dupilumab erfolgte eine Impfung mit einem Tdap-Impfstoff (T-Zell-abhängig) und einem Meningokokken-Polysaccharid-Impfstoff (T-Zell-unabhängig). Nach vier Wochen wurden die Immunreaktionen beurteilt. Die Antikörperreaktionen auf den Tetanus-Impfstoff wie auch auf den Meningokokken-Polysaccharid-Impfstoff waren in der Dupilumab-Kohorte ähnlich wie die im Placebo-Arm. Unerwünschte Wechselwirkungen zwischen den jeweiligen Totimpfstoffen und Dupilumab konnten nicht festgestellt werden. Demnach gibt es keine Einschränkungen, wenn mit Dupilumab behandelte Patienten gleichzeitig inaktivierte oder Totimpfstoffe erhalten sollen.

Anhand der bisherigen Erfahrungen sind keine klinisch relevanten Wirkungen von Dupilumab auf die Aktivität von CYP1A2, CYP3A, CYP2C19, CYP2D6 oder CYP2C9 zu erwarten.

Kontraindikation

Dupilumab darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff angewendet werden.

Unterbrechung und Abbruch der Behandlung

Im Fall einer systemischen Überempfindlichkeitsreaktion (sowohl unmittelbar als auch verzögert), muss die Gabe von Dupilumab sofort beendet werden. Gleichzeitig ist unverzüglich eine geeignete Therapie einzuleiten.

Kommt es während der Behandlung mit Dupilumab zu einer Wurm-Infektion und spricht diese nicht auf eine Behandlung gegen Helminthose an, muss die Behandlung mit Dupilumab so lange unterbrochen werden, bis die Infektion abgeklungen ist. Dupilumab kann, basierend auf der Interleukin-Rezeptorblockade, die Immunreaktion auf eine Helminthose beeinflussen. Eine vorbestehende Helminthose sollten vor Therapiebeginn mit Dupilumab behandelt werden.

Schwangerschaft

Bislang gibt es nur sehr begrenzte Erfahrungen zu Dupilumab in der Schwangerschaft. Tierexperimentelle Studien zeigten jedoch keine Hinweise auf eine direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkung bezüglich der Reproduktionstoxizität. Dennoch darf Dupilumab von schwangeren Frauen nur angewendet werden, wenn der Nutzen der Therapie das potenzielle Risiko für das Ungeborene rechtfertigt.

Stillzeit

Derzeit ist unklar, ob Dupilumab in die Muttermilch ausgeschieden oder nach der Einnahme systemisch resorbiert wird. Möglicherweise kann es sinnvoll sein, das Stillen zu unterbrechen oder die Behandlung mit Dupilumab auszusetzen. Eine Entscheidung sollte nach individueller Nutzen-Risiko-Einschätzung getroffen werden.

Verkehrstüchtigkeit

Dupilumab hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

Hinweise

Klingt eine während der Dupilumab-Behandlung entwickelte Konjunktivitis nach der Standardbehandlung nicht ab, sollte ein ophthalmologisches Konsil erfolgen.

Alternativen

Ein weiterer Antikörper zur Behandlung atopischer Dermatitis sind die IL-13-Antikörper Tralokinumab und Lebrikizumab.

Zur Behandlung von allergischem Asthma steht der IgE-Antikörper Omalizumab zur Verfügung. Aber auch Mepolizumab und Reslizumab, die beide gegen Interleukin-5 gerichtet sind und so die Bildung eosinophiler Granulozyten hemmen. Benralizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der durch Bindung am Interleukin-5-Rezeptor von Eosinophilen zum Untergang eosinophiler Granulozyten führt und auch als Alternative zur Behandlung allergischen Asthmas angewendet werden kann.

Bei eosinophiler Ösophagitis ist Dupilumab die erste zielgerichtete Biologika-Therapie.

Quelle:
  1. Fachinformationen Dupixent® 300 mg
  2. Regeneron, Pressemitteilung, 18. April 2025.
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