Efanesoctocog alfa

Efanesoctocog alfa ist ein rekombinanter Faktor VIII-Ersatz mit verlängerter Halbwertszeit zur Behandlung von Hämophilie A, der durch kovalente Bindung an das Fc-Fragment von Immunglobulin G1 die Schutzwirkung gegen Proteolyse und eine verlängerte Zirkulation im Blutkreislauf ermöglicht.

Anwendung

Efanesoctocog alfa (Altuvoct) ist zur Behandlung und Prophylaxe von Blutungen bei Patienten mit Hämophilie A indiziert und kann bei allen Altersgruppen eingesetzt werden.

Anwendungsart

Efanesoctocog alfa wird intravenös verabreicht. Nach einer Schulung zur korrekten Injektionstechnik kann es vom Patienten selbst oder einer Betreuungsperson injiziert werden, wenn der behandelnde Arzt dies für angemessen hält. Die Behandlung sollte generell unter der Aufsicht eines Arztes mit Erfahrung in der Hämophilie erfolgen.

Es ist wichtig, dass die Injektion aseptisch erfolgt und die Durchstechflasche vor Gebrauch vorsichtig geschwenkt wird, bis sich das Pulver vollständig aufgelöst hat. Die Lösung sollte klar und farblos sein.

Wirkmechanismus

Efanesoctocog alfa ersetzt den fehlenden Faktor VIII und fördert die Blutgerinnung. Efanesoctocog alfa ist ein Faktor-VIII-Protein, das so konzipiert ist, dass es den endogenen von-Willebrand-Faktor (VWF) nicht bindet. Dadurch wird die durch Faktor-VIII-VWF-Interaktionen bedingte Begrenzung der Halbwertszeit überwunden. Die Fc-Region des menschlichen Immunglobulins G1 (IgG1) bindet an den neonatalen Fc-Rezeptor (FcRn), was den lysosomalen Abbau von Immunglobulinen verzögert und die Halbwertszeit des Fusionsproteins verlängert. Dies ermöglicht eine effektivere und länger anhaltende Blutgerinnung.

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik (PK) von Efanesoctocog alfa wurde in den Phase-III-Studien XTEND-1 und XTEND-Kids untersucht. Diese Studien umfassten 159 Erwachsene und Jugendliche sowie 74 Kinder unter 12 Jahren, die wöchentliche intravenöse Injektionen von 50 I.E./kg erhielten. Für 37 Kinder unter 12 Jahren lagen PK-Profile nach einer Einzeldosis vor.

Halbwertszeit

  • Efanesoctocog alfa zeigt eine etwa viermal längere Halbwertszeit im Vergleich zu Standard-Faktor-VIII-Präparaten.
  • Es hat eine etwa 2,5- bis 3-fach längere Halbwertszeit im Vergleich zu Faktor-VIII-Präparaten mit verlängerter Halbwertszeit.

Pharmakokinetische Parameter

  • Die PK-Parameter wurden nach einer Einzeldosis Efanesoctocog alfa basierend auf der Faktor-VIII-Aktivität im Plasma, gemessen mittels aPTT-basiertem Einstufen-Gerinnungstest, ermittelt.
  • Nach einer Einzeldosis von 50 I.E./kg zeigt Efanesoctocog alfa eine hohe und anhaltende Faktor-VIII-Aktivität mit verlängerter Halbwertszeit in allen Altersgruppen.
  • In den pädiatrischen Kohorten zeigte sich ein Trend zu einer steigenden AUC (Fläche unter der Kurve) und einer abnehmenden Clearance mit zunehmendem Alter.

Steady-State-Profil

  • Das PK-Profil im Steady-State (nach 26 Wochen) war vergleichbar mit dem nach der ersten Dosis erhaltenen PK-Profil.

Studienergebnisse XTEND-1

  • Im Steady-State hielt Efanesoctocog alfa bei wöchentlicher Prophylaxe die Faktor-VIII-Aktivität bei Erwachsenen durchschnittlich 4,1 (0,7) Tage lang auf einem normalen bis nahezu normalen Niveau (> 40 I.E./dl).
  • Eine Faktor-VIII-Aktivität über 10 I.E./dl wurde bei 83,5% der Erwachsenen und Jugendlichen während der gesamten Studie aufrechterhalten.
  • Bei Kindern unter 12 Jahren wurde bei wöchentlicher Gabe von Efanesoctocog alfa im Steady-State eine normale bis nahezu normale (> 40 I.E./dl) Faktor-VIII-Aktivität für 2 bis 3 Tage und eine Faktor-VIII-Aktivität von > 10 I.E./dl für etwa 7 Tage aufrechterhalten.

Dosierung

Die Dosierung und Dauer der Therapie richten sich nach dem Schweregrad des Faktor-VIII-Mangels, dem Ort und Ausmaß der Blutung sowie dem klinischen Zustand des Patienten. 

Die empfohlene Dosierung für die Routineprophylaxe beträgt 50 I.E./kg einmal wöchentlich. Bei Bedarf können zusätzliche Dosen verabreicht werden. Die spezifischen Dosierungen für verschiedene Situationen wie Blutungsepisoden oder chirurgische Eingriffe sind in der Fachinformation detailliert beschrieben.

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen von Efanesoctocog alfa sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Ausschlag, Fieber und Reaktionen an der Injektionsstelle. In seltenen Fällen können Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zur Anaphylaxie auftreten.

Wechselwirkungen

Es sind keine Wechselwirkungen zwischen Efanesoctocog alfa und anderen Arzneimitteln bekannt. Es wurden keine spezifischen Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.

Kontraindikationen

Efanesoctocog alfa darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile des Medikaments.

Schwangerschaft/Stillzeit

Da Hämophilie A bei Frauen äußerst selten auftritt, fehlen Erfahrungswerte zur Anwendung von Faktor VIII während der Schwangerschaft und Stillzeit. Daher sollte der Einsatz von Faktor VIII in diesen Phasen nur bei klarer medizinischer Notwendigkeit erfolgen.

Verkehrstüchtigkeit

Efanesoctocog alfa hat keinen oder einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Fähigkeit, Fahrzeuge zu führen oder Maschinen zu bedienen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Efanesoctocog alfa zu beachten:

  • Rückverfolgbarkeit: Die Bezeichnung und Chargennummer des angewendeten Arzneimittels müssen eindeutig dokumentiert werden.
  • Überempfindlichkeit: Allergische Reaktionen sind möglich. Patienten sollten bei Symptomen die Anwendung sofort unterbrechen und einen Arzt aufsuchen. Zeichen umfassen Nesselsucht, Engegefühl im Brustbereich, Giemen, Hypotonie und Anaphylaxie.
  • Inhibitoren: Die Bildung von neutralisierenden Antikörpern (Inhibitoren) gegen Faktor VIII ist eine bekannte Komplikation. Das Risiko korreliert mit dem Schweregrad der Erkrankung und der Exposition gegenüber Faktor VIII. Besonders hoch ist es in den ersten 50 Expositionstagen, besteht aber lebenslang fort. Patienten sollten auf die Entwicklung von Inhibitoren überwacht werden. Bei hohen Inhibitorkonzentrationen könnte die Therapie mit Faktor VIII ineffektiv sein und andere therapeutische Optionen sollten in Betracht gezogen werden.
  • Überwachung der Labortests: Bei Verwendung des chromogenen Tests oder des Einstufen-Gerinnungstests mit Actin-FS-Reagenz muss das Ergebnis durch 2,5 geteilt werden, um die Faktor-VIII-Aktivität des Patienten zu ermitteln. Dieser Umrechnungsfaktor ist nur eine Schätzung.
  • Kardiovaskuläre Ereignisse: Bei bestehenden kardiovaskulären Risikofaktoren kann das Risiko durch die Therapie erhöht werden.
  • Katheter-assoziierte Komplikationen: Bei Verwendung eines zentralen Venenkatheters (ZVK) sollte das Risiko von Infektionen, Bakteriämie und Thrombosen berücksichtigt werden.
  • Kinder und Jugendliche: Diese Warnhinweise gelten auch für Kinder und Jugendliche.

Alternativen

Behandlungsalternativen von Efanesoctocog alfa für die Therapie von Hämophilie A umfassen:

  • Standard-Faktor VIII-Konzentrate: Diese werden zur Erhöhung der Faktor VIII-Spiegel eingesetzt, um Blutungen zu verhindern oder zu behandeln.
  • Langwirksame Faktor VIII-Präparate: Diese haben eine verlängerte Halbwertszeit und erfordern weniger häufige Infusionen im Vergleich zu Standard-Faktor VIII-Konzentraten.
  • Emicizumab: Ein bispezifischer monoklonaler Antikörper, der Faktor IXa und Faktor X bindet und so die Funktion von Faktor VIII nachahmt, wodurch das Blutgerinnungssystem auch ohne Faktor VIII aktiviert werden kann.
  • Aktiviertes Prothrombinkomplexkonzentrat (aPCC) oder rekombinanter aktivierter Faktor VII (rFVIIa): Für Patienten mit Hemmkörpern gegen Faktor VIII, um die Blutgerinnung zu fördern.
Autor:
Stand:
04.08.2024
Quelle:
  1. Von Drygalski, Annette, et al. "Efanesoctocog alfa prophylaxis for patients with severe hemophilia A." New England Journal of Medicine 388.4 (2023): 310-318.
  2. Sobi: Fachinformation Altuvoct
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