Elosulfase alfa

Elosulfase alfa ist ein Enzymersatztherapeutikum, das den Abbau von Keratan-Sulfat bei Mukopolysaccharidose Typ IV A fördert. Durch den Ersatz des defekten Enzyms wird die Akkumulation von Glykosaminoglykanen vermindert, die zu multisystemischen Symptomen führen.

Anwendung

Elosulfase alfa wird angewendet bei:

  • Behandlung der Mukopolysaccharidose Typ IVA (Morquio-A-Syndrom)
  • Enzymersatztherapie zur Reduktion einer Glykosaminoglykan-Akkumulation bei Enzymdefekt von N-Acetylgalactosamin-6-sulfatase

Anwendungsart

Elosulfase alfa wird intravenös als Infusion verabreicht. Eine Anaphylaxie-Prophylaxe mit Antihistaminika kann vor der Infusionstherapie erfolgen, um Überempfindlichkeitsreaktionen zu verhindern.

Wirkmechanismus

Elosulfase alfa ersetzt das fehlende oder defekte Enzym N-Acetylgalactosamin-6-sulfatase (GALNS) bei Patienten mit MPS IVA (Morquio-A-Syndrom). Es wird über Mannose-6-Phosphat-Rezeptoren in die Lysosomen der Zellen aufgenommen, wo es den Abbau der Glykosaminoglykane (GAGs), insbesondere Keratan-Sulfat und Chondroitin-6-Sulfat, unterstützt.

Durch die enzymatische Aktivität von Elosulfase alfa wird die Akkumulation von Keratan-Sulfat und Chondroitin-6-Sulfat in den Lysosomen reduziert, wodurch die Zellfunktion verbessert wird. Dies verhindert die Signalstörung in lysosomalen Abbauwegen und reduziert die systemische Dysfunktion von Geweben und Organen. Der verbesserte GAG-Abbau trägt zur Wiederherstellung der normalen Zellhomöostase und Gewebefunktion bei.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Keine klassische Resorption, da Elosulfase alfa intravenös verabreicht wird.
    Maximale Plasmakonzentration (Cmax) stieg von 1,49 µg/ml (Woche 0) auf 4,04 µg/ml (Woche 22), ein Anstieg um 192%

Verteilung

  • Verteilung erfolgt hauptsächlich im lysosomalen Zellkompartiment.
  • Zeit bis zur maximalen Konzentration (Tmax) verlängert sich im Verlauf, was auf eine bis zu 17,4% langsamere Aufnahme oder Verteilung hindeutet im Vergleich zum Therapiebeginn.

Elimination

  • Clearance (CL) verringerte sich von 10,0 ml/Minute/kg (Woche 0) auf 7,08 ml/Minute/kg (Woche 22), was eine Reduktion der Ausscheidung um 29,2% zeigt.
  • Halbwertszeit (t1/2) verlängerte sich deutlich von 7,52 Minuten auf 35,9 Minuten, dies entspricht eine Verlängerung um ca. 377% 
  • Elosulfase alfa wird durch Peptidhydrolyse abgebaut. Eine beeinträchtigte Leberfunktion beeinflusst diesen Prozess nicht.

Spezielle Hinweise zur Pharmakokinetik und therapierelevante Schlussfolgerungen

Erhöhte Exposition: Der Anstieg der AUC₀–t von 238 µg/ml/min (Woche 0) auf 577 µg/ml/min (Woche 22) deutet auf eine erhöhte Medikamentenexposition hin. Dies ist klinisch relevant, da es keinen Hinweis auf toxische Akkumulation gibt, die Dosierung jedoch konstant gehalten werden kann.

Verlängerte Halbwertszeit und reduzierte Clearance: Die Verlängerung der Halbwertszeit und die reduzierte Clearance deuten auf eine langsamere Elimination bei wiederholter Gabe hin, jedoch ohne negative Auswirkungen auf die Wirksamkeit. Es könnte eine Anpassung bei Patienten mit stark variierender Clearance erforderlich sein.

Neutralisierende Antikörper: Diese beeinflussen die Clearance von Elosulfase alfa leicht, führen aber nicht zu Veränderungen in der klinischen Wirksamkeit oder Sicherheit. Daher sind regelmäßige Überprüfungen sinnvoll, ohne dass eine Dosisanpassung notwendig ist.

Langzeittherapie: Aufgrund der zunehmenden Exposition und der längeren Halbwertszeit sollten Ärzte die Patienten regelmäßig überwachen.
 

Dosierung

Eine Übersicht der Dosierung von Elosulfase alfa:

Standarddosis

  • 2 mg/kg Körpergewicht, einmal pro Woche
  • Infusionsdauer: ca. 4 Stunden
  • Patienten unter 25 kg Körpergewicht: Infusionsvolumen: 100 ml; Start-Infusionsrate: 3 ml/h, dann Erhöhung alle 15 Minuten um 6 ml/h, bis eine maximale Rate von 36 ml/h erreicht wird.
  • Patienten ≥ 25 kg Körpergewicht: Infusionsvolumen: 250 ml; Start-Infusionsrate: 6 ml/h, dann Erhöhung alle 15 Minuten um 12 ml/h, bis eine maximale Rate von 72 ml/h erreicht wird.

Prophylaxe vor Infusion

  • 30 bis 60 Minuten vor der Infusion: Antihistaminika (mit oder ohne Antipyretika) zur Prophylaxe von Überempfindlichkeitsreaktionen

Nebenwirkungen

Am häufigsten (≥ 10%) beobachtete Nebenwirkungen von Elosulfase alfa:

  • Überempfindlichkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Dyspnoe
  • Diarrhö
  • Erbrechen
  • Übelkeit 
  • Bauchschmerzen
  • Pyrexie
  • Schüttelfrost

Diese Nebenwirkungen traten besonders im Zusammenhang mit der Infusionsreaktion auf und waren in der Regel leicht bis mittelschwer.

Wechselwirkungen

Es wurden keine Untersuchungen zu Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen durchgeführt.

Kontraindikationen

Elosulfase alfa darf nicht angewendet werden bei lebensbedrohlicher Überempfindlichkeit (anaphylaktische Reaktion) gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile (z. B. Sorbitol) der Infusion.

Schwangerschaft

Es liegen keine Daten zur Anwendung von Elosulfase alfa während der Schwangerschaft vor. Tierexperimentelle Studien zeigen keine schädliche Wirkung hinsichtlich der embryofötalen Entwicklung. Eine Therapie ist im Einzefall durch den behandelnden Arzt abzuwägen.

Stillzeit

In Tierexperimentellen Studien konnte festgestellt werden, das Elosulfase alfa in die Muttermilch gelangt. Es ist unklar, ob dies bei Menschen ebenfalls der Fall ist.

Verkehrstüchtigkeit

Elosulfase alfa hat geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Als Nebenwirkung kann Schwindel gehäuft auftreten, der die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen am Tag der Infusion negativ beeinflussen kann.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Elosulfase alfa zu beachten:

  • Anaphylaxie und schwere allergische Reaktionen: Anaphylaxie und schwere allergische Reaktionen wurden in Studien beobachtet. Es muss sichergestellt werden, dass im Falle dieser Reaktionen eine medizinische Versorgung sofort zur Verfügung steht. Bei Auftreten solcher Reaktionen ist die Infusion sofort zu beenden und geeignete medizinische Maßnahmen zu ergreifen.
  • Infusionsreaktionen: Infusionsreaktionen sind häufige Nebenwirkungen. Vor der Infusion sollten die Patienten Antihistaminika einnehmen.
  • Rückenmarkskompression/Kompression des zervikalen Rückenmarks: In klinischen Studien wurde Rückenmarkskompression sowohl unter Elosulfase alfa als auch unter Placebo festgestellt. Patienten sollten auf Symptome einer Rückenmarkskompression wie Rückenschmerzen, Lähmungen der Extremitäten und Inkontinenz überwacht werden und gegebenenfalls die notwendige medizinische Versorgung erhalten.

Alternativen

Bisher ist Elosulfase alfa der einzige direkt zugelassene Wirkstoff zur Therapie des Morquio-A-Syndroms.

Zurzeit wird an chaperon-basierten Behandlungsformen für das Morquio-A-Syndroms geforscht, diese sind jedoch noch nicht zugelassen.

Autor:
Stand:
14.11.2024
Quelle:

Fachinformation Vimizim 1 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (2018), Biomarin. Rote Liste Service GmbH. Zuletzt aufgerufen am: 01.10.2024

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1 Präparate mit Elosulfase alfa