Epcoritamab

Epcoritamab ist ein humanisierter bispezifischer Antikörper gegen CD3- und CD20-Antigene. Es wird als Monotherapie zur Behandlung von rezidivierendem oder refraktärem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) sowie des follikulären Lymphoms (FL).

Anwendung

Epcoritamab (Tepkinly) wird als Monotherapie angewendet zur Behandlung von Erwachsenen mit

Anwendungsart

Epcoritamab wird ausschließlich subkutan angewendet und darf nur unter Aufsicht eines in der Krebstherapie erfahrenen Arztes verabreicht werden. Die Injektion erfolgt vorzugsweise in den unteren Bauchbereich oder in den Oberschenkel, wobei ein regelmäßiger Wechsel der Injektionsstelle empfohlen wird, insbesondere während der wöchentlichen Applikationsphase.

Die Behandlung erfolgt in 28-tägigen Zyklen nach einem festgelegten Aufdosierungsschema und wird bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder bis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität fortgeführt.

Wirkmechanismus

Epcoritamab ist ein humanisierter bispezifischer Immunglobulin-G1-Antikörper. Epcoritamab bindet an ein spezifisches extrazelluläres Epitop von CD20 auf B-Zellen und an CD3 auf T-Zellen. Durch die gleichzeitige Bindung CD20-exprimierender Krebszellen und CD3-exprimierender T-Zellen induziert Epcoritamab eine spezifische T-Zell-Aktivierung und die Abtötung der Krebszellen.

Epcoritamab neu

Dosierung

Die Behandlung erfolgt in 28‑Tage‑Zyklen. Beim DLBCL wird ein zweistufiges Aufdosierungsschema angewendet, während beim FL ein dreistufiges Aufdosierungsschema erforderlich ist.

Zyklus 1 – DLBCL

  • Tag 1: 0,16 mg (Initialdosis)
  • Tag 8: 0,8 mg (Zwischendosis)
  • Tag 15: 48 mg (erste volle Dosis)
  • Tag 22: 48 mg

Zyklus 1 – FL

  • Tag 1: 0,16 mg (Initialdosis)
  • Tag 8: 0,8 mg (Zwischendosis)
  • Tag 15: 3 mg (zweite Zwischendosis)
  • Tag 22: 48 mg (erste volle Dosis)

Zyklus 2–3 

In den Zyklen 2–3 sollen an den Tagen 1, 8, 15 und 22 jeweils 48 mg verabreicht werden.

Zyklus 4–9

In den Zyklen 4–9 sollen an den Tagen 1 und 15 jeweils 48 mg verabreicht werden.

Zyklus 10 und folgende

Ab Zyklus 10 soll nur an Tag 1 jeweils 48 mg verabreicht werden.

Nebenwirkungen

Zu den wichtigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen gehören:

  • Zytokinfreisetzungssyndrom
  • Tumorlyse-Syndrom
  • Immunzellassoziiertes Neurotoxizitätssyndrom
  • Infektionen
  • Tumor-Flare-Reaktion
  • Neutropenie, Lymphozytopenie, Thrombozytopenie, Anämie
  • Elektrolytstörungen
  • Fatigue
  • Reaktionen an der Injektionsstelle
  • Diarrhö
  • Schmerzen des Bewegungsapparates
  • Fieber
  • Hypogammaglobulinämie (niedrige Immunglobulinspiegel), sehr häufig; kann zu einem erhöhten Infektionsrisiko führen

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Epcoritamab zu beachten:

  • Vorübergehende Zytokinerhöhungen können die Aktivität von CYP450-Enzymen herabsetzen.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von CYP450-Substraten mit enger therapeutischer Breite sollte ein therapeutisches Monitoring erwogen werden.

Kontraindikationen

Bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile ist Epcoritamab kontraindiziert.

Schwangerschaft

Aufgrund des Wirkmechanismus kann Epcoritamab bei Anwendung in der Schwangerschaft eine Schädigung des Fötus verursachen. Es liegen keine Daten zur Anwendung bei Schwangeren vor. Epcoritamab wird während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne zuverlässige Empfängnisverhütung nicht empfohlen.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Epcoritamab in die Muttermilch übergeht. Während der Behandlung und für mindestens vier Monate nach der letzten Anwendung darf nicht gestillt werden.

Verkehrstüchtigkeit

Epcoritamab hat großen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Aufgrund des Risikos eines immunzellassoziierten Neurotoxizitätssyndroms kann es zu Bewusstseins- und Konzentrationsstörungen kommen, sodass Patienten entsprechende Tätigkeiten nur mit Vorsicht oder bei Auftreten von Symptomen gar nicht ausüben sollten.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Epcoritamab zu beachten:

  • Rückverfolgbarkeit: Zur Verbesserung der Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel müssen die Bezeichnung des Arzneimittels und die Chargenbezeichnung eindeutig dokumentiert werden. 
  • Zytokinfreisetzungssyndrom: Es können lebensbedrohliche oder tödliche Ereignisse auftreten; zur Risikominderung sind prophylaktisch Kortikosteroiden zu verabreichen, Patienten sind engmaschig zu überwachen und bei ersten Anzeichen ist eine unterstützende Behandlung, einschließlich Tocilizumab und/oder Kortikosteroiden, einzuleiten. 
  • Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH): Es wurden Fälle, einschließlich tödlicher Verläufe, berichtet; HLH ist insbesondere bei atypischem oder langanhaltendem Zytokinfreisetzungssyndrom in Betracht zu ziehen, Patienten sind zu überwachen und bei Verdacht ist die Behandlung zu unterbrechen sowie eine diagnostische Abklärung und HLH-Therapie einzuleiten. Wird HLH bestätigt, muss Epcoritamab abgesetzt werden.
  • Immunzellassoziiertes Neurotoxizitätssyndrom (ICANS): Es sind Fälle, einschließlich tödlicher Ereignisse, aufgetreten; Patienten sind auf Anzeichen und Symptome zu überwachen und bei ersten Symptomen sind Kortikosteroide und nicht sedierende Antikonvulsiva wie erforderlich einzuleiten, zudem sind Patienten über ein mögliches verzögertes Einsetzen aufzuklären und zur sofortigen medizinischen Abklärung anzuhalten. 
  • Schwerwiegende Infektionen: Die Behandlung kann das Infektionsrisiko erhöhen; die Anwendung bei klinisch bedeutsamen aktiven systemischen Infektionen ist zu vermeiden, eine antimikrobielle Prophylaxe kann vor und während der Behandlung erforderlich sein, und Patienten sind vor und nach der Anwendung zu überwachen und entsprechend zu behandeln. Die Immunglobulinspiegel sollten vor und während der Behandlung überwacht werden.
  • Progressive multifokale Leukenzephalopathie: Fälle, einschließlich tödlicher Verläufe, wurden berichtet; bei neurologischen Symptomen, die auf eine progressive multifokale Leukenzephalopathie hinweisen, ist Epcoritamab abzubrechen und eine geeignete Diagnostik einzuleiten. 
  • Tumorlysesyndrom: Es wurde ein Tumorlysesyndrom beobachtet; bei erhöhtem Risiko werden Flüssigkeit und eine prophylaktische Behandlung mit harnsäuresenkenden Arzneimitteln empfohlen, außerdem sind Patienten und Laborwerte engmaschig zu überwachen und Auffälligkeiten umgehend zu behandeln. 
  • Tumor-Flare-Reaktion: Eine Tumor-Flare-Reaktion wurde berichtet; insbesondere bei voluminösen Tumoren in unmittelbarer Nähe zu Atemwegen oder lebenswichtigen Organen besteht ein erhöhtes Risiko für Beeinträchtigung durch Masseneffekte, daher sind Patienten zu überwachen und gezielt an kritischen Körperstellen zu untersuchen. 
  • CD20-negative Erkrankung: Bei CD20-negativem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom oder CD20-negativem follikulärem Lymphom ist aufgrund begrenzter Daten ein geringerer Nutzen möglich; potenzielle Risiken und Vorteile sind individuell abzuwägen. 
  • Patientenkarte: Patienten sind über Risiken sowie Anzeichen und Symptome des Zytokinfreisetzungssyndroms und des immunzellassoziierten Neurotoxizitätssyndroms zu informieren, zur sofortigen ärztlichen Vorstellung bei Symptomen anzuhalten und müssen eine Patientenkarte erhalten, die jederzeit mitzuführen ist. 
  • Immunisierung: Lebendimpfstoffe und/oder attenuierte Lebendimpfstoffe dürfen während der Behandlung nicht verabreicht werden.
Quelle:
  1. European Medicines Agency (EMA): Fachinformation Tepkinly. Stand: 19.09.2025.
  2. Sehn, Salles (2021): Diffuse Large B-Cell Lymphoma. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMra2027612
  3. ClinicalTrials.gov: First-in-Human (FIH) Trial in Patients With Relapsed, Progressive or Refractory B-Cell Lymphoma (EPCORE™ NHL-1), ClinicalTrials.gov ID: NCT03625037
  4. PRAC recommendations on signals adopted at the 27-30 October 2025 PRAC_en, abgerufen am 17.12.2025.
  5. New product information wording - Nov 2025_DE, abgerufen am 17.12.2025.
  6. Fachinformation: tepkinly® 4 mg/0,8 ml Injektionslösung, abbvie, Stand: Juli 2026.

Abbildung

Dr. Isabelle Viktoria Maucher; Created with Biorender

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
3 Präparate mit Epcoritamab