Epoprostenol
Epoprostenol ist ein synthetisches Analogon des natürlichen Prostazyklins, das zur Behandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) und bei Hämodialyse in Notfallsituationen eingesetzt wird.
Epoprostenol: Übersicht

Anwendung
Epoprostenol wird angewendet:
- zur Behandlung der pulmonal arteriellen Hypertonie (PAH) bei Patienten mit Symptomen der WHO-Funktionsklasse (WHO-FC) III – IV zur Verbesserung der Belastungsfähigkeit
- bei Hämodialyse in Notfallsituationen, wenn bei der Anwendung von Heparin ein hohes Risiko besteht, Blutungen auszulösen oder zu verschlechtern, oder wenn Heparin aus einem anderen Grund kontraindiziert ist
Anwendungsart
Epoprostenol wird intravenös angewendet.
Wirkmechanismus
Der Wirkmechanismus von Epoprostenol basiert auf seiner Fähigkeit, sowohl die pulmonalen als auch die systemischen Arterien zu erweitern, was zu einer Vasodilatation führt. Diese vasodilatatorische Wirkung wird durch die Erhöhung der zyklischen Adenosinmonophosphat-3', 5' (cAMP)-Spiegel in den Gefäßmuskelzellen vermittelt, was eine Entspannung der glatten Muskulatur und somit eine Erweiterung der Blutgefäße zur Folge hat.
Zusätzlich hat Epoprostenol einen direkten Effekt auf die Thromboxan A2-vermittelte Plättchenaggregation. Es stimuliert die Adenylatcyclase in den Blutplättchen, was zu einem Anstieg des intrazellulären cAMP führt. Dieser Anstieg des cAMP reguliert die intrazellulären Calciumkonzentrationen, indem es deren Eliminierung fördert und somit die Plättchenaggregation hemmt, da eine Reduktion des zytoplasmatischen Calciums erfolgt. Die Formveränderung der Plättchen, die von ihrem Aggregationsgrad und der Freisetzungsreaktion abhängt, wird dadurch ebenfalls beeinflusst.
Die hämodynamischen Effekte von Epoprostenol, wie die Reduktion des pulmonalen Gefäßwiderstands, die Steigerung des Herzindexes und die Erhöhung der Sauerstoffzufuhr, sind auf die Erhöhung des cAMP in der glatten Gefäßmuskulatur zurückzuführen, was eine Vasodilatation bewirkt.
Dosierung
Kurzzeitige (akute) Dosisbestimmung
- Startdosis: 2 ng/kg/min, beginnend entweder über einen peripheren oder zentralen Venenkatheter.
- Dosissteigerung: In Schritten von 2 ng/kg/min alle 15 Minuten oder länger, bis der maximale hämodynamische Nutzen erreicht wird oder dosislimitierende Effekte auftreten.
- Anpassung bei Unverträglichkeit: Bei schlechter Verträglichkeit der Startdosis Anpassung auf eine niedrigere, besser verträgliche Dosis.
Langzeit-Dauerinfusion
- Verabreichung: Über einen zentralen Venenkatheter; kurzzeitige periphere i.v.-Infusionen sind möglich, bis der zentrale Zugang gelegt ist.
- Startdosis für Langzeitinfusion: 4 ng/kg/min unterhalb der maximal verträglichen Infusionsrate, die durch die Kurzzeitdosierung ermittelt wurde. Bei maximal tolerierter Infusionsrate ≤5 ng/kg/min, Beginn mit 1 ng/kg/min.
Dosisanpassung
- Erhöhung der Dosis: Basierend auf Symptomen der PAH oder dosislimitierenden Nebenwirkungen. Erhöhungen in Schritten von 1 bis 2 ng/kg/min, mindestens 15 Minuten Abstand, um das klinische Ansprechen zu beurteilen.
- Reduktion der Dosis: In Schritten von 2 ng/kg/min alle 15 Minuten oder länger, bis unerwünschte Effekte abklingen.
Spezielle Anweisungen
- Renale Dialyse: 4 ng/kg/min intravenös für 15 Minuten vor der Dialyse und während der Dialyse in den arteriellen Einlass des Dialysators.
- Ältere Patienten: Vorsichtige Dosierung aufgrund möglicherweise reduzierter Organfunktionen und Begleiterkrankungen.
- Kinder und Jugendliche: Sicherheit und Wirksamkeit noch nicht erwiesen.
Nebenwirkungen
Sehr häufige Nebenwirkungen von Epoprostenol umfassen:
- Kopfschmerzen
- Gesichtsröte (auch bei anästhesierten Patienten)
- Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö
- Kieferschmerzen
- Schmerzen (unspezifisch)
Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen:
- Sepsis, Septikämie (hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Kathetersystem zur Anwendung von Epoprostenol)
- Verringerung der Thrombozytenzahl, Blutungen an verschiedenen Stellen (z. B.: pulmonal, gastrointestinal, Nasenbluten, intrakranial, postprozedural, retroperitoneal)
- Ängstlichkeit, Nervosität
- Tachykardie, Bradykardie
- Hypotonie
- Abdominale Koliken, manchmal berichtet als Bauchbeschwerden
- Hautausschlag
- Arthralgie
- Schmerzen an der Injektionsstelle, Brustschmerzen
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Epoprostenol zu beachten:
- Antikoagulanzien: Bei Patienten, die gleichzeitig Antikoagulantien erhalten, ist eine standardmäßige Überwachung der Antikoagulation ratsam. Epoprostenol kann die Wirkung von Antikoagulanzien beeinflussen, weshalb eine sorgfältige Kontrolle der Blutgerinnungswerte erforderlich ist.
- Andere Vasodilatatoren: Die gefäßerweiternde Wirkung von Epoprostenol kann durch die gleichzeitige Anwendung anderer Vasodilatatoren verstärkt werden, was zu einer erhöhten Wirkung auf den Blutdruck führen kann.
- Gewebeplasminogenaktivator (t-PA): Wie andere Prostaglandin-Analoga kann Epoprostenol die thrombolytische Wirkung von t-PA durch Erhöhung der hepatischen Clearance von t-PA verringern. Dies könnte die Effektivität von t-PA bei der Behandlung von Thrombosen beeinträchtigen.
- NSAR und andere Arzneimittel, die die Thrombozytenaggregation beeinflussen: Die gleichzeitige Anwendung kann das Risiko einer Blutung erhöhen, da Epoprostenol ebenfalls die Thrombozytenaggregation hemmt.
- Digoxin: Patienten unter Digoxin können erhöhte Digoxinkonzentrationen nach Beginn der Epoprostenol-Therapie zeigen. Dies kann vorübergehend sein, aber bei Patienten, die für eine Digoxin-Toxizität anfällig sind, klinische Bedeutung erlangen.
Kontraindikationen
Epoprostenol darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Patienten mit Herzinsuffizienz, die durch eine schwere linksventrikuläre Dysfunktion verursacht wird
Patienten, die während der Dosis-Bestimmung ein Lungenödem entwickelt haben dürfen Epoprostenol nicht dauerhaft anwenden.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Epoprostenol zu beachten:
- pH-Wert der Lösung: Der pH-Wert der verdünnten Lösung ist hoch und nimmt mit der Verdünnung ab. Die periphere intravenöse Anwendung sollte daher nur kurzzeitig und mit niedrigen Konzentrationen erfolgen, um lokale Gewebeschäden zu vermeiden.
- Vasodilatation: Epoprostenol ist ein starker Vasodilatator. Seine kardiovaskulären Effekte klingen innerhalb von 30 Minuten nach Beendigung der Infusion ab.
- Inhibitor der Thrombozytenaggregation: Epoprostenol kann das Risiko für Blutungen erhöhen, besonders bei Patienten mit anderen Blutungsrisikofaktoren.
- Blutdruckabfall: Bei starkem Blutdruckabfall während der Anwendung muss die Dosis verringert oder die Infusion abgebrochen werden. Überwachung von Blutdruck und Herzfrequenz ist erforderlich.
- Herzfrequenzänderungen: Epoprostenol kann die Herzfrequenz sowohl erhöhen als auch verringern, abhängig von der Ausgangslage und der Infusionsrate.
- Koronare Herzerkrankung: Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung geboten.
- Serum-Glukosespiegel: Erhöhungen der Serum-Glukosespiegel wurden berichtet.
- Einmalige Verwendung des Lösungsmittels: Das Lösungsmittel enthält kein Konservierungsmittel, daher sollte jede Durchstechflasche nur einmal verwendet werden.
- Pulmonale Ödeme: Bei Auftreten pulmonaler Ödeme während der Dosisanpassung, die auf eine pulmonal veno-okklusive Erkrankung hindeuten könnten, darf Epoprostenol nicht dauerhaft angewendet werden.
- Plötzliches Absetzen vermeiden: Ein abruptes Absetzen oder eine Unterbrechung der Infusion kann zu einem Rebound der PAH führen und sollte vermieden werden.
- Anwendung erfordert Schulung und Bereitschaft des Patienten: Die Langzeittherapie mit Epoprostenol erfordert die Bereitschaft des Patienten zur sterilen Vorbereitung und Anwendung des Arzneimittels sowie zur sorgfältigen Pflege des Zentralvenenkatheters.
- Renale Dialyse: Die blutdrucksenkende Wirkung von Epoprostenol kann während der renalen Dialyse verstärkt werden. Epoprostenol ist kein Ersatz für konventionelle Antikoagulanzien bei der Dialyse.
Alternativen
Behandlungsalternativen zu Epoprostenol für die Therapie der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) umfassen verschiedene Medikamentenklassen, die jeweils unterschiedliche Aspekte der Pathophysiologie der Erkrankung adressieren:
Endothelin-Rezeptor-Antagonisten (ERA)
Phosphodiesterase-Typ-5-Inhibitoren (PDE-5-Inhibitoren)
Guanylatcyclase-Stimulatoren
Prostazyklin-Analoga und -Analoga
Selektive IP-Rezeptor-Agonisten
- Fachinformation Veletri
- Sitbon, Olivier, and Anton Vonk Noordegraaf. "Epoprostenol and pulmonary arterial hypertension: 20 years of clinical experience." European Respiratory Review 26.143 (2017).
- Saito, Yukihiro, et al. "Epoprostenol sodium for treatment of pulmonary arterial hypertension." Vascular health and risk management (2015): 265-270.










