Famciclovir

Famciclovir ist ein Prodrug, das im Körper zu dem antiviralen Wirkstoff Penciclovir metabolisiert wird und gegen Herpesviren, einschließlich Herpes simplex und Varizella-Zoster-Virus, wirksam ist.

Famciclovir

Anwendung

Famciclovir besitzt folgende Indikationen:

Infektionen mit dem Varicella-Zoster-Virus (VZV) – Herpes zoster

  • zur Behandlung von Herpes zoster und  Zoster ophthalmicus bei immunkompetenten Erwachsenen
  • zur Behandlung von Herpes zoster bei immunsupprimierten Erwachsenen

Infektionen mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV) – Herpes genitalis

  • zur Behandlung von erstmalig auftretendem und von rezidivierendem Herpes genitalis bei immunkompetenten Erwachsenen
  • zur Behandlung von rezidivierendem Herpes genitalis bei immunsupprimierten Erwachsenen
  • zur Suppressionsbehandlung von rezidivierendem Herpes genitalis bei immunkompetenten und immunsupprimierten Erwachsenen

Anwendungsart

Famciclovir ist für die orale Anwendung vorgesehen.

Wirkmechanismus

Der Wirkmechanismus von Famciclovir basiert auf der selektiven Hemmung der viralen DNA-Synthese. Es ist ein Prodrug, das im Körper zu Penciclovir metabolisiert wird, dem eigentlichen aktiven Wirkstoff. Nach der oralen Einnahme wird Famciclovir schnell zu Penciclovir umgewandelt. In Zellen, die mit Herpesviren infiziert sind, wird Penciclovir durch virale Thymidinkinasen zu Penciclovir-Monophosphat phosphoryliert.

Weitere Phosphorylierungsschritte durch zelluläre Kinasen führen zur Bildung von Penciclovir-Triphosphat. Dieses aktive Triphosphat hemmt selektiv die virale DNA-Polymerase, indem es mit den natürlichen Nukleotiden um die Bindung an das Enzym konkurriert und dadurch die Synthese der viralen DNA stört. Dadurch wird die Vermehrung der Viren effektiv gehemmt.

Dosierung

Herpes zoster (Gürtelrose) bei immunkompetenten Erwachsenen

  • Dosierung: 500 mg dreimal täglich
  • Behandlungsdauer: 7 Tage
  • Beginn: Sobald wie möglich nach Diagnose

Herpes zoster bei immunsupprimierten Erwachsenen

  • Dosierung: 500 mg dreimal täglich
  • Behandlungsdauer: 10 Tage

Erstmalig auftretender Herpes genitalis bei immunkompetenten Erwachsenen

  • Dosierung: 250 mg dreimal täglich
  • Behandlungsdauer: 5 Tage

Episodische Behandlung von rezidivierendem Herpes genitalis bei immunkompetenten Erwachsenen

  • Dosierung: 125 mg zweimal täglich
  • Behandlungsdauer: 5 Tage

Rezidivierender Herpes genitalis bei immunsupprimierten Erwachsenen

  • Episodische Behandlung: 500 mg zweimal täglich, 7 Tage
  • Suppression: 500 mg zweimal täglich

Suppression von rezidivierendem Herpes genitalis bei immunkompetenten Erwachsenen

  • Dosierung: 250 mg zweimal täglich
  • Maximaldauer der kontinuierlichen Therapie: 12 Monate

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

  • Anpassung der Dosierung basierend auf der Kreatinin-Clearance

Patienten unter Hämodialyse

  • Famciclovir sollte unmittelbar nach der Dialyse eingenommen werden.
  • Dosierungen gemäß spezieller Empfehlungen

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion

  • Keine Dosisanpassung bei leichter bis mittelschwerer Beeinträchtigung
  • Keine Daten für schwere Leberfunktionsstörungen

Ältere Patienten (≥ 65 Jahre)

  • Keine Dosisanpassung erforderlich, sofern keine Nierenfunktionsstörung vorliegt

Kinder und Jugendliche

  • Sicherheit und Wirksamkeit bei unter 18-Jährigen nicht nachgewiesen

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen von Famciclovir umfassen:

  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts: Übelkeit, Erbrechen, abdominale Schmerzen, Diarrhö
  • Leber- und Gallenerkrankungen: Anomale Leberfunktionswerte
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes: Ausschlag, Juckreiz

Wechselwirkungen

Die Wechselwirkungen von Famciclovir mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen umfassen:

  • Keine klinisch signifikanten Wechselwirkungen: Generell wurden keine klinisch signifikanten Wechselwirkungen von Famciclovir mit anderen Arzneimitteln festgestellt.
  • Wechselwirkung mit Probenecid: Die gleichzeitige Anwendung von Famciclovir und Probenecid kann zu erhöhten Plasmaspiegeln von Penciclovir führen. Dies geschieht durch eine kompetitive Hemmung der Elimination von Penciclovir. Bei Patienten, die 500 mg Famciclovir dreimal täglich zusammen mit Probenecid einnehmen, sollte auf Anzeichen von Toxizität geachtet werden. Bei Nebenwirkungen wie starkem Schwindel, Somnolenz, Verwirrtheit oder anderen zentralnervösen Störungen sollte eine Dosisreduktion von Famciclovir auf 250 mg dreimal täglich in Betracht gezogen werden.
  • Wechselwirkung mit Raloxifen: Raloxifen, ein Inhibitor der Aldehydoxidase, kann die Umwandlung von Famciclovir in den aktiven Metaboliten Penciclovir beeinträchtigen. Bei gleichzeitiger Anwendung von Raloxifen und Famciclovir sollte die klinische Wirksamkeit der antiviralen Therapie überwacht werden.

Alternativen

Für die Behandlung von Herpesvirus-Infektionen, insbesondere Herpes simplex (HSV) und Varizella-Zoster-Virus (VZV), die üblicherweise mit Famciclovir behandelt werden, sind folgende Alternativen möglich:

  • Aciclovir: Ein weit verbreitetes antivirales Medikament, das effektiv gegen HSV-1, HSV-2 und VZV wirkt. Es kann oral, topisch oder intravenös verabreicht werden und ist besonders nützlich für die Erstbehandlung und die Suppression von Herpesinfektionen.
  • Valaciclovir: Ein Prodrug von Aciclovir, das nach der Einnahme in Aciclovir umgewandelt wird. Es bietet den Vorteil einer besseren oralen Bioverfügbarkeit und wird für die Behandlung von Herpes genitalis, Herpes labialis und Gürtelrose verwendet.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
321.33 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 2.1 H
Q0-Wert:
0.28
Autor:
Stand:
29.11.2023
Quelle:

Fachinformation Famvir

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