Fibrinogen

Fibrinogen ist ein lösliches Plasmaprotein und ein wesentlicher Bestandteil des Blutgerinnungssystems, das als Vorläufer von Fibrin dient, dem Hauptprotein, das für die Bildung eines stabilen Blutgerinnsels verantwortlich ist. Unter dem Einfluss des Enzyms Thrombin wird Fibrinogen in Fibrin umgewandelt, das dann ein dreidimensionales Netzwerk bildet, welches die Grundlage des Gerinnsels darstellt und zur Wundheilung beiträgt.

Fibrinogen

Anwendung

Fibrinogen ist indiziert für die Behandlung und perioperative Prophylaxe von Blutungen bei Patienten mit kongenitaler Hypo- oder Afibrinogenämie mit Blutungsneigung.

In Deutschland ist Fibrinogen als Teil von Blutprodukten und spezifischen Fibrinogen-Konzentraten auf dem Markt verfügbar.

Wirkmechanismus

Fibrinogen, auch bekannt als Faktor I, ist ein glykosyliertes, lösliches Plasmaprotein, das eine zentrale Rolle im hämostatischen Prozess spielt. Unter normalen physiologischen Bedingungen wird Fibrinogen durch das Enzym Thrombin zu Fibrin umgewandelt. Diese Umwandlung erfolgt durch die Abspaltung von Fibrinopeptiden A und B von den α- und β-Ketten des Fibrinogenmoleküls, wodurch monomeres Fibrin entsteht.

Das freigesetzte Fibrin polymerisiert anschließend zu einem unlöslichen, stabilen Netzwerk, das als Grundgerüst für das Blutgerinnsel dient und die Wundheilung unterstützt, indem es eine physische Barriere bildet, die den Blutverlust stoppt.

Zusätzlich interagiert Fibrin mit verschiedenen Zellen des Immunsystems und fördert die Zelladhäsion sowie die Wundreparatur, was seine Rolle über die Blutgerinnung hinaus erweitert.

Pharmakokinetik

  • Fibrinogen hat im Blutplasma eine biologische Halbwertszeit von 3 bis 4 Tagen.
  • Nach intravenöser Verabreichung ist Fibrinogen sofort im Blutplasma verfügbar.

Nebenwirkungen

Unerwünschte Arzneimittelreaktionen von Fibrinogen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit kongenitalem Fibrinogenmangel umfassen:

  • Allergische/anaphylaktoide Reaktionen: Anaphylaktischer Schock, Blässe, Erbrechen, Husten, niedriger Blutdruck, Schüttelfrost, Urtikaria (Gelegentlich)
  • Nervensystem: Kopfschmerz (Häufig), Schwindelgefühl (Gelegentlich)
  • Ohr und Labyrinth: Tinnitus (Gelegentlich)
  • Gefäße: Thromboembolische Episoden, tiefe Beinvenenthrombose, oberflächliche Thrombophlebitis (Gelegentlich)
  • Atemwege, Brustraum und Mediastinum: Asthma (Gelegentlich)
  • Gastrointestinaltrakt: Erbrechen (Gelegentlich)
  • Haut und Unterhautzellgewebe: Erythematöser Hautausschlag, Erythem, Hautreizung, Nachtschweiß (Gelegentlich)
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort: Wärmegefühl (Gelegentlich)

Wechselwirkungen

Es sind keine Wechselwirkungen zwischen Produkten mit humanem Fibrinogen und anderen Arzneimitteln bekannt.

Kontraindikationen

Fibrinogen darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Fibrinogen zu beachten:

  • Thromboembolie: Es besteht ein erhöhtes Thromboserisiko bei hohen Dosen oder wiederholten Gaben von Fibrinogen. Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit Vorgeschichte von koronarer Herzerkrankung, Myokardinfarkt, Lebererkrankungen, operativen Eingriffen, Neugeborenen oder bei Risiko für thromboembolische Ereignisse oder disseminierte intravaskuläre Gerinnung geboten. Eine engmaschige Überwachung auf Thrombosezeichen ist erforderlich.
  • Allergische oder anaphylaktoide Reaktionen: Bei Auftreten solcher Reaktionen muss die Verabreichung sofort gestoppt werden. Im Falle eines anaphylaktischen Schocks ist eine standardmäßige medizinische Behandlung erforderlich.
  • Übertragbare Erreger: Trotz Maßnahmen zur Vorbeugung von Infektionen durch Blut oder Blutplasma hergestellte Produkte kann das Risiko der Übertragung von Krankheitserregern nicht vollständig ausgeschlossen werden. Besonders wirksam sind die Maßnahmen gegen behüllte Viren (HIV, HBV, HCV) und begrenzt gegen unbehüllte Viren wie Parvovirus B19.
  • Immunogenität: Obwohl Antikörperreaktionen bei anderen Gerinnungsfaktor-Therapien beobachtet wurden, liegen für Fibrinogen derzeit keine spezifischen Daten vor.
  • Dokumentation: Es wird empfohlen, bei jeder Verabreichung von Fibrinogen den Namen und die Chargennummer des Produkts zu dokumentieren, um eine Verbindung zwischen Patient und Produktcharge herzustellen.
  • Impfung: Für Patienten, die regelmäßig mit Fibrinogen behandelt werden, sollte eine Impfung gegen Hepatitis A und B in Betracht gezogen werden.

Alternativen

Alternativen zu Fibrinogen für die Behandlung von Blutgerinnungsstörungen oder zur Unterstützung der Hämostase umfassen:

  • Gerinnungsfaktor-Konzentrate: Spezifische Konzentrate anderer Gerinnungsfaktoren wie Faktor VIII, Faktor IX oder von-Willebrand-Faktor können bei bestimmten Blutungsstörungen eingesetzt werden, abhängig von der zugrunde liegenden Ursache der Gerinnungsstörung.
  • Frischplasma (Fresh Frozen Plasma, FFP): Enthält alle Gerinnungsfaktoren und wird zur Behandlung von Patienten mit einem Mangel an mehreren Gerinnungsfaktoren oder bei komplexen Gerinnungsstörungen eingesetzt.
  • Kryopräzipitat: Ein Blutprodukt, das reich an Fibrinogen, Faktor VIII, Faktor XIII, von-Willebrand-Faktor und Fibronectin ist. Es wird speziell bei Hypofibrinogenämie oder Dysfibrinogenämie verwendet.
  • Rekombinante Gerinnungsfaktoren: Für einige Gerinnungsstörungen stehen rekombinante Versionen von Gerinnungsfaktoren zur Verfügung, die das Risiko der Übertragung von Infektionen reduzieren.
  • Antifibrinolytika: Medikamente wie Tranexamsäure oder Aminocapronsäure, die den Abbau von Fibrin hemmen und bei Blutungsstörungen zur Reduzierung von Blutverlusten eingesetzt werden können.
  • Thrombozytenkonzentrate: Bei Blutungen aufgrund von Thrombozytenmangel oder -dysfunktion können Thrombozytenkonzentrate zur Verbesserung der Blutgerinnung verabreicht werden.
  • Desmopressin (DDAVP): Ein synthetisches Peptid, das die Freisetzung von von-Willebrand-Faktor und Faktor VIII aus den Endothelzellen stimuliert und bei leichten Formen der Hämophilie A oder von-Willebrand-Krankheit eingesetzt wird.
Autor:
Stand:
13.03.2024
Quelle:
  1. Fachinformation FibClot
  2. Geisslinger, Gerd, et al. "Mutschler Arzneimittelwirkungen." (2020).
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