Fluocinolon

Fluocinolon wird topisch zur Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen sowie trockener Gehörgangsekzeme bei Erwachsenen mit intaktem Trommelfell eingesetzt wird. Zudem ist es in intravitrealen Implantaten zur Behandlung des chronischen diabetischen Makulaödems indiziert.

Anwendung

Fluocinolon ist in Form von Cremes, Salben oder als Ohrentropfen verfügbar und indiziert für die Behandlung von:

  • entzündlichen Hautkrankheiten, bei denen stark wirksame, topisch anzuwendende Glucocorticoide angezeigt sind
  • trockenen Gehörgangsekzemen bei Erwachsenen mit unverletztem Trommelfell

Fluocinolon wird zudem in intravitrealen Implantaten angewandt:

  • Bei Sehstörungen in Verbindung mit chronischem diabetischem Makulaödem (DMÖ) indiziert, das auf verfügbare Therapien nur unzureichend anspricht
  • Fluocinolon ist zur Prävention eines Rückfalls bei rezidivierender, nicht infektiöser Uveitis, welche den hinteren Augenabschnitt betrifft, indiziert

Anwendungsart

Fluocinolon wird je nach Indikation in verschiedenen Darreichungsformen angewendet:

  • Topische Anwendung: Bei topischen Präparaten wie Cremes oder Salben sollte eine langfristige (länger als drei Wochen) oder großflächige Anwendung vermieden werden. Es kann eine Tandem-Therapie mit abwechselnder Anwendung eines wirkstofffreien Externums oder eine Intervalltherapie, bei der Fluocinolon und ein wirkstofffreies Präparat im wöchentlichen Wechsel angewendet werden, sinnvoll sein.
  • Ohrentropfen: Fluocinolon-haltige Ohrentropfen werden ins Ohr appliziert. Der Patient sollte mit dem betroffenen Ohr nach oben liegen. Nach der Apllikation der Tropfen wird der Tragus viermal sanft nach innen gedrückt, um das Eindringen des Medikaments in den Gehörgang zu fördern. Die Tropfen sollten vor Gebrauch in der Hand erwärmt werden, um Unannehmlichkeiten durch eine kalte Lösung zu vermeiden.
  • Intravitreal: Intravitreal anzuwendende Präparate werden von einem Facharzt unter sterilen Bedingungen ins Auge injiziert. Vor der Injektion sind eine Anästhesie und die Desinfektion mit einem Breitband-Mikrobizid erforderlich.

Wirkmechanismus

Corticosteroide, wie Fluocinolon, entfalten ihre Wirkung durch die Induktion von Proteinen, die als Lipocortine bekannt sind. Diese Proteine hemmen die Aktivität der Phospholipase A2, einem Enzym, das Arachidonsäure aus den Zellmembran-Phospholipiden freisetzt. Arachidonsäure ist die gemeinsame Vorstufe für die Biosynthese von entzündungsfördernden Mediatoren wie Prostaglandinen und Leukotrienen. Durch die Hemmung der Arachidonsäurefreisetzung wird die Produktion dieser Entzündungsmediatoren reduziert. Zudem senken Corticosteroide die Spiegel des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (VEGF), was eine verringerte vaskuläre Permeabilität zur Folge hat und somit die Bildung von Ödemen reduziert.

Pharmakokinetik

Dermale Anwendung

Resorption

  • Fluocinolon wird bei dermaler Anwendung resorbiert, abhängig von Hautzustand, Fläche, Dauer und Okklusion.
  • Ratten resorbieren 5 bis 9% der aufgetragenen Menge; unter Okklusion steigt dies um das 2,5-fache.
  • Beim Menschen ist die Resorption doppelt so hoch wie bei Betamethasonvalerat und dreimal höher als bei Difluocortolonvalerat.

Verteilung

  • Nach Resorption verhält sich Fluocinolon wie systemisch verabreichte Corticosteroide.
  • Fluocinolon wird in unterschiedlichem Maß an Plasmaproteine gebunden.

Metabolismus

  • Fluocinolon wird hauptsächlich in der Leber metabolisiert.

Elimination

  • Bei Ratten erfolgt die Ausscheidung überwiegend biliär (90%) und teilweise renal (10%), wahrscheinlich als Metaboliten und Konjugate.

Intravitreale Anwendung

Resorption

  • Im Plasma waren keine nachweisbaren Fluocinolon-Konzentrationen (unter 100 pg/ml) messbar.
  • Höchstwerte im Kammerwasser wurden am Tag sieben erreicht, dann folgte ein Abfall über drei bis sechs Monate.

Verteilung

  • Konzentrationen im Kammerwasser blieben nach drei bis sechs Monaten stabil.
  • Bei erneuter Behandlung gab es eine ähnliche Spitzenkonzentration wie nach der Erstbehandlung.

Dosierung

Dermale Anwendung

  • Dermale Arzneimittel enthalten 0,025% Fluocinolon.

Erwachsene:

  • Ein- bis zweimal täglich dünn auf die betroffenen Hautstellen auftragen.
  • Bei Besserung der Symptome genügt oft eine Anwendung pro Tag.

Kinder:

  • In der Regel reicht eine Anwendung pro Tag aus.

Anwendung als Ohrentropfen

  • Jedes Einzeldosisbehältnis mit 0,4 ml Lösung enthält 100 µg Fluocinolon.

Erwachsene:

  • Zweimal täglich den Inhalt eines Einzeldosisbehältnisses in das betroffene Ohr tropfen.
  • Behandlungsdauer: sieben Tage.

Kinder und Jugendliche:

  • Die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen wurde nicht untersucht und wird nicht empfohlen.

Intravitreale Anwendung

  • Jedes Implantat enthält 190 µg Fluocinolon.

Erwachsene:

  • Ein Implantat in das betroffene Auge.
  • Setzt für bis zu 36 Monate Fluocinolon frei.
  • Diabetisches Makulaödem: Nach zwölf Monaten kann ein weiteres Implantat erwogen werden, falls eine Sehverschlechterung oder eine Zunahme der Netzhautdicke auftritt.
  • Nicht-infektiöse Uveitis: Eine erneute Behandlung mit einem zusätzlichen Implantat wird nicht empfohlen.

Spezielle Populationen:

  • Bei älteren Patienten oder Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen ist keine Anpassung der Dosierung erforderlich.

Überdosierung

Bisher wurden keine Fälle von Überdosierungen mit Fluocinolon berichtet.

Nebenwirkungen

Zu den Nebenwirkungen, die während einer dermalen Therapie mit Fluocinolon auftreten können, zählen:

  • Überempfindlichkeitsreaktionen z. B. in Form von Brennen, Juckreiz, Reizung, allergischer Kontaktdermatitis.
  • Bei längerer oder großflächiger Anwendung: Veränderungen im behandelten Hautgebiet, wie irreversible Hautatrophie, Teleangiektasien, Striae, Steroidakne, rosaceaartige (periorale) Dermatitis, Änderungen der Hautpigmentierung, Hypertrichosis nicht auszuschließen
  • Eine systemische Resorption des Wirkstoffes und damit das Risiko systemischer Effekte
  • Verschwommenes Sehen

Zu den häufigen Nebenwirkungen, die während einer Anwendung am Ohr mit Fluocinolon auftreten können, zählen:

  • Brennen
  • Trockenheit an der Applikationsstelle
  • Pruritus an der Verabreichungsstelle
  • Hautreizung
  • Ohrenbeschwerden
  • Ohrenerkrankung

Zu den häufigen Nebenwirkungen, die während einer intravitrealen Anwendung mit Fluocinolon auftreten können, zählen:

  • Katarakt
  • erhöhter intraokulärer Druck
  • Glaukom
  • Netzhautablösung
  • Blutung der Papille
  • Glaskörperblutung
  • Verminderte Sehschärfe
  • Gesichtsfelddefekt
  • Makulafibrose
  • Bindehautblutung
  • Verschwommenes Sehen
  • Hypotonia bulbi
  • kleine Partikel oder Punkte beim Sehen (fliegende Mücken)
  • Zellen in der vorderen Augenkammer
  • Glaskörpertrübungen
  • Fremdkörpergefühl im Auge
  • trockenes Auge
  • Photopsie
  • Augenschmerzen
  • Chirurgische und medizinische Eingriffe: Trabekulektomie, 
    Glaukomoperation, Vitrektomie, Trabekuloplastik

Wechselwirkungen

Es sind keine Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bei der Anwendung mit Fluocinolon bekannt.

Kontraindikation

Die Anwendung von Fluocinolon ist generell kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff

Die dermale Anwendung von Fluocinolon ist kontraindiziert:

  • bei spezifischen Hautprozessen (z. B. Hauttuberkulose, Lues der Haut)
  • bei Virusinfektionen der Haut (z. B. Herpes simplex, Herpes zoster, Varizellen)
  • bei durch Bakterien oder Pilze verursachten Hautinfektionen
  • bei Vakzinationsreaktionen
  • bei Rosacea
  • bei rosaceaartiger (perioraler) Dermatitis
  • am Auge
  • unter Okklusivbedingungen (Pflaster etc.)
  • in der Schwangerschaft
  • bei Säuglingen und Kleinkindern
  • Die Anwendung am Augenlid ist generell zu vermeiden.

Die Anwendung von Fluocinolon im Ohr ist kontraindiziert bei:

  • Virusinfektionen des äußeren Gehörgangs, einschließlich Varizellen- und Herpes-simplex-Infektionen sowie Pilz-Infektionen am Ohr.

Die intravitreale Anwendung von Fluocinolon ist kontraindiziert bei:

  • infektiöser Uveitis
  • Bei vorbestehendem Glaukom oder bei aktiver oder vermuteter Infektion des Auges oder der Periokularregion, einschließlich der meisten Viruserkrankungen der Hornhaut oder Bindehaut, wie aktive epitheliale Herpes-simplex-Keratitis (dendritische Keratitis), Vaccinia, Varizellen, mykobakterieller Infektion und Pilzerkrankungen

Schwangerschaft/Stillzeit

Dermale Anwendung

Es gibt keine ausreichenden Daten zur Anwendung von Fluocinolon in der Cremeform während der Schwangerschaft. Tierversuche haben nach systemischer Gabe teratogene und embryotoxische Wirkungen gezeigt. Daher ist die Anwendung von Fluocinolon-Creme während der Schwangerschaft kontraindiziert. Wenn eine Glucocorticoid-Anwendung notwendig ist, sollten sicherere Alternativen wie Hydrocortison, Prednison oder Prednisolon verwendet werden.

Anwendung als Ohrentropfen

Es gibt nur begrenzte Daten zur Anwendung von Fluocinolon-Ohrentropfen bei Schwangeren. Demnach sollte die Anwendung in der Schwangerschaft vermieden werden, es sei denn, der klinische Zustand erfordert eine Behandlung. Bei Anwendung sollte eine ausgedehnte oder langfristige Behandlung vermieden werden.

Intravitreale Anwendung

Erfahrungen zur intravitrealen Anwendung von Fluocinolon bei Schwangeren sind begrenzt. Tierstudien liefern unzureichende Daten zur Reproduktionstoxizität. Obwohl Fluocinolon systemisch nicht nachweisbar ist, besteht dennoch ein potenzielles Risiko für den Fötus. Die Anwendung sollte während der Schwangerschaft vermieden werden.

Stillzeit

Es gibt keine spezifischen Daten darüber, ob Fluocinolon nach der Anwendung in die Muttermilch übergeht. Da andere Glucocorticoide in die Muttermilch übertreten können, sollte Fluocinolon nicht langfristig während der Stillzeit angewendet werden.

Verkehrstüchtigkeit

Fluocinolon selber hat einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit. Bei der intravitrealen Applikation kann es hingegen zu vorübergehenden Einschränkungen der Sehfähigkeit kommen, weshalb die Patienten kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen sollten, bis die Symptome zurückgegangen sind.

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Fluocinolon sind folgende Warnhinweise zu beachten:

Dermale Anwendung

  • Fluocinolon sollte im Gesicht nur mit besonderer Vorsicht aufgetragen werden, um Hautveränderungen zu vermeiden.
  • Bei Sehstörungen wie verschwommenem Sehen sollte ein Augenarzt konsultiert werden (mögliche Ursachen: Katarakt, Glaukom, zentrale seröse Chorioretinopathie).
  • Bei Kindern nur kurzzeitig und kleinflächig anwenden, da die Haut stärker absorbiert.

Als Ohrentropfen

  • Behandlung sofort absetzen bei Anzeichen von Hautausschlag oder Überempfindlichkeit.
  • Bei bestehender oder neu auftretender Ohrinfektion während der Anwendung ein antimykotisches oder antibakterielles Mittel einsetzen.
  • Bei bekannter oder vermuteter Trommelfellperforation Fluocinolon nur mit Vorsicht anwenden.
  • Bei der Anwendung sollte Kontakt mit der Bindehaut vermieden werden. Nur niedrigste wirksame Dosis für den kürzestmöglichen Zeitraum verwenden.
  • Fluocinolon nicht bei nässenden Gehörgangsekzemen anwenden.
  • Corticosteroide können Sehstörungen verursachen. Bei Symptomen wie verschwommenem Sehen, Augenarzt aufsuchen (mögliche Ursachen: Katarakt, Glaukom, Chorioretinopathie).

Intravitreale Anwendung

  • Intravitreale Injektionen können Endophthalmitis, erhöhten oder verminderten Augeninnendruck (IOD), Netzhautablösung und Glaskörperblutungen verursachen. Regelmäßige Überwachung wird empfohlen.
  • Corticosteroide können Katarakte, erhöhten IOD und Glaukom verursachen. Fluocinolon sollte nicht gleichzeitig an beiden Augen angewendet werden.
  • In Studien entwickelten 80% der Patienten Katarakte, und 38% benötigten IOD-senkende Maßnahmen. Patienten sollten engmaschig überwacht werden.
  • Nach einer Vitrektomie könnte die Wirkdauer des Implantats verkürzt sein.
  • Patienten, die mit Fluocinolon und Antikoagulanzien behandelt wurden, hatten ein leicht erhöhtes Risiko für Bindehauteinblutungen.
  • Katarakte und erhöhter IOD traten bei einigen Patienten auf. Hypotonie wurde nach der Behandlung beobachtet und verschwand meist innerhalb einer Woche.
  • Bei Sehstörungen nach der Behandlung kann das Implantat in die vordere Augenkammer gewandert sein.

Alternativen

Als Alternativen zu Fluocinolon bei dermaler Anwendung oder als Ohrentropfen kommen andere Glucocorticoide wie Hydrocortison, Betamethason oder Mometason in Betracht. Für Patienten, die keine Steroidtherapie vertragen, können auch nicht-steroidale Antientzündungscremes wie Calcineurininhibitoren (z. B. Tacrolimus) in Erwägung gezogen werden.
Zu den Alternativen von Fluocinolon bei intravitrealen Implantaten gehören Dexamethason und Triamcinolon, welches bei diabetischem Makulaödem und Uveitis verwendet wird. Nicht-steroidale Alternativen sind Anti-VEGF-Medikamente wie Ranibizumab und Aflibercept, die die Gefäßneubildung und Ödembildung hemmen. Die Wahl des Wirkstoffs hängt von der individuellen Krankheitsgeschichte und den Bedürfnissen des Patienten ab.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
412.42 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
24.10.2024
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
  2. Fachinformationen ausgewählter Fluocinolon-Hersteller (z. B. Flucinar® Creme 0,025 %, Abanta; OtoFlamm 250 Mikrogramm/ml Ohrentropfen, InfectoPharm, ILUVIEN 190 Mikrogramm intravitreales Implantat im Applikator, Alimera Sciences Europe Limited)
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden