Flupentixol
Flupentixol ist ein typisches Antipsychotikum, das antagonistisch an Dopaminrezeptoren wirkt und zur Behandlung von Schizophrenie und anderen psychotischen Störungen eingesetzt wird.
Flupentixol: Übersicht

Anwendung
Flupentixol wird zur Akut- und Langzeitbehandlung schizophrener Psychosen eingesetzt.
Anwendungsart
Flupentixol ist in Form einer Injektionslösung und als Filmtabletten auf dem deutschen Markt verfügbar.
Wirkmechanismus
Flupentixol ist ein Antipsychotikum aus der Thioxanthenreihe und wirkt hauptsächlich durch die Hemmung von Dopamin-Rezeptoren antipsychotisch, wobei auch eine Blockade von Serotonin-Rezeptoren (5-HT) eine Rolle spielen könnte. Flupentixol ist eine Mischung aus zwei Isomeren, wobei beide Formen eine starke Affinität zu Dopamin D1- und D2-Rezeptoren zeigen, ähnlich dem atypischen Antipsychotikum Clozapin, das ebenfalls beide Rezeptortypen beeinflusst.
Neben seiner Wirkung auf Dopamin- und Serotoninrezeptoren bindet Flupentixol auch an α1-Adrenorezeptoren und 5-HT2-Rezeptoren, allerdings mit geringerer Affinität im Vergleich zu einigen anderen Antipsychotika und zeigt nur eine schwache antihistaminische Aktivität ohne wesentliche Effekte auf muskarinische Acetylcholinrezeptoren.
Es ist erwiesen, dass Flupentixol die durch Dopamin-Rezeptoren vermittelten Verhaltensweisen effektiv hemmt, was seine starke neuroleptische Wirksamkeit bestätigt. Es besitzt nur eine geringe sedierende Wirkung, erhöht jedoch die Plasmakonzentration von Prolaktin, was typisch für viele Antipsychotika ist.
Klinisch zeichnet sich Flupentixol durch einen schnellen Rückgang psychotischer Symptome aus, mit besonderen Vorteilen bei Patienten, die unter Apathie und Antriebslosigkeit leiden, und weist zusätzlich stimmungsstabilisierende und antidepressive Eigenschaften auf.
Dosierung
Filmtabletten
Erwachsene:
- Start: 3–15 mg/Tag, in 2-3 Dosen.
- Maximal: Bis zu 40 mg/Tag.
- Erhaltung: 5–20 mg/Tag, als Einzeldosis am Morgen.
Ältere (>65 Jahre): Halbe Dosis.
Eingeschränkte Nieren-/Leberfunktion: Vorsichtig dosieren.
Kinder/Jugendliche: Nicht empfohlen (<18 Jahre).
Depot-Injektion
- Standarddosierung: 20–100 mg Flupentixoldecanoat alle 2-4 Wochen.
- Anwendung: Tief intramuskulär, nicht i.v.
- Ältere Patienten: Niedrigere Dosis.
- Nieren-/Leberfunktion: Keine Anpassung / Vorsicht geboten.
- Kinder/Jugendliche: Nicht anwenden (<18 Jahre).
Nebenwirkungen
Typische Nebenwirkungen von Flupentixol umfassen ein breites Spektrum, das von neurologischen Symptomen bis hin zu allgemeinen körperlichen Beschwerden reicht:
- Zu den neurologischen Nebenwirkungen gehören extrapyramidale Symptome wie Dystonien, Parkinsonismus, Akathisie und tardive Dyskinesien, die aus der dopaminergen Blockade resultieren.
- Psychische Nebenwirkungen können Veränderungen der Stimmung und des Verhaltens, wie Depression oder Apathie, einschließen.
- Auf körperlicher Ebene sind Gewichtszunahme, sexuelle Dysfunktionen, Mundtrockenheit, Sehstörungen und Obstipation häufig berichtet worden.
- Des Weiteren kann es zu kardiovaskulären Effekten wie Orthostase oder Tachykardie kommen.
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Flupentixol zu beachten:
- Zentraldämpfende Arzneimittel: Gleichzeitige Einnahme mit anderen Neuroleptika, Sedativa, Antidepressiva und ähnlichen Medikamenten kann die Wirkung verstärken und zu einer Depression von kardiovaskulären und respiratorischen Funktionen führen. Auch Alkohol kann die Wirkung verstärken.
- Antihypertensiva: Neuroleptika können deren blutdrucksenkende Wirkung verstärken, während der Effekt von Guanethidin und ähnlichen Substanzen verringert werden kann.
- Lithium: Die gleichzeitige Anwendung kann das Risiko einer Neurotoxizität und extrapyramidaler Nebenwirkungen erhöhen.
- Trizyklische Antidepressiva und MAO-Hemmer: Der gegenseitig gehemmte Metabolismus kann unvorhersehbare klinische Wirkungen haben. Vorsicht ist geboten.
- Dopamin-Agonisten und -Antagonisten: Flupentixol kann die Wirkung von Dopamin-Agonisten abschwächen und die von Dopaminantagonisten verstärken, wodurch das Risiko extrapyramidaler Symptome erhöht wird.
- Anticholinergika: Die Wirkung kann durch Flupentixol verstärkt werden, während anticholinerge Antiparkinsonmittel die Wirkung von Flupentixol abschwächen können.
- Adrenalin: Sollte nicht zusammen mit Flupentixol angewendet werden, da es zu einem weiteren Blutdruckabfall führen kann. Noradrenalin kann in schweren Fällen verwendet werden.
- Phenytoin: Eine Veränderung des Phenytoin-Metabolismus kann nicht ausgeschlossen werden, was möglicherweise zu toxischen Plasmaspiegeln führt.
- QT-Intervall verlängernde Arzneimittel: Die gleichzeitige Anwendung sollte vermieden werden, um das Risiko für maligne Arrhythmien nicht zu erhöhen. Dazu zählen bestimmte Antiarrhythmika, Makrolide, Antipsychotika, Antihistaminika und Chinolonantibiotika.
- Elektrolytverändernde Medikamente: Arzneimittel, die Elektrolytveränderungen verursachen können (z.B. Thiazid-Diuretika), sollten mit Vorsicht angewendet werden.
- Weitere spezifische Wechselwirkungen: Mit Medikamenten wie Tramadol, Bupropion, Zotepin (Absenkung der Krampfschwelle), Paroxetin, Fluoxetin (Erhöhung des Flupentixol-Spiegels), Carbamazepin, Valproat, Propanolol, und bestimmten Betablockern wurden spezifische Wechselwirkungen beobachtet, die von Spiegelerhöhungen bis hin zu verminderter Wirksamkeit reichen.
Kontraindikationen
Flupentixol darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Kreislaufschock und komatösen Zuständen
- ZNS-Dämpfung aus unterschiedlichen Gründen (z. B. Alkohol-, Barbiturat-, Analgetika- oder Opiatvergiftung)
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Flupentixol zu beachten:
- Suizidrisiko: Depression erhöht das Risiko für Suizidgedanken und -handlungen. Dieses Risiko bleibt bis zur signifikanten Verbesserung der Symptome bestehen. Patienten sollten besonders in den ersten Wochen der Behandlung und bei klinischer Besserung engmaschig überwacht werden.
- Überwachung: Patienten mit früheren suizidalen Ereignissen oder erhöhtem Suizidrisiko bedürfen einer sorgfältigen Überwachung, insbesondere zu Beginn der Therapie und bei Dosisänderungen.
- Blutbildkontrolle: Vor der Behandlung ist eine Überprüfung des Blutbildes erforderlich. Bei pathologischen Blutwerten darf keine Behandlung erfolgen.
- Malignes neuroleptisches Syndrom (MNS): Das Risiko für MNS, eine potenziell lebensbedrohliche Zustand, ist vorhanden. Im Falle eines MNS ist das Absetzen von Flupentixol und die Einleitung symptomatischer Behandlungen notwendig.
- Vorsicht bei bestimmten Erkrankungen: Personen mit Hirnschäden, Krampfanfällen, Parkinson-Syndrom, Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, Herzproblemen, und anderen spezifischen Gesundheitszuständen sollten Flupentixol mit besonderer Vorsicht verwenden.
- Orthostatische Hypotonie: Ältere Patienten sind besonders anfällig für orthostatische Hypotonie und sollten sorgfältig überwacht werden.
- QT-Verlängerung: Flupentixol kann eine QT-Verlängerung verursachen und sollte bei Patienten mit Risikofaktoren für Herzrhythmusstörungen mit Vorsicht angewendet werden.
- Venöse Thromboembolien (VTE): Bei der Anwendung von Antipsychotika wurde von Fällen von VTE berichtet. Risikofaktoren für VTE sollten vor und während der Behandlung berücksichtigt und präventive Maßnahmen ergriffen werden.
- Erhöhte Mortalität bei älteren Menschen mit Demenz: Studien zeigen ein leicht erhöhtes Sterberisiko bei älteren Menschen mit Demenz, die Antipsychotika verwenden. Flupentixol ist nicht für die Behandlung von Verhaltensstörungen bei Demenz zugelassen.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Fluanxol
- Steinhilber, Dieter, Manfred Schubert-Zsilavecz, and Hermann Roth. "Medizinische Chemie." (2017).
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