Flurazepam
Flurazepam ist ein Benzodiazepin mit anxiolytischen, antikonvulsiven, sedativ-hypnotischen und muskelrelaxierenden Eigenschaften, das hauptsächlich zur kurzfristigen Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt wird. Es wirkt durch Verstärkung der GABAergen Hemmung im Zentralnervensystem, was zu einer Reduktion neuronaler Erregbarkeit führt.
Flurazepam: Übersicht

Wirkmechanismus
Flurazepam bindet spezifisch an die Benzodiazepin-Bindungsstelle am GABAA-Rezeptorkomplex, der aus fünf Untereinheiten besteht und einen integralen Chloridkanal beinhaltet. Die Bindung führt zu einer allosterischen Modifikation des Rezeptors, welche die Affinität von GABA zu dessen eigener Bindungsstelle am Rezeptorkomplex erhöht.
Durch die verstärkte GABAerge Aktivität wird die Öffnungsfrequenz des Chloridkanals innerhalb des GABAA-Rezeptorkomplexes erhöht, was zu einem verstärkten Chloridionen-Einstrom in die Neuronen führt. Die resultierende Hyperpolarisation der neuronalen Membran senkt die Wahrscheinlichkeit einer neuronalen Depolarisation und damit die neuronale Erregbarkeit.

Dosierung
Die Dosierung von Flurazepam beginnt üblicherweise mit 15 mg für Erwachsene, wobei die maximale Dosis 30 mg nicht überschreiten sollte. Ältere Patienten, sowie Personen mit organischen Hirnveränderungen, geschwächtem Gesundheitszustand oder beeinträchtigter Leber- oder Nierenfunktion sollten eine angepasste, niedrigere Dosis erhalten.
Wechselwirkungen
Flurazepam kann bei gleichzeitiger Einnahme mit bestimmten Medikamenten und Substanzen zu verstärkten zentralnervösen Dämpfungseffekten führen:
- Verstärkte zentraldämpfende Wirkung mit: Sedativa, Hypnotika, Narkotika, Analgetika, Neuroleptika, Antiepileptika, Anxiolytika, Antihistaminika, Antidepressiva, Lithium, Antihypertensiva und Betablocker
- Opioide: Besondere Vorsicht ist bei der Kombination mit Opioiden geboten, da das Risiko für Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod durch additive ZNS-Dämpfung steigt. Die Dosierung und Anwendungsdauer sollten minimiert werden.
- Narkoanalgetika: Eine Kombination kann die euphorisierende Wirkung verstärken und das Risiko einer schnellen Abhängigkeitsentwicklung erhöhen.
- 4-Hydroxybutansäure (Natriumoxybat): Kann zu verstärkter Atemdepression führen.
- Bestimmte antiretrovirale Therapien (z.B. HIV-Protease-Inhibitoren wie Ritonavir oder Saquinavir) können die Plasmakonzentrationen von Flurazepam erhöhen.
- Muskelrelaxanzien: Die muskelrelaxierende Wirkung kann verstärkt werden, was insbesondere bei älteren Patienten und höheren Dosierungen zu Sturzgefahr führt.
- Leberenzym beeinflussende Substanzen: Hemmer bestimmter Leberenzyme (z.B. H2-Blocker wie Cimetidin, Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol) können die Wirkung von Flurazepam verstärken, während Enzyminduktoren (z.B. Rifampicin) sie abschwächen können.
Kontraindikationen
Flurazepam darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Flurazepam
- Überempfindlichkeit gegen andere Benzodiazepine
- Myasthenia gravis
- Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholabhängigkeit
- schwerer Ateminsuffizienz
- Atemdepression
- Schlafapnoe-Syndrom
- schwerer Leberinsuffizienz
- spinalen und zerebellaren Ataxien
- akuter Vergiftung mit Alkohol, Sedativa, Hypnotika, Analgetika oder Psychopharmaka (Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium)
- Antiretroviralen Therapien (z. B. HIV-Protease-Inhibitoren wie Ritonavir oder Saquinavir)
Schwangerschaft
Die Anwendung von Benzodiazepinen im ersten Schwangerschaftsdrittel scheint mit einem erhöhten Risiko von Missbildungen assoziiert zu sein. Fallberichte über Fehlbildungen und geistige Retardierung der pränatal exponierten Kinder nach Überdosierungen und Vergiftungen liegen vor.
Flurazepam sollte daher während der gesamten Schwangerschaft nur in Ausnahmefällen bei zwingender Indikation angewendet werden.
Stillzeit
Flurazepam geht in die Muttermilch über. Deshalb sollte es während der Stillzeit nicht eingenommen werden. Bei zwingender Indikation sollte abgestillt werden.
Verkehrstüchtigkeit
Die Fähigkeit zum Führen eines Fahrzeugs oder zum Bedienen von Maschinen kann durch Sedierung, Gedächtnislücken, eine reduzierte Konzentrationsfähigkeit und eine beeinträchtigte Muskelfunktion negativ beeinflusst werden .Dies trifft besonders zu, wenn die Schlafdauer nicht ausreichend war oder Alkohol konsumiert wurde.
Anwendungshinweise
Bei der Anwendung von Flurazepam sind folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:
- Toleranzentwicklung: Eine fortgesetzte Einnahme kann zur Toleranz führen, wodurch die Wirksamkeit des Medikaments abnimmt.
- Risiken bei gleichzeitiger Anwendung mit Opioiden: Die Kombination mit Opioiden kann schwerwiegende Nebenwirkungen wie Sedierung, Atemdepression bis hin zu Koma und Tod verursachen. Eine solche Kombination sollte nur erwogen werden, wenn keine Alternativen verfügbar sind, und nur in der niedrigsten wirksamen Dosis für eine möglichst kurze Dauer.
- Abhängigkeit: Sowohl psychische als auch physische Abhängigkeit können entstehen, selbst bei therapeutischen Dosen und kurzfristiger Anwendung. Das Risiko steigt mit der Dosis und Behandlungsdauer.
- Absetzerscheinungen: Ein plötzliches Beenden der Medikation kann zu Entzugssymptomen führen. Um dies zu vermeiden, sollte die Dosis schrittweise reduziert werden.
- Behandlungsdauer: Die Behandlungsdauer sollte inklusive der Absetzphase vier Wochen nicht überschreiten, ohne eine erneute Bewertung des Zustands.
- Amnesie: Benzodiazepine können anterograde Amnesie verursachen, besonders bei höheren Dosen.
- Psychiatrische und „paradoxe“ Reaktionen: Insbesondere bei älteren Patienten oder Kindern können unerwünschte psychiatrische Reaktionen auftreten, was ein sofortiges Beenden der Behandlung erfordert.
- Sturzgefahr: Aufgrund der muskelrelaxierenden Wirkung besteht insbesondere bei älteren Patienten eine erhöhte Sturzgefahr.
- Anwendung bei speziellen Patientengruppen: Bei Patienten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion, schweren Leberfunktionsstörungen, chronischer Ateminsuffizienz, sowie bei Kindern, Jugendlichen und älteren Patienten ist besondere Vorsicht geboten bzw. eine Dosisanpassung erforderlich.
Wirkstoff-Informationen
- Esteve: Fachinformation Flurazepam real
- Abbildung Adapted from „GABA Synthesis and Uptake”, by Biorender.com










