Futibatinib

Futibatinib ist ein irreversibler Tyrosinkinase-Inhibitor. Es wird als Monotherapie zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Cholangiokarzinoms mit FGFR2-Fusionen oder -Rearrangements nach Versagen einer systemischen Therapie eingesetzt.

Anwendung

Futibatinib wird als Monotherapie zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Cholangiokarzinoms mit nachgewiesener FGFR2-Fusion oder -Rearrangement eingesetzt.

Die Anwendung erfolgt bei erwachsenen Patienten, deren Erkrankung nach mindestens einer vorherigen systemischen Therapie fortgeschritten ist. Vor Beginn der Behandlung ist ein molekulargenetischer Nachweis der FGFR2-Alteration erforderlich.

Anwendungsart

Futibatinib wird als Tablette täglich zur gleichen Zeit, mit oder ohne Nahrung, im Ganzen eingenommen. Falls eine Dosis vergessen oder Erbrechen nach der Einnahme auftritt, sollte die nächste reguläre Dosis eingenommen werden, ohne die versäumte nachzuholen.

Wirkmechanismus

Futibatinib ist ein irreversibler Tyrosinkinase-Inhibitor, der selektiv die Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptoren (FGFR) 1-4 hemmt. FGFRs sind transmembrane Rezeptor-Tyrosinkinasen, die nach Bindung ihrer Liganden eine Autophosphorylierung der intrazellulären Kinasedomäne auslösen und die MAPK-, PI3K/AKT- und JAK/STAT-Signalwege aktivieren.

Diese Kaskaden regulieren Zellproliferation, Überleben, Migration und Angiogenese, wodurch FGFR2-Fusionen in Tumorzellen eine unkontrollierte Zellteilung und Resistenzmechanismen fördern. Futibatinib bindet kovalent an das ATP-Bindungszentrum der FGFR-Kinasedomäne und blockiert dadurch die Signaltransduktion. Dies führt zu einer Inhibition des Zellwachstums und einer Induktion der Apoptose in FGFR2-alterierten Tumorzellen.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Schnelle Aufnahme nach oraler Gabe
  • Tmax (Zeit bis zur maximalen Plasmakonzentration): 2 Stunden (Bereich: 1,2–22,8 Stunden)
  • Steady-State-Konzentration: erreicht nach der ersten Dosis (Kumulationsquotient: 1,03)
  • Bioverfügbarkeit: nicht signifikant durch Nahrungsaufnahme beeinflusst
  • Cmax (maximale Plasmakonzentration): 144 ng/ml (50,3% gCV)
  • AUC: 790 ng·h/ml (44,7% gCV)

Verteilung

  • Plasmaproteinbindung: circa 95% (vor allem Albumin und saures α1-Glykoprotein)
  • Verteilungsvolumen (Vd/F): 66,1 l

Elimination

  • Terminale Halbwertszeit (t½): 2,94 Stunden
  • Scheinbare Clearance (CL/F): 19,8 l/h
  • Ausscheidung: 64% über Stuhl, 6% über Urin

Dosierung

Standarddosierung für Futibatinib

  • Empfohlene Dosis: 20 mg einmal täglich
  • Vergessene Dosis: Wenn >12 Stunden vergangen sind, keine zusätzliche Einnahme – nächste geplante Dosis fortsetzen
  • Erbrechen nach Einnahme: Keine erneute Einnahme, nächste reguläre Dosis einnehmen

Dosisanpassung bei Nebenwirkungen

  • 1. Reduktion: 16 mg/Tag
  • 2. Reduktion: 12 mg/Tag
  • Behandlung beenden, falls 12 mg/Tag nicht toleriert werden

Dosisanpassung bei Hyperphosphatämie (Serumphosphat-Wert)

  • 5-5-7 mg/dl: Phosphatsenkende Therapie bei gleichbleibender Standarddosis fortfahren, wöchentliche Kontrollen
  • >7-10 mg/dl: Dosis um eine Stufe reduzieren, phosphatsenkende Therapie intensivieren
  • >10 mg/dl: Therapie pausieren, bis Phosphat ≤7 mg/dl, dann eine Stufe niedriger wieder aufnehmen
  • Wenn keine Normalisierung nach zwei Reduktionen eintritt, sollte dauerhaftes Absetzen erwägt werden

Dosisanpassung bei seröser Netzhautablösung

  • Asymptomatisch: Dosis beibehalten, regelmäßige Kontrollen
  • Mäßige Sehverschlechterung (≤ 3 Linien Verlust, 20/40 oder besser): Therapie pausieren, nach Besserung eine Stufe niedriger wieder aufnehmen
  • Deutliche Sehverschlechterung (> 3 Linie Verlust, 20/200 oder schlechter): Therapie pausieren, nach Besserung zwei Stufen niedriger wieder aufnehmen
  • Sehschärfe dauerhaft <20/200: Dauerhaftes Absetzen erwägen

Bei schweren Nebenwirkungen oder Arznei-Mittel-Wechselwirkungen sollte eine Therapiepause oder Dosisreduktion erwogen werden. Lebensbedrohliche Nebenwirkungen stellen eine Kontraindikation dar.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen von Futibatinib (≥10%) sind:

  • Hyperphosphatämie (89,7%)
  • Verminderter Appetit
  • Hyponatriämie und Hypophosphatämie
  • Dysgeusie
  • Migräne
  • Trockenes Auge
  • Seröse Netzhautablösung
  • Stomatitis und Mundtrockenheit
  • Diarrhö, Übelkeit, Obstipation
  • Erbrechen
  • Palmar-plantares Erythrodysästhesie-Syndrom (Hand-Fuß-Syndrom)
  • Nagelveränderungen (z. B. Nagelverfärbung, Onycholyse)
  • Trockene Haut
  • Alopezie
  • Myalgie, Arthralgie 
  • Fatigue
  • Erhöhte Lebertransaminasen (AST, ALT)

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Futibatinib zu beachten:

  • Starke CYP3A4/P-gp-Hemmer (z. B. Itraconazol, Clarithromycin): Erhöhen die Futibatinib-Plasmakonzentration, daher verstärkte Nebenwirkungen möglich
  • Starke/mittelstarke CYP3A4/P-gp-Induktoren (z. B. Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Efavirenz): Senken die Futibatinib-Plasmakonzentration, senkt die Wirksamkeit 
  • P-gp-Substrate (z. B. Digoxin, Dabigatran, Colchicin): Erhöhte Konzentration dieser Medikamente durch Futibatinib, daher verstärkte Nebenwirkungen 
  • BCRP-Substrate (z. B. Rosuvastatin): Erhöhte Exposition möglich, höheres Nebenwirkungsrisiko, auch hier Dosisanpassung erwägen
  • CYP1A2-Substrate (z. B. Olanzapin, Theophyllin): Beschleunigter Abbau möglich, dadurch verminderte Wirksamkeit 
  • Hormonelle Kontrazeptiva: Wechselwirkung nicht eindeutig, möglicher Wirksamkeitsverlust - zusätzliche Verhütungsmethode während der Therapie und eine Woche danach erforderlich.

Kontraindikationen

Futibatinib darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.
  • Schwerer Niereninsuffizienz (ClKr <30 ml/min) oder terminaler Nierenerkrankung mit Hämodialyse
  • Schwerer Leberinsuffizienz (Child-Pugh C)
  • Schwangerschaft, Stillzeit
  • Patienten mit seltener hereditärer Galactose-Intoleranz, Laktasemangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption

Schwangerschaft

Futibatinib kann aufgrund seines Wirkmechanismus embryofetale Schäden verursachen und darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und mindestens eine Woche nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode nutzen.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Futibatinib in die Muttermilch übergeht, daher kann ein Risiko für den Säugling nicht ausgeschlossen werden. Stillende Frauen müssen das Stillen während der Behandlung und für eine Woche nach der letzten Dosis unterbrechen.

Verkehrstüchtigkeit

Futibatinib kann mäßigen Einfluss, durch auftretende Müdigkeit, Sehbeeinträchtigung oder anderen zentralnervösen Nebenwirkungen, auf die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr und das Bedienen von Maschinen haben. 

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Futibatinib zu beachten:

  • Hyperphosphatämie: Erhöhte Phosphatwerte im Serum sind eine häufige Nebenwirkung und können zu Weichgewebsverkalkungen, Herz-Kreislauf-Komplikationen und Muskelkrämpfen führen.
  • Seröse Netzhautablösung: Kann zu verschwommenem Sehen, Glaskörpertrübungen oder Lichtblitzen führen.
  • Trockenes Auge: Häufige Nebenwirkung, kann durch künstliche Tränen oder Augensalben gelindert werden.
  • Embryofetale Toxizität: Kann beim ungeborenen Kind zu schweren Fehlbildungen oder Entwicklungsstörungen führen.
  • Leber- und Nierenfunktion: Keine ausreichenden Daten zur Anwendung bei schwerer Leber- oder Niereninsuffizienz.
  • Wechselwirkungen mit CYP3A4/P-gp-Inhibitoren oder -Induktoren: Können die Futibatinib-Konzentration im Blut erhöhen oder senken.
  • Laktoseintoleranz: Enthält Laktose, daher nicht geeignet für Patienten mit hereditärer Galactose-Intoleranz, schwerem Laktasemangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption.
  • Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit: Kann durch Müdigkeit oder Sehprobleme die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinflussen.

Alternativen

Andere pharmakologische Optionen anstelle von Futibatinib sind:

Diese Medikamente sind ebenfalls FGFR-Inhibitoren und werden zur gezielten Therapie bei Tumoren mit FGFR2- oder anderen FGFR-Genalterationen eingesetzt. Sie haben ähnliche Wirkmechanismen, unterscheiden sich jedoch in ihrer Spezifität für FGFR-Subtypen, Dosierung und zugelassene Indikationen.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
418.45 g·mol-1
Autor:
Stand:
25.04.2025
Quelle:

Fachinformation Lytgobi 4 mg Filmtablette (2023). Taiho Pharma Netherlands B.V.. Amsterdam (Aufgerufen am: 17.03.2025)

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1 Präparate mit Futibatinib