Gozetotid

Gozetotid ist ein radiopharmazeutischer PSMA-Ligand, der nach Radiomarkierung mit Gallium-68 zur Positronen¬emissions¬tomographie (PET) als Diagnostikum eingesetzt wird. Er ermöglicht die Detektion PSMA-positiver Läsionen bei Patienten mit Prostatakarzinom in definierten klinischen Situationen.

Anwendung

Gozetotid ist ein Diagnostikum, das nach Radiomarkierung mit Gallium-68 angewendet wird für die Detektion von Prostata-spezifischem-Membranantigen-(PSMA-)positiven Läsionen durch Positronenemissionstomographie (PET) bei Prostatakrebs in den folgenden klinischen Situationen:

  • Primäres Staging von Patienten mit Hochrisiko-Prostatakrebs vor der initialen kurativen Therapie
  • Verdacht auf ein Prostatakrebs-Rezidiv bei Patienten mit steigendem Spiegel des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Serum nach einer initialen kurativen Therapie
  • Identifizierung von Patienten mit einem PSMA-positiven, progredienten, metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC), bei denen eine auf PSMA abzielende Therapie angezeigt ist

 

Anwendungsart

Gozetotid wird intravenös als langsam applizierte Injektion einer nach Rekonstitution und Radiomarkierung hergestellten Gallium-68-Gozetotid-Lösung angewendet.

Wirkmechanismus

Gallium-68-Gozetotid bindet hochaffin an Zellen mit Expression des Prostata-spezifischen Membranantigens (PSMA), das auf Prostatakarzinomzellen überexprimiert ist. Das β+-emittierende Radionuklid Gallium-68 ermöglicht die PET-Detektion PSMA-positiver Läsionen durch Visualisierung der Ligandenaufnahme gegenüber dem Hintergrundgewebe.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Intravenöse Gabe
  • Keine enterale Resorption

Verteilung

  • Biexponentieller Blutabfall (t½ schnell 6,5 min; terminal 4,4 h)
  • Überwiegende Plasmaverteilung; 33 % Plasmaproteinbindung; Blut/Plasma-Quotient 0,71
  • Höchste physiologische Aufnahme/Dosis in Nieren, Tränen- und Speicheldrüsen, Harnblasenwand, Leber

Metabolisierung

  • Geringfügiger hepatischer und renaler Metabolismus in vitro

Elimination

  • Überwiegend renal; ca. 14 % der Dosis innerhalb von 2 h im Urin
  • Effektive Halbwertszeit (biologisch/physikalisch kombiniert) ~54 min

 

Dosierung

Die Dosierung von Gozetotid richtet sich nach Art der Untersuchung, dem klinischen Zustand und patientenspezifischen Faktoren:

  • 1,8–2,2 MBq/kg KG (mindestens 111 MBq, höchstens 259 MBq).
  • Ältere: keine Anpassung erforderlich.
  • Nieren-/Leberfunktionsstörung: keine Dosisanpassung erwartet.
  • Nach Injektion Spülung mit 0,9 % NaCl; Vermeidung von Paravasation.
  • Bildstart 50–100 min post injectionem; Protokoll an Gerät/Patient/Tumorbiologie anpassen.

Nebenwirkungen

Die Strahlenexposition ist gering; die häufigsten Nebenwirkungen sind mild bis moderat. Häufig tritt Fatigue auf. Gelegentlich wurden Übelkeit, Obstipation, Erbrechen, Diarrhö, Mundtrockenheit, Reaktionen an der Injektionsstelle (z. B. Hämatom, Wärme, Juckreiz) sowie Schüttelfrost beobachtet.

Ein Grad-3-Ereignis (Fatigue) trat sehr selten auf. Die effektive Dosis bei Maximalaktivität wird auf etwa 5,7 mSv geschätzt, womit das Risiko strahlenbedingter Spätschäden als gering gilt.

 

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Gozetotid zu beachten:

  • In-vitro-Daten sprechen gegen klinisch relevante Arzneimittelinteraktionen.
  • Kein Substrat, Inhibitor oder Induktor von CYP450-Enzymen.
  • Kein relevantes Substrat/Inhibitor häufiger Arzneistofftransporter (z. B. P-gp, BCRP, OAT1/3, OCT1/2, OATP1B1/1B3, MATE1/2-K).
  • Klinische Interaktionsstudien wurden nicht durchgeführt.

Kontraindikationen

Gozetotid darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil der Zubereitung bzw. des markierten radioaktiven Arzneimittels.

Schwangerschaft

Das Präparat ist nicht für die Anwendung bei Frauen bestimmt. Es liegen keine Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft vor; wie bei allen radioaktiven Arzneimitteln ist eine fetale Schädigung möglich.

Stillzeit

Das Präparat ist nicht für die Anwendung bei Frauen bestimmt. Es liegen keine Daten zu Auswirkungen auf den gestillten Säugling oder die Milchbildung vor. Tierexperimentelle Laktationsstudien wurden nicht durchgeführt.

Verkehrstüchtigkeit

Gozetotid hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Gozetotid zu beachten:

  • Strahlenexposition: Anwendung der niedrigsten Aktivität, die zur Beantwortung der Fragestellung erforderlich ist; individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.
  • Eingeschränkte Evidenz: Für primäres Staging bei Hochrisiko-PCa fehlen Outcome-Daten; Erfahrung zur Therapieselektion primär bei progredientem PSMA-positivem mCRPC nach AR-Signalweg-Inhibition und Taxanen (VISION-Kohorte).
  • Interpretation: Aufnahme ist nicht tumorspezifisch; physiologische Aufnahme u. a. in Nieren, Tränen-/Speicheldrüsen, Leber, Harnblasenwand; mögliche falsch positive Befunde (z. B. RCC, HCC, Brust- und Lungenkrebs, granulomatöse Erkrankungen, gutartige Knochenerkrankungen; Ganglien können Lymphknoten vortäuschen). Befunde stets im Kontext anderer Verfahren/Histo interpretieren.
  • Patientenvorbereitung: Gute Hydratation; häufiges Entleeren der Blase vor und in den ersten Stunden nach Bildgebung zur Dosisreduktion.
  • Natriumlast: Enthält 28,97 mg Natrium pro Injektion (~1,5 % der WHO-Tageshöchstmenge).
  • Saurer pH/Paravasation: Niedriger pH kann lokale Reaktionen an der Injektionsstelle verursachen; Paravasat vermeiden und gemäss lokalen Standards behandeln.
  • Fachgerechte Handhabung: Zubereitung/Anwendung ausschließlich durch geschultes Personal in nuklearmedizinischen Einrichtungen mit angemessenem Strahlenschutz.

Alternativen

Als mögliche Alternativen zu Gozetotid kommen folgende Wirkstoffe infrage:

  • Piflufolastat-F-18 (DCFPyL): Fluor-18-markierter PSMA-Ligand mit hoher Bildauflösung und längerer Halbwertszeit (18F) für zentralisierte Produktion.
  • Fluor-18-PSMA-1007: 18F-markierter PSMA-Ligand mit geringer renaler Ausscheidung, potenziell vorteilhaft bei Beurteilung des Beckens.
  • Flotufolastat-F-18 (rhPSMA-7.3): 18F-markierter PSMA-Ligand für Staging/Rezidivsuche.
  • Fluciclovin-F-18: Aminosäure-Tracer (nicht PSMA-gerichtet) als Option bei biochemischem Rezidiv.
  • Cholin-PET (11C- oder 18F-Cholin): Alternative bei Rezidivdiagnostik, insbesondere wenn PSMA-Bildgebung nicht verfügbar ist.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
946.99 g·mol-1
Autor:
Stand:
15.12.2025
Quelle:

Fachinformation Locametz

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