Histamin dihydrochlorid
Histamindihydrochlorid wird für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) in erster Remission in Kombination mit Interleukin-2 (IL-2) angewendet.
Histamindihydrochlorid: Übersicht

Anwendung
Histamindihydrochlorid (Ceplene) ist speziell für die Erhaltungstherapie von erwachsenen Patienten mit AML in erster Remission indiziert, die gleichzeitig mit IL-2 behandelt werden. Es ist zu beachten, dass die Wirksamkeit von Ceplene bei Patienten über 60 Jahren nicht vollständig nachgewiesen wurde.
Anwendungsart
Ceplene wird nach Abschluss der Konsolidierungstherapie bei Patienten, die gleichzeitig mit IL-2 behandelt werden, angewendet. Es wird in spezifischen Behandlungszyklen verabreicht, wobei jeder Zyklus aus einer Behandlungsphase von 21 Tagen besteht, gefolgt von einer behandlungsfreien Phase.
Wirkmechanismus
Ceplene in Kombination mit IL-2 stellt eine innovative Immuntherapie dar, die darauf abzielt, die verbleibenden Zellen der myeloischen Leukämie durch eine immunvermittelte Reaktion zu eliminieren und somit ein Wiederauftreten der Krankheit zu verhindern. Während Ceplene primär dazu dient, Lymphozyten, insbesondere NK- und T-Zellen, zu schützen, die für die Beseitigung der verbleibenden Leukämiezellen essenziell sind, fördert IL-2 die Aktivität und Verbreitung dieser Zellen, indem es ihre antileukämischen Fähigkeiten stimuliert.

Obwohl der genaue Mechanismus, durch den Ceplene die Effizienz von Lymphozyten bei der Bekämpfung von AML steigert, noch nicht vollständig verstanden ist, wird angenommen, dass er auf der Hemmung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) basiert, die von bestimmten Zellen wie Monozyten und Granulozyten produziert werden. Es ist bekannt, dass ROS die Wirksamkeit von Lymphozytenaktivatoren, wie IL-2, beeinträchtigen, indem sie Dysfunktionen und den programmierten Zelltod in NK- und T-Zellen induzieren.
Ceplene agiert als Inhibitor des Enzyms NADPH-Oxidase, welches für die Generierung und Freisetzung von ROS verantwortlich ist. Durch die Reduktion der ROS-Produktion gewährleistet Ceplene, dass NK- und T-Zellen, die durch IL-2 aktiviert wurden, vor den schädlichen Effekten der reaktiven Sauerstoffspezies geschützt sind. Daher zielt die kombinierte Verabreichung von Ceplene und IL-2 darauf ab, die antileukämischen Kapazitäten von NK- und T-Zellen zu maximieren.
Dosierung
Interleukin-2 (IL-2)
- Verabreichung: Zweimal täglich als subkutane Injektion.
- Zeitpunkt: 1 bis 3 Minuten vor der Gabe von Ceplene.
- Dosis: 16 400 IE/kg (1 μg/kg).
Ceplene
- Verabreichung: 1 bis 3 Minuten nach jeder Injektion von IL-2.
- Dosis: 0,5 ml Lösung pro Injektion.
- Injektionsdauer: Langsam über 5–15 Minuten.
Behandlungszyklen
- Gesamt: 10 Behandlungszyklen.
- Zyklen 1-3: 3 Wochen Behandlung gefolgt von 3 Wochen behandlungsfreier Phase.
- Zyklen 4-10: 3 Wochen Behandlung gefolgt von 6 Wochen behandlungsfreier Phase.
Dosisänderung
- Überwachung: Patienten auf symptomatische Nebenwirkungen und Laborwertänderungen überwachen.
- Anpassung: Dosis kann basierend auf der Verträglichkeit angepasst werden.
- Toxizitätsereignisse: Bei bestimmten Toxizitätsgraden sind spezifische Dosisanpassungen und Verzögerungen vorgesehen.
- Fieber: IL-2 kann für 24 Stunden abgesetzt und dann mit einer um 20 % verminderten Dosis erneut gegeben werden.
- Anomale Anzahl weißer Blutkörperchen: Dosisreduktion von IL-2 bei wiederholten Anomalien.
Besondere Hinweise
- Bei Ceplene-bedingten Toxizitäten (z.B. Hypotonie, Kopfschmerzen) kann die Injektionszeit auf bis zu 15 Minuten verlängert werden.
- Bei bestimmten Toxizitätsgraden sind spezifische Dosisanpassungen und Verzögerungen vorgesehen.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen, die bei 30% oder mehr der mit IL-2 und Ceplene behandelten Patienten auftraten sind:
- Flush
- Kopfschmerzen
- Mattigkeit
- Granulome an der Injektionsstelle
- Pyrexie
- Erytheme an der Injektionsstelle
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Ceplene zu beachten:
- Bei der kombinierten Anwendung von Ceplene und IL-2 sollte die Dosierung von IL-2 entsprechend angepasst werden. Ärzte sollten zudem mögliche IL-2-Arzneimittelinteraktionen berücksichtigen.
- H2-Rezeptorantagonisten mit imidazolähnlichen Strukturen, wie beispielsweise Cimetidin, sowie systemische Steroide und Clonidin, sollten während der Ceplene-Therapie vermieden werden.
- Bei der Anwendung von Ceplene ist bei der gleichzeitigen Gabe von Betablockern und anderen blutdrucksenkenden Medikamenten Vorsicht geboten, da diese die Toxizität von Ceplene potenziell erhöhen können.
- H1-Rezeptorblocker und Neuroleptika mit H1-blockierenden Eigenschaften, die die Effektivität von Ceplene beeinträchtigen könnten, sollten nicht verwendet werden.
- Trizyklische Antidepressiva, die sowohl H1- als auch H2-rezeptorblockierende Eigenschaften aufweisen können, sind zu meiden.
- Monoaminooxidasehemmer, Antimalariamittel und Antitrypanosomenmittel könnten den Metabolismus von Ceplene beeinflussen und sollten daher vermieden werden.
- Es wurde beobachtet, dass bestimmte Medikamente wie neuromuskuläre Blocker, narkotische Schmerzmittel und einige Kontrastmittel die Freisetzung von körpereigenem Histamin fördern können. Daher sollte bei Patienten, die diagnostischen oder chirurgischen Eingriffen unterzogen werden und gleichzeitig Ceplene erhalten, eine mögliche zusätzliche Wirkung in Betracht gezogen werden.
Kontraindikationen
Ceplene darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der genannten sonstigen Bestandteile
- Patienten mit signifikant geschädigter Herzfunktion, z. B. NYHA-Klasse III/IV.
- Patienten, die systemische Steroidtherapie, Clonidin und H2-Blocker erhalten.
- Patienten, die eine allogene Stammzelltransplantation erhalten haben.
- Schwangeren
- stillenden Frauen
Anwendungshinweise
Patienten sollten hinsichtlich der zu erwartenden symptomatischen Nebenwirkungen und Laborwertänderungen überwacht werden. Bei Auftreten bestimmter Toxizitäten können Dosisanpassungen erforderlich sein.
- EMA: Fachinformation Ceplene
- Romero, A. I., et al. "Post‐consolidation immunotherapy with histamine dihydrochloride and interleukin‐2 in AML." Scandinavian Journal of Immunology 70.3 (2009): 194-205.
- Martner, Anna, et al. "Immunotherapy with histamine dihydrochloride for the prevention of relapse in acute myeloid leukemia." Expert review of hematology 3.4 (2010): 381-391.
Abbildung
Dr. Isabelle Viktoria Maucher, Created with Biorender










