Hydrotalcit

Hydrotalcit ist ein Antazidum, das hauptsächlich durch Neutralisierung von Magensäure wirkt. Darüber hinaus kann es auch Gallensäuren und Lysolecithin binden. Die Wirkung hält etwa 2 Stunden an und erhöht den intragastralen pH-Wert auf den optimalen Bereich von pH 3-5.

Anwendung

Hydrotalcit wird angewendet zur symptomatischen Behandlung von Erkrankungen, die mit einer Überproduktion von Magensäure und Sodbrennen einhergehen, wie z.B. Refluxösophagitis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre und Entzündungen der Speiseröhre und des Magens.

Wirkmechanismus

Hydrotalcit hat die chemische Zusammensetzung Mg6Al2[(OH)16|CO3]·4H2O und ist somit ein wasserhaltiges Magnesium-Aluminium-Carbonat mit Hydroxidionen. Bei Kontakt mit Magensäure besitzt der Wirkstoff neutralisierende Eigenschaften. Das bedeutet, dass überschüssige Säure im Magen gebunden und somit der pH-Wert erhöht wird. Dies kann helfen, Symptome wie Sodbrennen und Magenbeschwerden zu lindern.

Pharmakokinetik

Die Wirkung von Hydrotalcit basiert auf der pH-abhängigen Auflösung der Schichtgitterstruktur und der Freisetzung von Magnesium- und Aluminiumionen. Diese neutralisieren die Magensäure und binden Gallensäuren und Lysolecithin. Die Ausfällung von Carbonaten und Phosphaten kann im Magen oder im Dünndarm stattfinden. Eine geringe Menge des Aluminiums und Magnesiums wird resorbiert, was zu einer Erhöhung der Serumkonzentration von Aluminium und Magnesium führen kann. Dies kann bei längerer Einnahme hoher Dosen zu unerwünschten Effekten wie Hypermagnesiämie oder Aluminiumeinlagerungen führen, die sich jedoch nach Absetzen der Therapie normalisieren.

Dosierung

Jugendliche über 12 Jahre und Erwachsene können bei Bedarf mehrmals täglich Hydrotalcit einnehmen. Eine Tagesdosis von 6.000 mg Hydrotalcit sollte nicht überschritten werden.

Nebenwirkungen

Zu den Nebenwirkungen von Hydrotalcid zählen:

  • allergische Reaktionen
  • weiche Stühle
  • erhöhte Stuhlfrequenz
  • Diarrhoen
  • Erbrechen
  • verringerter Phosphatspiegel im Blut
  • Hypermagnesiämie

Wechselwirkungen

Hydrotalcit sollte nicht zusammen mit Arzneimitteln eingenommen werden, deren Aufnahme durch die Einnahme von Hydrotalcit beeinflusst werden könnte, wie beispielsweise Herzglykoside, Tetracycline, H2-Rezeptor-Antagonisten oder Cumarin-Derivate. Andere Arzneimittel sollten mindestens 1-2 Stunden vor oder nach der Einnahme von Hydrotalcit eingenommen werden. Die Einnahme von Hydrotalcit kann auch die Ausscheidung einiger Arzneimittel im Urin beeinflussen, was zu einer Abnahme oder Erhöhung ihrer Konzentration im Körper führen kann.

Kontraindikationen

Hydrotalcit darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • schweren Nierenfunktionsstörungen
  • Hypophosphatämie
  • Myasthenia gravis

Schwangerschaft

Hydrotalcit sollte in der Schwangerschaft nur kurzfristig angewendet werden, um eine Aluminiumbelastung des Kindes zu vermeiden. Tierexperimentelle Studien zeigen, dass Aluminiumsalze reproduktionstoxisch sein können. Bisher gibt es nur wenige Erfahrungen mit der Anwendung von Hydrotalcit bei Schwangeren.

Stillzeit

Da Aluminiumverbindungen in die Muttermilch übergehen, sollte Hydrotalcit in der Stillzeit mit Vorsicht angewendet werden.

Verkehrstüchtigkeit

Hydrotalcit hat keinen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit.

Anwendungshinweise

  • Bei länger anhaltenden und/oder häufig wiederkehrenden Beschwerden sollte eine schwere Erkrankung ausgeschlossen werden.
  • Bei Patienten mit Ulcus ventriculi oder duodeni sollte eine Untersuchung auf H. pylori und im Falle des Nachweises eine anerkannte Eradikationstherapie erwogen werden.
  • Aluminiumblutspiegel sollten bei langfristigem Gebrauch regelmäßig kontrolliert werden und 40 μg/l nicht überschreiten.
  • Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, Morbus Alzheimer oder anderen Formen der Demenz sowie bei Patienten mit Hypophosphatämie oder unter phosphatarmer Ernährung sollten hohe Dosen und eine längerfristige Anwendung vermieden werden.
  • Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion bestehen unter chronischer Einnahme hoher Dosen Intoxikationsrisiken.
  • Bei lang andauernder Einnahme hoher Dosen und phosphatarmer Diät kann es zur Phosphatverarmung mit dem Risiko einer Osteomalazie kommen.
  • Hydrotalcit darf nicht gleichzeitig mit säurehaltigen Lebensmitteln eingenommen werden, da die intestinale Resorption von Aluminiumhydroxid dadurch erhöht wird.

Alternativen

Einige Alternativen zu Hydrotalcit sind:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
603.98 g·mol-1
Autor:
Stand:
30.03.2023
Quelle:

Fachinformation Talcid

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