Idecabtagen vicleucel

Idecabtagen vicleucel ist eine CAR-T-Zell-Therapie, die spezifisch das B-Zell-Maturationsantigen (BCMA) auf Myelomzellen abzielt, für die Behandlung von Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom nach mindestens drei Therapielinien.

Anwendung

Idecabtagen vicleucel (Abecma) ist indiziert für die Behandlung des rezidivierten und refraktären multiplen Myeloms bei erwachsenen Patienten, die mindestens drei vorausgegangene Therapien, einschließlich eines Immunmodulators, eines Proteasominhibitors und eines Anti-CD38-Antikörpers, erhalten und unter der letzten Therapie eine Krankheitsprogression gezeigt haben.

Wirkmechanismus

Idecabtagen vicleucel (Ide-Cel) ist eine autologe Chimärer Antigenrezeptor (Chimeric Antigen Receptor, CAR) T-Zelltherapie. Die Therapie zielt spezifisch auf das B-Zell-Maturationsantigen (BCMA) ab, ein Protein, das überwiegend auf der Oberfläche von Myelomzellen exprimiert wird. Patienteneigene T-Zellen werden ex vivo mittels eines lentiviralen Vektors genetisch modifiziert, um einen synthetischen Rezeptor (CAR) zu exprimieren, der BCMA erkennen kann.

Nach der Infusion in den Patienten binden diese modifizierten T-Zellen an BCMA-positive Myelomzellen und initiieren deren Zerstörung durch Aktivierung zytotoxischer T-Zell-Antworten. Dieser Prozess führt zur Reduktion der Tumorlast und zur potenziellen Induktion einer Remission bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom.

Dosierung

Dosierung:

  • Einzeldosis zur Infusion mit einer Zieldosis von 420 × 106 lebensfähigen CAR-positiven T-Zellen, im Bereich von 260 bis 500 × 106 Zellen.
  • Vorbehandlung mit Lymphozytendepletions-Chemotherapie: Cyclophosphamid 300 mg/m2 und Fludarabin 30 mg/m2 intravenös über 3 Tage.
  • Idecabtagen vicleucel ist 2 bis maximal 9 Tage nach Abschluss der Chemotherapie zu verabreichen.

Prämedikation:

Überwachung nach der Infusion:

  • Patienten sind für die ersten 10 Tage nach Infusion auf CRS, neurologische Ereignisse und andere Toxizitäten zu überwachen.
  • Patienten sollten für mindestens 4 Wochen nach der Infusion in der Nähe des Behandlungszentrums bleiben.

Besondere Patientengruppen:

  • Keine klinische Erfahrung bei Patienten mit aktiver HIV-, HBV- oder HCV-Infektion. Screening auf diese Infektionen ist vor der Zellentnahme erforderlich.
  • Keine Dosisanpassung für ältere Patienten über 65 Jahre erforderlich.
  • Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht erwiesen.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen umfassten:

  • Neutropenie, Thrombozytopenie, Leukopenie, Lymphopenie
  • CRS (Zytokin-Freisetzungssyndrom)
  • Anämie
  • Infektionen
  • Ermüdung
  • Diarrhö
  • Hypokaliämie, Hypophosphatämie, Hypokalzämie, Hypomagnesiämie
  • Übelkeit, verminderter Appetit
  • Fieber
  • Husten, Infektion der oberen Atemwege
  • Kopfschmerzen
  • Arthralgie
  • Peripheres Ödem
  • Hypogammaglobulinämie
  • Febrile Neutropenie

Schwerwiegende Nebenwirkungen traten bei einem Großteil der Patienten auf. Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen umfassten:

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Idecabtagen vicleucel zu beachten:

  • Keine spezifischen Wechselwirkungsstudien: Es wurden keine Studien durchgeführt, um mögliche Wechselwirkungen von Idecabtagen vicleucel mit anderen Arzneimitteln systematisch zu erfassen.
  • Wechselwirkungen mit T-Zell-Funktion beeinflussenden Wirkstoffen: Die gleichzeitige Anwendung von Wirkstoffen, die die T-Zell-Funktion hemmen oder stimulieren, wurde nicht explizit untersucht, und die Auswirkungen dieser Kombinationen sind unbekannt.
  • Anwendung von Tocilizumab und Kortikosteroiden bei CRS: Für die Behandlung des Zytokin-Freisetzungssyndroms (CRS) wurde bei einigen Patienten die Anwendung von Tocilizumab und/oder Kortikosteroiden erforderlich. Patienten, die Tocilizumab oder Kortikosteroide erhielten, zeigten tendenziell eine größere zelluläre Expansion von Idecabtagen vicleucel.
  • Lebendimpfstoffe: Die Sicherheit von Immunisierungen mit viralen Lebendimpfstoffen während oder nach der Behandlung mit Idecabtagen vicleucel wurde nicht untersucht. Impfungen mit Lebendimpfstoffen werden für mindestens 6 Wochen vor Beginn der Chemotherapie zur Lymphozytendepletion, während der Behandlung und bis zur Erholung des Immunsystems nach der Behandlung nicht empfohlen.

Verkehrstüchtigkeit

Idecabtagen vicleucel kann erhebliche Auswirkungen auf die Fähigkeit, Auto zu fahren oder Maschinen zu bedienen, haben. Dies liegt daran, dass die Behandlung mit diesem Medikament neurologische Nebenwirkungen wie Veränderungen im Bewusstseinszustand oder sogar Krampfanfälle verursachen kann. Daher wird Patienten, die mit Idecabtagen vicleucel behandelt werden, dringend empfohlen, nach der Infusion für einen Zeitraum von mindestens 8 Wochen oder bis zum vollständigen Verschwinden jeglicher neurologischer Symptome auf das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen von schweren oder potenziell gefährlichen Maschinen zu verzichten.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Idecabtagen vicleucel zu beachten:

  • Rückverfolgbarkeit: Um die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten, müssen die Bezeichnung des Arzneimittels, die Chargenbezeichnung und der Name des behandelten Patienten für einen Zeitraum von 30 Jahren nach dem Verfalldatum des Produktes aufbewahrt werden.
  • Gründe für einen Aufschub der Behandlung: Die Behandlung sollte bis zu 7 Tage aufgeschoben werden, wenn schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, aktive Infektionen oder entzündliche Erkrankungen, oder aktive Graft-versus-Host-Krankheit vorliegen.
  • Autologe Anwendung: Idecabtagen vicleucel ist ausschließlich zur autologen Anwendung bestimmt. Vor der Infusion muss die Übereinstimmung der Patientenidentität mit den Angaben auf dem Infusionsbeutel und dem Infusionsfreigabe-Zertifikat bestätigt werden.
  • Begleiterkrankung: Besondere Aufmerksamkeit ist bei Patienten mit aktiver Erkrankung des ZNS oder unzureichender Organfunktion erforderlich.
  • Pathologie des zentralen Nervensystems: Es liegen keine Erfahrungen bei Patienten mit ZNS-Beteiligung beim Myelom oder anderen vorbestehenden, klinisch relevanten Pathologien des ZNS vor.
  • Vorherige allogene Stammzelltransplantation: Patienten sollten Idecabtagen vicleucel nicht innerhalb von 4 Monaten nach einer allogenen Stammzelltransplantation erhalten. Die Leukapherese für die Herstellung sollte mindestens 12 Wochen nach einer allogenen SZT durchgeführt werden.
  • Vorherige Behandlung mit einer Anti-BCMA-Therapie: Begrenzte Erfahrungen liegen bei Patienten vor, die zuvor eine gegen BCMA gerichtete Therapie erhielten.
  • Zytokin-Freisetzungssyndrom (CRS): CRS, einschließlich tödlicher oder lebensbedrohlicher Reaktionen, kann auftreten. Patienten sollten für die ersten 10 Tage nach der Infusion auf Anzeichen und Symptome eines CRS überwacht werden. Eine Dosis Tocilizumab muss am Behandlungszentrum vorhanden sein.
  • Neurologische Nebenwirkungen: Neurologische Toxizitäten, wie Aphasie und Enzephalopathie, können auftreten. Die mediane Zeit bis zum Auftreten des ersten Ereignisses von Neurotoxizität betrug 2 Tage. Neurologische Toxizität kann gleichzeitig mit CRS, nach dem Abklingen von CRS oder ohne CRS auftreten.
  • Überwachung und Behandlung von neurologischen Toxizitäten: Patienten sollten für die ersten 10 Tage nach der Infusion auf neurologische Toxizitäten überwacht werden.
    Überwachung sollte nach den ersten 10 Tagen nach Ermessen des Arztes fortgesetzt werden. Patienten wird geraten, mindestens 4 Wochen nach der Infusion in der Nähe des Behandlungszentrums zu bleiben. Bei Verdacht auf neurologische Toxizität sollte gemäß den Empfehlungen behandelt werden, wobei andere Ursachen für neurologische Symptome auszuschließen sind.
  • Länger anhaltende Zytopenien: Zytopenien können mehrere Wochen nach der Behandlung anhalten. Das Blutbild sollte vor und nach der Infusion überwacht werden.
  • Infektionen und febrile Neutropenie: Idecabtagen vicleucel darf nicht bei aktiven Infektionen oder entzündlichen Erkrankungen verabreicht werden. Patienten sollten auf Anzeichen und Symptome einer Infektion überwacht und entsprechend behandelt werden.
  • Virusreaktivierung: Überwachung auf CMV-Infektion und Behandlung gemäß klinischen Leitlinien. Screening auf CMV, HBV, aktive HIV- und HCV-Infektion vor der Zellentnahme.
  • Hypogammaglobulinämie: Überwachung der Immunglobulinspiegel nach der Behandlung. Behandlung gemäß den Leitlinien der Behandlungseinrichtung, einschließlich Immunglobulin-Substitutionstherapie.
  • Sekundäre Malignome: Langzeitüberwachung auf sekundäre Malignome.
  • Überempfindlichkeitsreaktionen: Überwachung auf allergische Reaktionen während der Infusion. Besondere Vorsicht bei Patienten, die noch nicht DMSO ausgesetzt waren.
  • Wechselwirkungen mit serologischen Tests: Mögliche falsch positive Ergebnisse bei einigen HIV-Nukleinsäuretests.
  • Blut-, Organ-, Gewebe- und Zellspende: Mit Idecabtagen vicleucel behandelte Patienten sollen nicht spenden.
  • Langzeitnachbeobachtung: Teilnahme an einem Register für langfristige Sicherheit und Wirksamkeit wünschenswert.

Alternativen

Für Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom gibt es mehrere Behandlungsalternativen, abhängig vom individuellen Krankheitsverlauf, den vorherigen Therapien und dem aktuellen Gesundheitszustand des Patienten. Zu den Alternativen gehören:

Andere zielgerichtete Therapien

  • Belantamab Mafodotin: Ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das ebenfalls BCMA auf Myelomzellen ins Visier nimmt.
  • Bispezifische T-Zell-Engager (BiTEs) wie Teclistamab: Diese binden gleichzeitig an BCMA auf Myelomzellen und an CD3 auf T-Zellen, um die T-Zell-vermittelte Zytotoxizität gegen Myelomzellen zu fördern.

Immunmodulatoren (IMiDs)

Proteasominhibitoren

Monoklonale Antikörper

  • Daratumumab: Richtet sich gegen CD38 auf Myelomzellen.
  • Elotuzumab: Zielt auf SLAMF7, ein Molekül, das auf Myelomzellen und bestimmten Immunzellen exprimiert wird.
Autor:
Stand:
29.02.2024
Quelle:
  1. Fachinformation Abecma
  2. Sankawa, Yuri. "Abecma®-erste CAR-T-Zell-Therapie bei stark vorbehandelten Myelompatienten." Im Fokus Onkologie 25.4 (2022): 76-76.
  3. G-BA: Dossier zur Nutzenbewertung; Idecabtagen vicleucel
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