Idursulfase

Idursulfase ist ein Enzymersatztherapeutikum, das zur Behandlung des Hunter-Syndroms (Mukopolysaccharidose Typ II) entwickelt wurde. Der Wirkmechanismus basiert auf der Substitution des fehlenden oder defekten Enzyms Iduronat-2-Sulfatase, welches zum Abbau von Glykosaminoglykanen benötigt wird.

Anwendung

Idursulfase wird zur Langzeitbehandlung von Patienten mit Hunter-Syndrom (Mukopolysaccharidose II, MPS II) eingesetzt.

Wirkmechanismus

Das Hunter-Syndrom ist eine genetische Erkrankung, die auf einem Mangel an dem lysosomalen Enzym Iduronat-2-Sulfatase beruht. Iduronat-2-Sulfatase ist für den Abbau bestimmter Glykosaminoglykane (GAG) in den Zellen zuständig. Bei einem Mangel dieses Enzyms kommt es zur Akkumulation der GAG in den Zellen, was zu Zellschwellung, Organomegalie, Gewebszerstörung und Organdysfunktion führt. Idursulfase ist ein Enzymersatztherapeutikum, das zur Behandlung des Hunter-Syndroms eingesetzt wird. Sie wird mithilfe von menschlichen Zellen produziert und weist ähnliche Eigenschaften wie das natürliche Enzym auf, einschließlich der Fähigkeit, an spezifische Rezeptoren der Zelloberfläche zu binden. Dies ermöglicht es der Idursulfase in die Zellen eingeschleust zu werden, wo sie auf die intrazellulären Lysosomen zielt und die angesammelten GAG abbauen kann.

Pharmakokinetik

Idursulfase nutzt selektive, rezeptorvermittelte Mechanismen für ihre Aufnahme in die Zellen. Das Enzym bindet an Mannose-6-Phosphat-Rezeptoren, wodurch es in die zellulären Lysosomen gelangt. Diese Lokalisierung limitiert die Verteilung des Proteins im Körper. Der Abbau der Idursulfase erfolgt durch allgemeine Prozesse der Proteinhydrolyse, was in der Produktion kleiner Peptide und Aminosäuren resultiert. Daher ist nicht zu erwarten, dass die Pharmakokinetik der Idursulfase von Nieren- oder Leberfunktionsstörungen beeinflusst wird.

Dosierung

  • Standarddosierung: 0,5 mg/kg Körpergewicht pro Woche
  • Verabreichung: Intravenöse Infusion
  • Dauer: Anfänglich über 3 Stunden; kann bei guter Verträglichkeit ohne Infusionsreaktionen auf 1 Stunde reduziert werden.

Besondere Patientengruppen

  • Ältere Patienten: Keine klinischen Erfahrungen bei Patienten über 65 Jahren vorhanden.
  • Nieren- oder Leberfunktionsstörung: Keine klinischen Erfahrungen vorhanden.
  • Kinder und Jugendliche: Die Dosis beträgt, wie bei Erwachsenen, 0,5 mg/kg Körpergewicht wöchentlich.

Nebenwirkungen

Folgende Nebenwirkungen sind bei der Anwendung von Idursulfase zu beachten:

  • Anaphylaktoide/anaphylaktische Reaktion
  • Hautreaktionen (Ausschlag, Pruritus, Urtikaria)
  • Pyrexie
  • Kopfschmerzen
  • Hypertonie
  • Rötung

Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen erfordern bei Infusionstherapien besondere Aufmerksamkeit. Es ist wichtig, diese Patientengruppe sorgfältig zu überwachen und Infusionen nur unter geeigneten klinischen Bedingungen durchzuführen.

Wechselwirkungen

Es wurden keine formellen Arzneimittelwechselwirkungsstudien für Idursulfase durchgeführt. Da Idursulfase in den zellulären Lysosomen verstoffwechselt wird, ist nicht davon auszugehen, dass es durch das Cytochrom P450-Enzymssystem beeinflusst wird oder dieses beeinflusst.

Kontraindikationen

Idursulfase darf nicht angewendet werden bei schwerer  oder lebensbedrohlicher Überempfindlichkeit: Dies betrifft sowohl den Wirkstoff selbst als auch jegliche sonstigen Bestandteile des Medikaments, sofern die Überempfindlichkeitsreaktionen nicht kontrollierbar sind.

Schwangerschaft

Es liegen nur sehr begrenzte oder keine Erfahrungsberichte über die Verwendung von Idursulfase bei schwangeren Frauen vor. Aufgrund der begrenzten Datenlage wird empfohlen, Idursulfase während der Schwangerschaft aus Vorsicht nicht anzuwenden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Idursulfase in die Muttermilch übergeht. Da ein potenzielles Risiko für das gestillte Neugeborene oder Kind nicht ausgeschlossen werden kann, muss das Nutzen-Risiko-Verhältnis für Mutter und Kind gegeneinander abgewogen werden.

Verkehrstüchtigkeit

Die Anwendung von Idursulfase hat keinen oder einen zu vernachlässigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit.

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Idursulfase sind folgende Hinweise zu beachten:

  • Einmalige Nutzung pro Durchstechflasche: jede Durchstechflasche Elaprase ist für eine einmalige Anwendung vorgesehen und enthält 6 mg Idursulfase in 3 ml Lösung.
  • Vorbereitung zur intravenösen Infusion: Elaprase muss in isotonischer Natriumchloridlösung verdünnt werden, bevor es intravenös infundiert wird.
  • Keine gleichzeitige Infusion mit anderen Medikamenten: Elaprase darf nicht mit anderen Arzneimitteln über dieselbe Infusionsleitung verabreicht werden.
  • Dosierung nach Gewicht: Die Anzahl der benötigten Durchstechflaschen richtet sich nach dem Körpergewicht des Patienten und der empfohlenen Dosis von 0,5 mg/kg.
  • Kontrolle der Lösung: Vor der Verwendung muss die Lösung auf Verfärbungen oder Feststoffteilchen geprüft werden. Bei Vorhandensein solcher Unregelmäßigkeiten sollte sie nicht verwendet werden.
  • Schwerwiegende Überempfindlichkeit: Bei schwerer oder lebensbedrohlicher Überempfindlichkeit darf Elaprase nicht erneut verabreicht werden, es sei denn, die Überempfindlichkeit ist kontrollierbar.
  • Genotyp „vollständige Deletion“/„große Umgruppierung“: Pädiatrische Patienten mit diesem Genotyp entwickeln wahrscheinlicher Antikörper gegen Idursulfase, was zu mehr unerwünschten Ereignissen führen kann. Das Management solcher Patienten sollte individuell entschieden werden.
  • Natriumgehalt: Das Medikament enthält eine geringe Menge an Natrium, was bei Patienten mit kontrollierter Natriumaufnahme zu beachten ist.
  • Rückverfolgbarkeit: Zur Verbesserung der Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel sollten die Bezeichnung und die Chargennummer des verwendeten Arzneimittels genau dokumentiert werden.

Entnahme und Verdünnung

Das berechnete Volumen von Elaprase wird aus der entsprechenden Anzahl von Durchstechflaschen entnommen und in 100 ml isotonischer Natriumchloridlösung verdünnt. Die Zubereitung muss unter aseptischen Bedingungen erfolgen, um die Sterilität zu gewährleisten. Nach der Verdünnung sollte die Lösung vorsichtig gemischt, aber nicht geschüttelt werden.

Infusionsbedingte Reaktionen

Patienten können Hautreaktionen, Fieber, Kopfschmerzen, Bluthochdruck und Rötungen entwickeln. Diese Reaktionen können durch Reduzierung der Infusionsgeschwindigkeit, Unterbrechung der Infusion oder Anwendung von Medikamenten wie Antihistaminika, Antipyretika, niedrig dosierten Corticosteroiden oder Beta-Agonisten behandelt werden. In klinischen Studien wurde keine Behandlung wegen Infusionsreaktionen abgebrochen. Bei Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen ist Vorsicht geboten und eine strenge Überwachung notwendig.

Anaphylaktoide/anaphylaktische Reaktionen

Können lebensbedrohlich sein und bis zu mehreren Jahren nach Therapiebeginn auftreten. Bei Auftreten ist die Infusion sofort zu stoppen und geeignete Maßnahmen einzuleiten, unter Einhaltung gegenwärtiger Standards für die Notfallbehandlung. Bei erneuter Anwendung von Idursulfase nach einer solchen Reaktion ist besondere Vorsicht geboten.

Autor:
Stand:
05.04.2024
Quelle:

Fachinformation Idursulfase

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