Imlifidase

Imlifidase ist ein rekombinantes Enzym mit der Fähigkeit, menschliche Immunglobulin-G-Antikörper (IgG) zu spalten, wodurch es die IgG-vermittelte Immunität moduliert. Es wird in der Transplantationsmedizin eingesetzt, um hochsensibilisierten Patienten eine Nierentransplantation von einem lebenden oder verstorbenen Spender zu ermöglichen.

Anwendung

Imlifidase (Idefirix) ist indiziert für die Desensibilisierungsbehandlung von erwachsenen Nierentransplantationspatienten, die Antikörper besitzen, welche zu einer positiven Kreuzprobe gegen
einen verfügbaren verstorbenen Spender führen.

Die Anwendung sollte Patienten vorbehalten bleiben, bei denen eine Transplantation unter den gültigen Organallokationsrichtlinien, einschließlich spezieller Priorisierungsprogramme für hochsensibilisierte Patienten, unwahrscheinlich ist.

Wirkmechanismus

Imlifidase ist ein rekombinantes Enzym, das aus der Bakterienart Streptococcus pyogenes gewonnen wird. Es wirkt als eine Immunoglobulin-G-spezifische Endopeptidase, die gezielt die schweren Ketten von IgG-Antikörpern an einer spezifischen Stelle spaltet. Durch diese Spaltung werden die IgG-Antikörper in kleinere Fragmente zerlegt, die ihre Fähigkeit zur Bindung an Antigene und zur Initiierung von Immunreaktionen verlieren. Dies führt zu einer vorübergehenden Reduktion der IgG-Antikörper im Blutkreislauf des Patienten, was das Immunsystem daran hindert, eine sofortige Abstoßungsreaktion gegen transplantierte Organe zu initiieren. Imlifidase wird primär in der Transplantationsmedizin eingesetzt, um die durch IgG vermittelten Abstoßungsreaktionen bei Organtransplantationen zu verhindern oder zu behandeln, insbesondere bei Patienten mit hohen Antikörperspiegeln gegen das Spenderorgan.

Dosierung

  • Basierend auf dem Körpergewicht des Patienten (in kg).
  • Empfohlene Dosis: 0,25 mg/kg Körpergewicht als Einzeldosis, idealerweise innerhalb von 24 Stunden vor der Transplantation.
  • Bei Bedarf ist eine zweite Dosis innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Dosis möglich.

Ergänzende Therapie:

  • Patienten erhalten zusätzlich eine Standardinduktionstherapie zur T-Zell-Depletion und ggf. B-Zell-Depletion.
  • Imlifidase ersetzt nicht die immunsuppressive Standardtherapie.

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen:

  • Infektionen (inklusive Lungenentzündung, Harnwegsinfektion und Sepsis)
  • Schmerzen an der Infusionsstelle
  • Infusionsbedingte Reaktionen
  • Erhöhte Werte von Alanin-Aminotransferase
  • Erhöhte Werte von Aspartat-Aminotransferase
  • Myalgie (Muskelschmerzen)
  • Kopfschmerzen
  • Hitzewallungen

Schwerwiegende Nebenwirkungen:

Kontraindikationen

Imlifidase darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Anhaltender schwerwiegenden Infektion
  • Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP), da ein Risiko für das Auftretens einer Serumkrankheit besteht

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Imlifidase sind folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen wichtig:

  • Infusionsreaktionen: Bei schweren allergischen Reaktionen ist die Infusion sofort zu stoppen und entsprechend zu behandeln. Leichte bis mittelschwere Reaktionen können eine Infusionspause und Medikamente wie Antihistaminika erfordern.
  • Infektionsrisiko: Wegen der vorübergehenden Reduktion von IgG durch Imlifidase ist zusätzlich zur Standard-Infektionsprophylaxe eine 4-wöchige Antibiotikagabe gegen Atemwegsinfektionen notwendig.
  • Impfschutz: Nach Imlifidase-Behandlung kann der Impfschutz für bis zu 4 Wochen reduziert sein.
  • Antikörper-vermittelte Abstoßung (AMR): Das Wiederauftreten von spenderspezifischen Antikörpern kann eine AMR auslösen, die eine engmaschige Überwachung und Behandlung erfordert.
  • Immunogenität: Die Bildung von Anti-Imlifidase-Antikörpern ist möglich, sollte aber innerhalb von 24 Stunden nach der ersten Dosis vernachlässigbar sein.
  • Wechselwirkung mit Antikörper-Medikamenten: Imlifidase kann IgG-basierte Arzneimittel inaktivieren. Vorsicht ist geboten bei der Kombination mit Medikamenten wie Rituximab oder intravenösem Immunoglobulin.
Autor:
Stand:
19.03.2024
Quelle:

Fachinformation Idefirix

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1 Präparate mit Imlifidase