Inotersen
Inotersen ist ein Antisense-Oligonukleotid, das gezielt die mRNA des Transthyretin (TTR)-Gens hemmt, um die Produktion des Transthyretin-Proteins in der Leber zu reduzieren. Es wird zur Behandlung der hereditären Transthyretin-vermittelten Amyloidose eingesetzt, um die Polyneuropathie zu verbessern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.
Inotersen: Übersicht
Anwendung
Inotersen (Tegsedi) ist zur Behandlung von Polyneuropathie der Stadien 1 oder 2 bei erwachsenen Patienten mit hereditärer Transthyretin-Amyloidose (hATTR) indiziert.
Anwendungsart
Inotersen ist zur subkutanen Anwendung vorgesehen.
Wirkmechanismus
Inotersen ist ein Antisense-Oligonukleotid, das spezifisch an die mRNA des Transthyretin (TTR)-Gens bindet, um dessen Expression zu hemmen. Diese Bindung führt zur Degradation der mRNA durch das Enzym RNase H, was eine verringerte Produktion des Transthyretin-Proteins in der Leber zur Folge hat. Da Mutationen im TTR-Gen zu einer fehlerhaften Faltung des Transthyretin-Proteins und zur Bildung von Amyloidfibrillen führen, die sich in verschiedenen Organen ablagern können, zielt Inotersen darauf ab, die Bildung dieser toxischen Amyloidablagerungen zu reduzieren.
Durch die Reduktion des zirkulierenden mutierten und wildtyp Transthyretin-Proteins kann Inotersen die Progression der hereditären Transthyretin-vermittelten Amyloidose verlangsamen.
Kontraindikationen
Inotersen darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Thrombozytenzahl < 100 × 10 9 /l vor der Behandlung
- Protein-Kreatinin-Quotient im Urin (UPCR) ≥ 113 mg/mmol (1 g/g) vor der Behandlung
- Geschätzter glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) < 45 ml/min/1,73 m2
- Schwerer Leberfunktionsstörung
Schwangerschaft
Zur Anwendung von Inotersen während der Schwangerschaft gibt es nur sehr begrenzte Erfahrungen und keine ausreichenden Daten aus Tierstudien bezüglich der Reproduktionstoxizität. Aufgrund des Risikos, dass unausgeglichene Vitamin A-Spiegel teratogene Effekte haben könnten, wird die Verwendung von Inotersen in der Schwangerschaft generell nicht empfohlen, außer der gesundheitliche Zustand der Frau erfordert zwingend eine Behandlung mit Inotersen. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Inotersen zuverlässige Verhütungsmethoden nutzen.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt ob Inotersen oder dessen Metaboliten in die Muttermilch übergehen. Tierversuche deuten jedoch darauf hin, dass Metaboliten von Inotersen in die Milch gelangen können, was ein potenzielles Risiko für das gestillte Baby darstellen könnte. Vor diesem Hintergrund sollte abgewogen werden, ob das Stillen unterbrochen oder auf die Behandlung mit Inotersen verzichtet bzw. diese unterbrochen werden sollte. Dabei müssen der Nutzen des Stillens für das Baby und der Nutzen der Therapie für die Mutter sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Inotersen zu beachten:
- Thrombozytopenie: Überwachung der Thrombozytenzahl alle 2 Wochen während der Behandlung und 8 Wochen danach.
- Nierenfunktion: Überwachung auf Glomerulonephritis und Rückgang der Nierenfunktion; Nierenfunktionstests alle 3 Monate.
- Vitamin A-Mangel: Korrektur von Vitamin A-Defiziten vor Behandlungsbeginn und tägliche Supplementierung von etwa 3000 IE Vitamin A während der Behandlung.
- Leberfunktion: Überwachung auf erhöhte Transaminasen und arzneimittelinduzierten Leberschaden vor der Behandlung, 4 Monate danach und anschließend jährlich.
- Lebertransplantation: Monatliche Leberfunktionstests bei lebertransplantierten Patienten.
- Vorsichtsmaßnahmen vor Behandlungsbeginn: Überprüfung der Thrombozytenzahl, eGFR, UPCR, Leberenzyme, Vitamin-A-Spiegel und Ausschluss einer Schwangerschaft.
Wirkstoff-Informationen
- Keam, Susan J. "Inotersen: first global approval." Drugs 78 (2018): 1371-1376.
- Fachinformation Tegsedi










