Inotuzumab ozogamicin
Inotuzumab ozogamicin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das an das CD22-Antigen auf der Oberfläche von B-Zellen bindet. Es wird hauptsächlich in der Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) bei Erwachsenen eingesetzt, die refraktär oder rezidiviert sind.
Inotuzumab ozogamicin: Übersicht

Anwendung
Inotuzumab ozogamicin ist unter dem Handelsnamen Besponsa indiziert als Monotherapie für die Behandlung von Erwachsenen mit rezidivierter oder refraktärer CD22-positiver B-Vorläufer-ALL (akuter lymphatischer Leukämie). Erwachsene Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver (Ph+) rezidivierter oder refraktärer B-Vorläufer-ALL sollten eine vorhergehende erfolglose Behandlung mit mindestens 1 Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) aufweisen.
Wirkmechanismus
Inotuzumab Ozogamicin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC), das aus einem monoklonalen Antikörper besteht, der gegen das CD22-Antigen auf der Oberfläche von B-Zellen gerichtet ist. Der Antikörper ist kovalent mit dem zytotoxischen Wirkstoff N-Acetyl-Gamma-Calicheamicin-Dimethylhydrazid verbunden. Die Verbindung zum zytotoxischen Molekül erfolgt über einen säurelabilen Linker, der eine kontrollierte Freisetzung des Wirkstoffs innerhalb der Zielzelle ermöglicht.
Die Wirksamkeit von Inotuzumab Ozogamicin beruht auf der gezielten Bindung des ADC an CD22-positive Tumorzellen. Nach der Bindung wird der ADC-CD22-Komplex von der Zelle internalisiert, woraufhin der Linker hydrolytisch gespalten wird und N-Acetyl-Gamma-Calicheamicin-Dimethylhydrazid im Zellinneren freigesetzt wird. Die Aktivierung des zytotoxischen Moleküls führt zu DNA-Doppelstrangbrüchen, was einen Zellzyklus-Arrest und die Induktion der Apoptose, also des programmierten Zelltods, zur Folge hat.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen von Inotuzumab Ozogamicin sind:
- Thrombozytopenie
- Neutropenie
- Infektion
- Anämie
- Leukopenie
- Müdigkeit/ Fatigue
- Blutung
- Pyrexie
- Übelkeit
- Kopfschmerzen
- Febrile Neutropenie
- Erhöhte Transaminasen
- Bauchschmerzen
- Erhöhte Gamma-Glutamyltransferase
- Hyperbilirubinämie
Kontraindikationen
Inotuzumab Ozogamicin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Patienten mit vorhergehender bestätigter schwerer oder bestehender venookklusiver Lebererkrankung/ Sinusoidal Obstruction Syndrome (VOD/ SOS)
- Patienten mit schwerer bestehender Lebererkrankung (z. B. Leberzirrhose, nodulär regenerative Hyperplasie der Leber, aktive Hepatitis)
Schwangerschaft
Frauen sollten während der Behandlung mit Inotuzumab Ozogamicin und für mindestens 8 Monate nach Verabreichung der letzten Dosis ein wirksames Verhütungsmittel benutzen. Männer mit Frauen im
gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Inotuzumab Ozogamicin und für mindestens 5 Monate nach Verabreichung der letzten Dosis ein wirksames Verhütungsmittel benutzen.
Inotuzumab Ozogamicin darf während der Schwangerschaft nur verabreicht werden, wenn der mögliche Nutzen für die Mutter die potenziellen Risiken für den Fetus überwiegt. Schwangere Frauen oder Patientinnen, die während der Behandlung mit Inotuzumab Ozogamicin schwanger werden, bzw. männliche Partner von schwangeren Frauen, müssen über die möglichen Risiken für den Fetus
aufgeklärt werden.
Stillzeit
Es gibt keine Informationen darüber, ob Inotuzumab Ozogamicin oder seine Abbauprodukte in die Muttermilch übergehen, welche Effekte sie auf das gestillte Kind haben könnten oder wie sie die Milchproduktion beeinflussen. Aufgrund potenzieller Risiken für das gestillte Kind sollten Frauen während der Behandlung mit Inotuzumab Ozogamicin und bis zu zwei Monate nach der letzten Dosis nicht stillen.
Verkehrstüchtigkeit
Inotuzumab Ozogamicin kann die Fähigkeit zum Autofahren oder Bedienen von Maschinen beeinträchtigen, da es bei einigen Patienten während der Behandlung zu Müdigkeit kommen kann. Es ist daher ratsam, bei solchen Aktivitäten Vorsicht walten zu lassen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Inotuzumab Ozogamicin zu beachten:
- Nachverfolgbarkeit: Handelsname und Chargennummer sollten dokumentiert werden.
- Lebertoxizität und venookklusive Lebererkrankung (VOD/SOS): Vorsicht bei Patienten mit vorbestehenden Lebererkrankungen oder hohen Bilirubinwerten. Besondere Aufmerksamkeit ist bei anschließender HSCT erforderlich.
- Myelosuppression/Zytopenien: Regelmäßige Blutbildkontrollen sind notwendig, um Neutropenie und Thrombozytopenie zu überwachen.
- Infusionsbedingte Reaktionen: Überwachung während und nach der Infusion auf Reaktionen wie Hypotonie oder Atembeschwerden.
- Tumorlyse-Syndrom (TLS): Vorsicht bei Patienten mit hoher Tumorlast; präventive Maßnahmen und Überwachung sind empfohlen.
- QT-Intervall-Verlängerung: Vorsicht bei Patienten mit Vorgeschichte von QT-Intervall-Verlängerungen oder bei Einnahme von QT-verlängernden Medikamenten.
- Erhöhte Amylase- und Lipase-Werte: Überwachung auf erhöhte Werte zur frühzeitigen Erkennung von Pankreatitis oder anderen Bauchspeicheldrüsen- und Gallenerkrankungen.
- Immunisierungen: Lebendimpfstoffe sollten vermieden werden.
Fachinformation Besponsa










