Insulin icodec
Insulin icodec ist ein einmal wöchentlich zu verabreichendes Basalinsulin, das durch seine verlängerte Halbwertszeit eine stabile Blutzuckerkontrolle über sieben Tage ermöglicht. Es ist indiziert zur Behandlung von Diabetes mellitus bei Erwachsenen.
Insulin icodec: Übersicht
Anwendung
Insulin icodec (Awiqli) wird zur Behandlung von Diabetes mellitus bei Erwachsenen eingesetzt.
Wirkmechanismus
Insulin icodec ist ein langwirksames Insulin-Analogon, das durch seine spezielle Molekülstruktur eine verlängerte Wirkung aufweist. Nach subkutaner Injektion bindet Insulin icodec reversibel an Serumalbumin, wodurch ein zirkulierendes Depot im Blutplasma und im interstitiellen Raum gebildet wird. Aus diesem Depot wird Insulin icodec langsam und kontinuierlich freigesetzt, was eine stabile Glucose-senkende Wirkung über einen Zeitraum von etwa einer Woche ermöglicht.
Der pharmakologische Effekt von Insulin icodec beruht auf seiner Fähigkeit, an den Insulinrezeptor zu binden und diesen zu aktivieren. Dies führt zur Förderung der Glucoseaufnahme in periphere Gewebe, insbesondere in Skelettmuskulatur und Fettgewebe, sowie zur Hemmung der Glucoseproduktion in der Leber. Darüber hinaus hemmt Insulin icodec die Lipolyse und Proteolyse und fördert die Proteinsynthese, wodurch es eine umfassende metabolische Kontrolle ermöglicht.
Die verlängerte Halbwertszeit von Insulin icodec (etwa 196 Stunden) resultiert aus seiner stabilen Bindung an Albumin und der reduzierten Bindung und Clearance durch den Insulinrezeptor.

Pharmakokinetik
Resorption
- Insulin icodec bindet reversibel an Albumin, was eine langsame Freisetzung des Insulins aus der Blutbahn und dem interstitiellen Gewebe bewirkt.
- Der klinische Steady State wird nach 2-4 Wochen erreicht, je nachdem, ob eine Aufsättigungsdosis verwendet wird.
- Die wöchentliche intraindividuelle Variabilität der Gesamtexposition ist gering, mit einem Variationskoeffizienten von 5,90% bei Typ-2-Diabetes-Patienten.
Verteilung
- Insulin icodec zeigt eine hohe Affinität zu Serumalbumin, mit einer Plasmaproteinbindung von über 99%.
- Es gibt keine klinisch relevanten Unterschiede in der Pharmakokinetik von Insulin icodec in Abhängigkeit von den Serumalbuminspiegeln.
- In-vitro-Studien zeigen keine klinisch relevanten Wechselwirkungen mit Fettsäuren oder anderen proteingebundenen Arzneimitteln.
Biotransformation
- Der Abbau von Insulin icodec erfolgt ähnlich wie bei Humaninsulin.
- Alle gebildeten Metaboliten von Insulin icodec sind inaktiv.
Elimination
- Die Halbwertszeit von Insulin icodec beträgt etwa eine Woche, unabhängig von der Dosis.
Linearität
- Nach subkutaner Verabreichung zeigt Insulin icodec eine dosisproportionale Gesamtexposition im therapeutischen Bereich.
Geschlecht, ältere Personen, Nieren- und Leberfunktionsstörungen
- Die pharmakokinetischen Eigenschaften von Insulin icodec bleiben konsistent, unabhängig von Geschlecht, Alter (18-86 Jahre) sowie Nieren- oder Leberfunktionsstörungen.
- Es wurden keine klinisch relevanten Unterschiede in der Exposition zwischen verschiedenen demografischen Gruppen beobachtet.
Dosierung
Awiqli wird einmal wöchentlich subkutan in den Oberschenkel, den Oberarm oder die Bauchdecke injiziert. Awiqli darf nicht intravenös oder intramuskulär verabreicht werden, um schwere Hypoglykämien und Resorptionsprobleme zu vermeiden. Darüber hinaus darf es nicht in Insulininfusionspumpen verwendet werden. Es ist wichtig, dass die Verabreichung regelmäßig und ohne Unterbrechung erfolgt. Die Dosierung richtet sich nach dem individuellen Insulinbedarf des Patienten, und es stehen verschiedene Dosierungen zur Verfügung, die je nach Bedarf angepasst werden können.
Awiqli wird in folgenden Formen auf dem Markt erhältlich sein:
- Fertigpen mit 700 Einheiten Insulin icodec in 1 ml Lösung
- Fertigpen mit 1.050 Einheiten Insulin icodec in 1,5 ml Lösung
- Fertigpen mit 2.100 Einheiten Insulin icodec in 3 ml Lösung
Patienten sollten darauf hingewiesen werden, bei jeder Injektion eine neue Nadel zu verwenden. Eine Wiederverwendung der Nadeln kann das Risiko einer Verstopfung erhöhen, was zu Unter- oder Überdosierungen führen kann.
Nebenwirkungen
Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Insulin icodec gehören Hypoglykämie, Reaktionen an der Injektionsstelle und periphere Ödeme. In klinischen Studien traten Hypoglykämien insbesondere bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 häufiger auf.
Wechselwirkungen
Insulin icodec kann mit anderen Medikamenten interagieren, die den Glucosestoffwechsel beeinflussen, wie z.B. orale Antidiabetika, GLP-1-Rezeptoragonisten, bestimmte Blutdruckmedikamente, MAO-Hemmer, Betablocker, ACE-Hemmer, Salicylate, anabole Steroide und Sulfonamide.
Kontraindikationen
Insulin icodec darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen Insulin icodec oder einen der sonstigen Bestandteile des Medikaments.
Schwangerschaft
Es liegen keine klinischen Erfahrungen zur Anwendung von Insulin icodec bei schwangeren Frauen vor. Tierexperimentelle Studien mit Insulin icodec haben keine Hinweise auf embryotoxische oder teratogene Effekte ergeben. Aufgrund fehlender Erfahrungen während der Schwangerschaft muss Frauen im gebärfähigen Alter geraten werden, Insulin icodec abzusetzen, wenn sie schwanger werden oder eine Schwangerschaft planen.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Insulin icodec in die Muttermilch übergeht. Tierexperimentelle Daten bei Ratten zeigten, dass Insulin icodec in die Milch übergeht. Ein Risiko für das Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Es muss entschieden werden, ob auf das Stillen verzichtet wird oder ob die Behandlung mit Insulin icodec beendet wird. Dabei soll sowohl der Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau berücksichtigt werden.
Verkehrstüchtigkeit
Insulin icodec hat keinen oder nur einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen. Die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit des Patienten kann durch eine Hypoglykämie, Hyperglykämie oder beispielsweise infolge einer Sehstörung herabgesetzt sein. Dies kann ein Risiko darstellen, insbesondere in Situationen, in denen diese Fähigkeiten von besonderer Bedeutung sind (z. B. beim Führen eines Fahrzeugs oder beim Bedienen von Maschinen).
Patienten müssen angewiesen werden, Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung von Hypoglykämien beim Führen eines Fahrzeugs zu treffen. Dies ist besonders wichtig bei Patienten mit verringerter oder fehlender Wahrnehmung von Hypoglykämie-Warnzeichen oder bei häufigen hypoglykämischen Episoden. In diesen Fällen sollte sorgfältig abgewogen werden, ob das Führen eines Fahrzeugs ratsam ist.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Insulin icodec zu beachten:
- Rückverfolgbarkeit: Dokumentation des Medikamentennamens und der Chargennummer ist notwendig.
- Hypoglykämie: Risiko bei zu hoher Insulindosis, Auslassen von Mahlzeiten, körperlicher Anstrengung oder Alkoholkonsum. Symptome wie Schwitzen, Zittern, Verwirrung und Bewusstlosigkeit können auftreten.
- Hyperglykämie: Unzureichende Dosierung kann zu erhöhtem Blutzucker und diabetischer Ketoazidose führen. Symptome sind Durst, vermehrtes Wasserlassen und nach Aceton riechender Atem.
- Umstellung von anderen Insulinen: Ärztliche Überwachung erforderlich, um Dosisanpassungen und Medikationsfehler zu vermeiden.
- Lipodystrophie: Injektionsstellen regelmäßig wechseln, um Hautveränderungen und Insulinresorptionsstörungen zu vermeiden.
- Augenerkrankungen: Schnelle Blutzuckerkontrolle kann vorübergehend die Retinopathie verschlechtern, langfristig jedoch das Fortschreiten verlangsamen.
- Medikationsfehler: Etikett vor jeder Injektion überprüfen, besonders wichtig für sehbehinderte Patienten.
- Immunogenität: Insulin icodec kann die Bildung von Antikörpern verursachen, möglicherweise ist eine Dosisanpassung nötig.
- Kombination mit Pioglitazon: Bei gleichzeitiger Anwendung von Pioglitazon und Insulinpräparaten erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz; Überwachung auf Symptome erforderlich, bei Verschlechterung Therapie beenden.
Alternativen
Langwirksame Alternativen zu Insulin icodec, umfassen folgenden Insulinpräparate:
- Insulin glargin (Lantus®, Toujeo®, Abasaglar®, Semglee®): Ein langwirksames Insulinanalogon, das eine stabile Insulinfreisetzung über etwa 24 Stunden bietet.
- Insulin detemir (Levemir®): Ein weiteres langwirksames Insulinanalogon, das ebenfalls etwa 24 Stunden wirkt und zweimal täglich oder einmal täglich verabreicht werden kann, je nach Bedarf des Patienten.
- Insulin degludec (Tresiba®): Ein ultralangwirksames Basalinsulin, das eine Wirkdauer von über 42 Stunden aufweist.
- Fachinformation Awiqli
- Blair, Hannah A. "Insulin Icodec: First Approval." BioDrugs (2024): 1-8.
- Lingvay, Ildiko, et al. "Once-weekly insulin icodec vs once-daily insulin degludec in adults with insulin-naive type 2 diabetes: the ONWARDS 3 randomized clinical trial." JAMA 330.3 (2023): 228-237.










