Isofluran

Isofluran ist ein inhalatives Anästhetikum, das durch die Modulation der Aktivität von GABA-Rezeptoren und die Reduktion der Aktivität von NMDA-Rezeptoren im zentralen Nervensystem wirkt. Es wird in der Anästhesiologie zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer tiefen Narkose während chirurgischer Eingriffe verwendet.

Isofluran

Anwendung

Isofluran ist ein flüchtiges, halogeniertes Inhalationsanästhetikum zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Inhalationsnarkose.

Wirkmechanismus

Isofluran wirkt als inhalatives Anästhetikum, indem es multiple Zielstrukturen im zentralen Nervensystem beeinflusst, was zu einer allgemeinen Anästhesie führt. Es moduliert die Funktion von GABAA-Rezeptoren positiv, was zu einer verstärkten inhibitorischen Neurotransmission führt und die neuronale Erregbarkeit herabsetzt.

Gleichzeitig inhibiert Isofluran die Aktivität der N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Rezeptoren, was die glutamaterge erregende Neurotransmission reduziert.

Diese kombinierte Wirkung auf die GABAerge und glutamaterge Signalübertragung trägt zur Unterdrückung des Bewusstseins und zur Schmerzunempfindlichkeit bei.

Darüber hinaus beeinflusst Isofluran die Funktion von Kalium- und Calciumionenkanälen, was zu einer weiteren Stabilisierung des Membranpotentials und einer Verringerung der neuronalen Aktivität führt.

Dosierung

Einleitung der Narkose:

  • Anfangskonzentration von 0,5 Vol.-% Isofluran.
  • Konzentrationen von 1,3 – 3,0 Vol.-% für chirurgische Narkosetiefe innerhalb von 7 – 10 Minuten.
  • Einsatz von kurz wirkenden Barbituraten oder anderen Präparaten (Propofol, Etomidat, Midazolam) zur Vermeidung von Husten oder Laryngospasmen.

Aufrechterhaltung der Narkose:

  • Konzentration von 0,5 – 2,5 Vol.-% Isofluran mit Lachgas und Sauerstoff.
  • Bei Verwendung von reinem Sauerstoff sind höhere Konzentrationen erforderlich (1,0 – 3,5%).

Minimale alveoläre Konzentration (MAC) von Isofluran:

  • Erwachsene: variiert mit Alter und Sauerstoff-Lachgas-Mischung.
  • Pädiatrische Population: variiert mit Alter; spezifische Werte für verschiedene Altersgruppen und Sauerstoffkonzentrationen.

Ausleitung der Narkose:

  • Reduktion der Isofluran-Konzentration auf 0,5 Vol.-% gegen Ende des Eingriffs und auf 0 Vol.-% beim Verschließen der Wunde.
  • Ausspülen des Atemsystems mit 100%igem Sauerstoff bis zur vollständigen Erwachung des Patienten.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Isofluran umfassen Atemdepression, niedriger Blutdruck und Herzrhythmusstörungen.

Kontraindikationen

Isofluran darf nicht angewendet werden bei:

  • bekannter Überempfindlichkeit gegen Isofluran oder anderen halogenierten Anästhetika
  • bekannter bzw. erblich bedingter Neigung zu maligner Hyperthermie
  • Patienten, in deren Vorgeschichte es nach einer Narkose mit halogenierten Inhalationsanästhetika zu Leberfunktionsstörungen, Ikterus, unklaren Fieberzuständen, Leukozytose oder Eosinophilie gekommen ist

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Isofluran zu beachten:

  • Anwendung nur durch Fachpersonal: Isofluran darf nur von ausgebildeten Anästhesisten mit speziell kalibriertem Verdampfer verabreicht werden, um die genaue Konzentration zu steuern. Notfallausrüstung muss bereitstehen.
  • Vorsicht bei wiederholter Anwendung: Kurzfristige wiederholte Anwendung erfordert besondere Vorsicht.
  • Hypotonie und Atemdepression: Diese Effekte verstärken sich mit zunehmender Narkosetiefe. Nur präzise Verdampfer verwenden.
  • QT-Verlängerung und Torsade-de-pointes-Tachykardie: Bei Risikopatienten ist Vorsicht geboten.
  • Leberschädigung: Risiko von leichten bis letalen Leberschäden. Besondere Vorsicht bei früherer Exposition mit halogenierten Anästhetika.
  • Atemdepression: Kann durch prämedikative oder andere atemdepressive Stoffe verstärkt werden.
  • Neuromuskuläre Erkrankungen: Bei Myasthenia gravis kann die neuromuskuläre Blockade verstärkt werden.
  • Erhöhter intrakranieller Druck: Vorsicht bei Patienten mit erhöhtem Druck; Hyperventilation kann erforderlich sein.
  • Bronchokonstriktion: Vorsicht bei Patienten, die zu Bronchospasmen neigen.
  • Hypovolämie, Hypotonie oder Schwäche: Niedrigere Konzentrationen von Isofluran werden empfohlen.
  • Koronare Herzkrankheit: Aufrechterhaltung einer normalen Hämodynamik ist wichtig.
  • Maligne Hyperthermie: Bei Anzeichen sofortiges Absetzen von Isofluran und Behandlung mit Dantrolen-Natrium.
  • Hyperkaliämie: Vorsicht bei der Anwendung von Isofluran bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Hyperkaliämie.
  • Geistige Leistungsfähigkeit: Kann in den ersten Tagen nach der Anästhesie beeinträchtigt sein.
  • Muskelrelaxanzien: Die Wirkung wird durch Isofluran verstärkt.
  • Schleimhautreizung: Kann die Anwendung bei Kindern erschweren und zu Laryngospasmen führen.
  • Kinder unter zwei Jahren: Sollte nur mit besonderer Vorsicht eingesetzt werden.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
184.49 g·mol-1
Autor:
Stand:
13.03.2024
Quelle:
  1. Fachinformation Isofluran Baxter
  2. Geisslinger, Gerd, et al. "Mutschler Arzneimittelwirkungen." (2020).
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