Lecanemab

Lecanemab ist ein Anti-Amyloid-Antikörper zur Behandlung erwachsener Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder leichter Alzheimer-Demenz bei bestätigter Amyloid-Pathologie. Er bindet Amyloid-Beta-Aggregate und reduziert die Plaquebelastung im Gehirn.

Anwendung

Lecanemab ist ein Antidementivum aus der Gruppe der Anti-Amyloid-Antikörper. Der Wirkstoff wird eingesetzt zur Behandlung erwachsener Patienten mit klinisch diagnostizierter leichter kognitiver Beeinträchtigung oder leichter Demenz infolge einer Alzheimer-Erkrankung und bestätigter Amyloid-Pathologie, die ApoE-ε4-Nichtträger oder heterozygote Träger sind.

Anwendungsart

Lecanemab ist zur intravenösen Verabreichung vorgesehen und wird alle zwei Wochen über einen Zeitraum von einer Stunde infundiert. Nach der ersten Gabe sollte der Patient etwa 2,5 Stunden lang auf mögliche infusionsbedingte Reaktionen überwacht werden. Vor der Anwendung ist Lecanemab zu verdünnen.

Wirkmechanismus

Lecanemab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper des Subtyps IgG1, der bevorzugt an lösliche Amyloid-Beta-Protofibrillen sowie aggregierte Formen bindet. Durch diese Bindung wird der Abbau von Amyloid-Plaques im Gehirn gefördert und die Amyloid-Belastung verringert.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Lecanemab wird intravenös verabreicht, eine Resorption lässt sich somit nicht beschreiben.

Verteilung

  • Das mittlere Verteilungsvolumen im Steady-State beträgt etwa 5,5 Liter (Bereich 5,14–5,93 l).
  • Lecanemab zeigt eine lineare Pharmakokinetik im therapeutischen Dosisbereich.

Metabolismus

  • Lecanemab ist ein monoklonaler Antikörper, der gegen lösliche und unlösliche Amyloid-Beta-Aggregate gerichtet ist.
  • Der Abbau erfolgt nicht über hepatische Enzymsysteme oder zytokinmodulierte Stoffwechselwege.

Elimination

  • Der Wirkstoff wird über proteolytische Enzyme auf physiologische Weise wie körpereigene Immunglobuline (IgG) abgebaut.
  • Die Clearance beträgt etwa 0,37 Liter pro Tag (Bereich 0,353–0,384 l/Tag).
  • Die Eliminationshalbwertszeit liegt zwischen 5 und 7 Tagen.
  • Die Ausscheidung erfolgt über die normalen Abbauwege von Immunglobulinen und wird durch eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion nicht wesentlich beeinflusst.
  • Laborparameter wie ALT, AST, ALP, Gesamtbilirubin und Kreatinin-Clearance haben keinen erkennbaren Einfluss auf die Pharmakokinetik.

Dosierung

Therapiebeginn und Überwachung

Die Therapie soll durch Ärzte erfolgen, die Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung der Alzheimer-Krankheit besitzen und über die Möglichkeit verfügen, zeitnah MRT-Untersuchungen durchzuführen. Die Infusionen sind von geschultem Fachpersonal zu verabreichen, das mit der Überwachung und Behandlung infusionsbedingter Reaktionen vertraut ist. Patienten, die Lecanemab erhalten, müssen eine Patientenkarte ausgehändigt bekommen und über die potenziellen Risiken der Behandlung informiert werden.

ApoE-ε4-Testung

Vor Beginn der Therapie ist eine ApoE-ε4-Genotypisierung mit einem CE-gekennzeichneten In-vitro-Diagnostikum erforderlich. Wenn kein solches Verfahren verfügbar ist, kann ein validiertes alternatives Testverfahren eingesetzt werden. Die Testung dient der individuellen Abschätzung des ARIA-Risikos. Patienten müssen vorab beraten werden und ihre Einwilligung erteilen.

Dosierung

  • Empfohlene Dosis: 10 mg/kg Körpergewicht als intravenöse Infusion alle 2 Wochen.
  • Die Therapie soll bei Progression zu einer mittelschweren Alzheimer-Demenz beendet werden.
  • Während der Behandlung sollte etwa alle 6 Monate eine Beurteilung der kognitiven Funktion und der klinischen Symptome erfolgen.

Überwachung auf ARIA (Amyloid-related Imaging Abnormality)

  • Vor Therapiebeginn ist ein aktuelles MRT (nicht älter als 6 Monate) erforderlich, um vorbestehende ARIA (Amyloid-related Imaging Abnormality) auszuschließen.
  • MRT-Kontrollen erfolgen vor der 3., 5., 7. und 14. Infusion, idealerweise innerhalb einer Woche vor der jeweiligen Gabe.
  • Bei Symptomen, die auf ARIA hinweisen, ist eine zusätzliche klinische und radiologische Beurteilung notwendig.

Anpassung bei ARIA-E (Amyloid-related Imaging Abnormality-Edema)

  • Leicht und asymptomatisch: Fortsetzung der Therapie möglich.
  • Symptomatisch oder radiologisch moderat bzw. schwer: Dosisgabe unterbrechen, Kontroll-MRT nach 2–4 Monaten.
  • Wiederauftretende moderate oder schwere ARIA-E: Behandlung dauerhaft beenden.

Anpassung bei ARIA-H (Amyloid-related Imaging Abnormality-Hemorrhage)

  • Leicht und asymptomatisch: Fortsetzung möglich.
  • Symptomatisch leicht bzw. moderat oder radiologisch moderat: Therapie pausieren, Kontroll-MRT nach 2–4 Monaten.
  • Schwere ARIA-H: Behandlung dauerhaft beenden.

Anpassung bei intrazerebraler Blutung:

  • Bei Blutungen >1 cm Durchmesser Therapie dauerhaft absetzen.

Nebenwirkungen

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Lecanemab auftreten können, zählen:

  • Kopfschmerzen
  • ARIA (Amyloid-related Imaging Abnormality)
  • ARIA-H (Amyloid-related Imaging Abnormality-Hemorrhage)
  • ≤ 10 zerebrale Mikroblutungen
  • Infusionsbedingte Reaktionen

Häufige Nebenwirkungen, die potenziell unter Lecanemab auftreten können, umfassen:

  • (Verzögerte) Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Symptomatische ARIA-H (Amyloid-related Imaging Abnormality-Hemorrhage)
  • > 10 zerebrale Mikroblutungen
  • Superfizielle Siderose
  • ARIA-E (Amyloid-related Imaging Abnormality-Edema)
  • Symptomatische ARIA-E
  • Vorhofflimmern
  • Übelkeit

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Lecanemab zu beachten

  • Es wurden keine spezifischen Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln durchgeführt.
  • Lecanemab wird über die physiologischen Abbauwege von Immunglobulinen eliminiert. Die gleichzeitige Gabe von niedermolekularen Substanzen beeinflusst diesen Prozess voraussichtlich nicht. Aufgrund dieses Abbauwegs sind keine pharmakokinetischen Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen zu erwarten, ebenso wenig eine Beeinflussung ihrer Konzentration oder Wirkung.
  • Bei Patienten, die gleichzeitig Antikoagulanzien oder Thrombolytika erhalten, kann das Risiko intrazerebraler Blutungen unter Lecanemab erhöht sein. In solchen Fällen ist besondere Vorsicht geboten und eine engmaschige klinische Überwachung erforderlich.

Kontraindikationen

Die folgenden Kontraindikationen sind bei der Anwendung von Lecanemab zu beachten:

  • Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff
  • Patienten mit unzureichend kontrollierten Blutungsstörungen
  • Nachweis einer intrazerebralen Blutung, mehr als vier Mikroblutungen, superfizieller Siderose, vasogenem Ödem oder MRT-Befunden, die auf eine zerebrale Amyloidangiopathie (CAA) hinweisen
  • Laufende Behandlung mit Antikoagulanzien

Schwangerschaft

Zur Anwendung von Lecanemab in der Schwangerschaft liegen keine klinischen oder tierexperimentellen Daten vor. Da humanes Immunglobulin G (IgG) ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel die Plazenta passieren kann, ist ein Übertritt von Lecanemab auf den Fötus möglich. Die Auswirkungen auf die fetale Entwicklung sind unbekannt. Aus Vorsicht wird die Anwendung während der Schwangerschaft nicht empfohlen.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Lecanemab in die Muttermilch übergeht oder welche Effekte es auf gestillte Säuglinge oder die Milchproduktion hat. Da humanes IgG in den ersten Tagen nach der Geburt in die Muttermilch übertritt, kann ein Risiko für den Säugling nicht ausgeschlossen werden. Es sollte individuell entschieden werden, ob das Stillen unterbrochen oder die Behandlung beendet wird, wobei der Nutzen des Stillens und der therapeutische Nutzen für die Mutter gegeneinander abzuwägen sind.

Verkehrstüchtigkeit

Lecanemab beeinflusst die Fähigkeit zum Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen nicht oder nur in geringem Maße. Patienten sollten jedoch vorsichtig sein, wenn während der Behandlung Schwindel oder Verwirrtheit auftreten.
 

Autor:
Stand:
01.11.2025
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
  2. Scholz et al., Taschenbuch der Arzneibehandlung, 2005, Springer
  3. Fachinformationen des Lecanemab-Herstellers Eisai (LEQEMBI 100 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung).
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