Mebendazol

Mebendazol ist ein Breitspektrum-Antihelminthikum, das durch Hemmung der Glukoseaufnahme parasitärer Würmer und Störung ihrer Mikrotubuli-Synthese wirkt, was zu deren Energieverlust und letztendlich zum Tod des Parasiten führt. Es wird vorrangig eingesetzt zur Behandlung von Infektionen durch Rundwürmer wie Spulwürmer, Hakenwürmer, Peitschenwürmer und Madenwürmer.

Mebendazol

Anwendung

Mebendazol wird angewendet zur Behandlung verschiedener Wurminfektionen:

  • Enterobiasis (Oxyuriasis) auch bekannt als Oxyuriasis oder Madenwurminfektion, wird durch den Parasiten Enterobius vermicularis verursacht. Diese Würmer leben im Dickdarm und Rektum.
  • Askariasis wird durch den Rundwurm Ascaris lumbricoides hervorgerufen. Diese Parasiten können Darmblockaden und -beschwerden verursachen.
  • Trichuriasis: Verursacht durch den Peitschenwurm Trichuris trichiura, kann Trichuriasis Bauchschmerzen, Diarrhoe und in schweren Fällen Wachstumsstörungen bei Kindern verursachen.
  • Ankylostomiasis, verursacht durch Hakenwürmer wie Ancylostoma duodenale und Necator americanus, führt zu Eisenmangelanämie und Proteinverlust.
  • Strongyloidiasis, ausgelöst durch den Parasiten Strongyloides stercoralis, kann zu Bauchschmerzen, Diarrhoe und in chronischen Fällen zu schwerwiegenderen Problemen führen.
  • Taeniasis ist eine Bandwurminfektion, die durch die Aufnahme von Taenia solium (Schweinebandwurm) oder Taenia saginata (Rinderbandwurm) aus kontaminiertem Fleisch entsteht.

Wirkmechanismus

Mebendazol wirkt als Breitspektrum-Antihelminthikum, indem es gezielt in die zelluläre Funktion von Helminthen eingreift. Der primäre Wirkmechanismus basiert auf der Hemmung der Mikrotubuli-Polymerisation innerhalb der Zellen der Parasiten durch eine spezifische Bindung an das Protein Tubulin. Dies führt zur Störung essenzieller zellulärer Prozesse, insbesondere der Glukoseaufnahme und des Transports, was einen kritischen Energiemangel für den Parasiten zur Folge hat.

Ohne die Fähigkeit, Energie in Form von Glukose zu metabolisieren, verlieren die Würmer ihre Beweglichkeit und Reproduktionsfähigkeit, was letztlich zu ihrem Tod führt. Darüber hinaus beeinträchtigt Mebendazol die Bildung der exkretorischen Zellen der Würmer, was deren Ausscheidungsprozesse stört und zur Akkumulation von toxischen Substanzen innerhalb des Parasiten führt.

Dosierung

Erwachsene:

  • Enterobiasis: 1 Tablette täglich (100 mg Mebendazol) für 3 Tage. Empfohlen wird die Wiederholung der Behandlung nach 2 und 4 Wochen.
  • Askariasis/Trichuriasis/Ankylostomiasis: Morgens und abends je 1 Tablette (200 mg Mebendazol täglich) für 3 (bis 4 bei Trichuriasis) Tage.
  • Taeniasis: 3 Tage lang, morgens und abends je 3 Tabletten (600 mg täglich), alternativ 4 Tage je 2 Tabletten (400 mg täglich).
  • Strongyloidiasis: 3 Tage lang, morgens und abends je 3 Tabletten (600 mg Mebendazol täglich).

Kinder und Jugendliche (≥ 2 bis 16 Jahre):

  • Enterobiasis/Askariasis/Trichuriasis/Ankylostomiasis: Dosis entspricht der von Erwachsenen.
  • Taeniasis/Strongyloidiasis: Begrenzte Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit. Bei fehlenden Alternativen wird die gleiche Dosis wie bei Erwachsenen empfohlen (200 mg Mebendazol täglich für 3 Tage).

Nebenwirkungen

Eine häufige Nebenwirkung von Mebendazol sind Abdominalschmerzen.

Wechselwirkungen

Bei der Anwendung von Mebendazol sind folgende Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen zu beachten:

  • Metronidazol: Die gleichzeitige Verabreichung dieser beiden Medikamente sollte vermieden werden, da sie zu unerwünschten Reaktionen führen kann.
  • Cimetidin: Die Kombination mit Cimetidin kann den Abbau von Mebendazol in der Leber verlangsamen, was zu erhöhten Plasmakonzentrationen von Mebendazol führt, besonders bei längerer Anwendungsdauer.
  • Enzyminduktoren: Gleichzeitige Behandlung mit Enzyminduktoren wie Phenytoin und Carbamazepin kann die Plasmakonzentrationen von Mebendazol verringern, was die Wirksamkeit von Mebendazol beeinträchtigen könnte.
  • Ritonavir: Eine langfristige Behandlung mit Ritonavir kann zu einem signifikanten Rückgang der Aufnahme von Mebendazol führen, was dessen Effektivität reduzieren kann.

Kontraindikationen

Mebendazol darf nicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff angewendet werden.

Schwangerschaft

Mebendazol steht in Verdacht, Erbschäden zu verursachen und sollte daher nicht während der Schwangerschaft, insbesondere während des ersten Trimesters, angewendet werden, es sei denn, dies ist nach ärztlicher Konsultation unter strenger Nutzen-Risiko- Abwägung dringendst erforderlich.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Mebendazol zu beachten:

  • Hämatologische Parameter / Leber- und Nierenfunktionsstörungen: Seltene Fälle von reversiblen Leberfunktionsstörungen, Hepatitis und Neutropenie wurden bei Behandlung mit Standarddosierungen von Mebendazol berichtet. Bei höheren Dosierungen können zudem Glomerulonephritis und Agranulozytose auftreten. Bei Patienten mit Leberinsuffizienz ist Vorsicht geboten und eine regelmäßige Überwachung der Leberfunktion notwendig. Symptome einer Lebererkrankung erfordern das sofortige Abbrechen der Behandlung.
  • Wechselwirkungen: Es gibt Hinweise auf eine mögliche Wechselwirkung zwischen Mebendazol und Metronidazol, die zu Stevens-Johnson-Syndrom/toxisch epidermaler Nekrolyse führen kann. Die Kombination beider Medikamente sollte vermieden werden. Die gleichzeitige Anwendung von Mebendazol mit Immunsuppressiva, besonders Glukokortikoiden, kann das Krankheitsbild bei invasiven Parasiten wie Strongyloidiasis negativ beeinflussen.
  • Empfängnisverhütung: Wegen des theoretischen Risikos einer Genommutation sollten sowohl weibliche als auch männliche Patienten während der Behandlung mit Mebendazol eine wirksame Verhütungsmethode anwenden.
  • Kinder und Jugendliche: Sehr seltene Fälle von Krampfanfällen wurden bei der Behandlung von Kindern, einschließlich Säuglingen unter einem Jahr, berichtet. Mebendazol sollte bei Kindern zwischen 1 und 2 Jahren nur angewendet werden, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt. Bei Kindern unter einem Jahr wird die Anwendung von Mebendazol aufgrund fehlender Sicherheitsdaten nicht empfohlen.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
295.29 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 1.0 H
Q0-Wert:
0.9
Autor:
Stand:
05.03.2024
Quelle:

Fachinformation Vermox

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden