Miglustat

Miglustat ist ein Arzneistoff der zur Behandlung zweier lysosomaler Speicherkrankheiten angewendet wird: Morbus Gaucher des Typs 1 und Niemann-Pick-Krankheit Typ C. Der Arzneistoff ist im Gegensatz zu den anderen Medikamenten, die zur Therapie des Morbus Gaucher verabreicht werden oral bioverfügbar.

Miglustat

Anwendung

Anwendungsgebiete

  • leichte bis mittelschwere Form der Gaucher-Krankheit des Typs 1 (Miglustat darf nur zur Behandlung von Patienten verwendet werden, die für eine Enzymersatztherapie nicht in Frage kommen)

Anwendungsform

  • Miglustat ist in Form von Hartkapseln auf dem deutschen Markt verfügbar.

Handelsnamen

Miglustat Bluefish, Zavesca

Wirkmechanismus

  • Die Gaucher-Krankheit ist eine erblich übertragene Stoffwechselerkrankung, die auf einer Abbaustörung von Glukosylzeramid beruht.
  • Bei der Erkrankung kommt es zu einer lysosomalen Speicherung dieses Stoffes und dadurch zu einem breitgefächerten Krankheitsbild.
  • Miglustat hemmt die Glukosylzeramidsynthase, die für den ersten Schritt in der Synthese der meisten Glykolipide verantwortlich ist.

Pharmakokinetik

  • Die Kinetik von Miglustat scheint sich linear zur Dosis zu verhalten und ist zeitunabhängig.
  • Bei gesunden Patienten wird Miglustat rasch resorbiert.
  • Maximale Plasmakonzentrationen werden ungefähr 2 Stunden nach Einnahme erreicht.
  • Die absolute Bioverfügbarkeit wurde nicht bestimmt.
  • Die gleichzeitige Verabreichung einer Mahlzeit senkt die Resorptionsrate, hat jedoch keine statistisch signifikante Auswirkung auf das Ausmaß der Resorption von Miglustat.
  • Miglustat bindet nicht an Plasmaproteine und wird vorwiegend renal eliminiert, wobei 70 bis 80 Prozent der Dosis unverändert im Urin wiedergefunden werden.
  • Die durchschnittliche Halbwertszeit liegt bei 6 bis 7 Stunden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen in klinischen Studien waren:

  • Diarrhoe
  • Blähungen
  • Bauchschmerzen
  • Gewichtsverlust
  • Tremor

Die häufigste schwerwiegende Nebenwirkung in klinischen Studien mit Miglustat war periphere Neuropathie.

Wechselwirkungen

  • Enzymsubstitutionstherapie mit Imiglucerase ► verringerte Plasmakonzentration von Miglustat möglich.

Kontraindikationen

  • Bekannte Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.

Schwangerschaft/Stillzeit

  • Es liegen keine hinreichenden Daten über die Verwendung von Miglustat bei Schwangeren vor.
  • Tierexperimentelle Studien haben Reproduktionstoxizität einschließlich Störungen des Geburtsvorgangs gezeigt.
  • Das potenzielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt.
  • Miglustat passiert die Plazentaschranke und darf nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Miglustat in die Muttermilch sezerniert wird. Daher sollte Miglustat während der Stillzeit nicht angewendet werden.

Anwendungshinweise

Magen-Darm-Störungen

  • Bei mehr als 80 Prozent der Patienten wurden gastrointestinale Störungen, hauptsächlich Durchfall, beobachtet. Diese Störungen traten entweder zu Beginn der Behandlung oder intermittierend während der Behandlung auf.

Fertilität

  • Studien an Ratten haben gezeigt, dass Miglustat Spermien-Parameter (Motilität und Morphologie) beeinträchtigt und damit die Fertilität reduziert.
  • Bis weitere Daten vorliegen wird empfohlen, dass männliche Patienten vor dem Versuch ein Kind zu zeugen, die Therapie mit Miglustat unterbrechen und dann noch weitere 3 Monate verlässliche Methoden der Empfängnisverhütung anwenden.

Empfängnisverhütung

Frauen im gebärfähigen Alter und männliche Patienten sollten eine zuverlässige Methode der Empfängnisverhütung während der Behandlung mit Miglustat anwenden.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
219.28 g·mol-1
Autor:
Stand:
11.04.2017
Quelle:

Fachinformation Miglustat

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