Milrinon

Milrinon ist ein PDE-III-Hemmer mit inotropen, lusitropen und gefäßerweiternden Eigenschaften, der zur Kurzzeitbehandlung von akuter dekompensierter Herzinsuffizienz eingesetzt wird.

Milrinon

Anwendung

Milrinon ist bei Erwachsenen indiziert für die Kurzzeitbehandlung (48 Stunden) einer schweren Herzinsuffizienz, wenn die Patienten auf die übliche Erhaltungstherapie (Herzglykoside, Diuretika, Vasodilatatoren und/oder ACE-Hemmer) nicht ansprechen.

Bei Kindern wird der Wirkstoff für die Kurzzeitbehandlung (bis zu 35 Stunden) bei schwerer Herzinsuffizienz angewendet, wenn diese auf die übliche Erhaltungstherapie (Herzglykoside, Diuretika, Vasodilatatoren und/oder ACE-Hemmer) nicht ansprechen. Darüber hinaus wird Milrinon bei Kindern für die Kurzzeitbehandlung (bis zu 35 Stunden) von akuter Herzinsuffizienz einschließlich Low-Cardiac-Output-Syndrom nach Herzoperation eingesetzt.

Anwendungsart

Milrinon ist für die intravenöse Anwendung vorgesehen.

Wirkmechanismus

Milrinon ist ein partiell kompetitiver Inhibitor der Phosphodiesterase III (PDE-III) mit einem IC50-Wert zwischen 0,66 und 1,3 μM. Als PDE-III-Inhibitor führt Milrinon zu einem Anstieg des intrazellulären cAMP, das für seine pharmakologischen Wirkungen verantwortlich ist, einschließlich positiver Inotropie, positiver Lusitropie und Vasodilatation.

Da Milrinon die cAMP-Spiegel über PDE-III und nicht über β-adrenerge Rezeptoren beeinflusst, ist es bei Patienten mit herunterregulierten oder anderweitig desensibilisierten β-adrenergen Rezeptoren wirksam und kann zusammen mit β-Agonisten/Antagonisten verabreicht werden.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Bei Applikation als intravenöse Bolusdosis von 10–100 μg/kg löst Milrinon innerhalb von 60 Sekunden hämodynamische Wirkungen aus und erreicht maximale Wirkungen nach 2–5 Minuten.
  • Die Plasma-AUC ist signifikant dosisabhängig.

Verteilung

  • Milrinon, das Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz intravenös verabreicht wurde, hatte ein Verteilungsvolumen von 0,38 l/kg (Injektionen zwischen 12,5 – 125 μg/kg) und 0,45 l/kg (Infusionen zwischen 0,2 – 0,7 μg/kg/min.
  • Milrinon wird zu etwa 70% an menschliche Plasmaproteine gebunden.

Metabolisierung

  • Tierexperimentelle Studien deuten darauf hin, dass zwei oxidative Wege am Metabolismus von Milrinon beteiligt sind.
  • Hauptmetabolit ist ein O-Glucuronid-Metabolit.

Elimination

  • Milrinon wird hauptsächlich renal eliminiert wobei 60% einer Dosis nach zwei Stunden und 90% innerhalb von acht Stunden wiedergefunden werden.
  • Ungefähr 83% des im Urin wiedergefundenen Milrinons sind unverändert, während 12% als O-Glucuronid vorliegen.
  • Milrinone, das Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz intravenös verabreicht wurde, besaß eine mittlere terminale Eliminationshalbwertszeit von 2,3 Stunden (Injektionen zwischen 12,5 – 125 μg/kg) und 2,4 Stunden (Infusionen zwischen 0,2 – 0,7 μg/kg/min).
  • Die Clearance wurde bei diesen Patienten mit 0,13 l/kg/h (Injektionen zwischen 12,5–125 μg/kg) und 0,14 l/kg/h (Infusionen zwischen 0,2–0,7 μg/kg/min angegeben.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sollen bei der Anwendung von Milrinon beachtet werden:

  • Diuretika: Die Wirkung von Milrinon und Diuretika kann sich gegenseitig verstärken. Eine Verbesserung des Herzzeitvolumens und die daraus resultierende Diurese können eine Reduktion der Diuretikadosierung erforderlich machen.
  • Kaliumverluste aufgrund einer starken Diurese können das Auftreten von Arrhythmien bei mit Digitalis behandelten Patienten begünstigen. Einer Hypokaliämie sollte deshalb durch Kaliumgaben vor oder während der Behandlung mit Milrinon vorgebeugt werden.
  • Inotrope Substanzen (z. B. Dobutamin): die positive inotrope Wirkung kann verstärkt werden.

Kontraindikationen

Milrinon darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Schwerer Hypovolämie

Schwangerschaft

Obwohl Tierversuche keine Hinweise auf eine arzneimittelinduzierte fetale Schädigung oder sonstige Beeinträchtigungen der Reproduktionsfähigkeit erbrachten, konnte die Sicherheit von Milrinon in der Schwangerschaft noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Deshalb sollte Milrinon in der Schwangerschaft nur verabreicht werden, wenn der mögliche Nutzen das potenzielle Risiko für den Fötus rechtfertigt.

Stillzeit

Es liegen keine ausreichenden Informationen über die Ausscheidung von Milrinon in der Muttermilch vor, wehslab der Wirkstoff während der Stillzeit nicht angewendet werden oder oder das Stillen unterbrochen werden sollte.

Hierbei soll zwischen dem Nutzen des Stillens für das Kind und dem Nutzen der Therapie für die Frau abgewogen werden.

Alternativen

Ein weiterer Phosphodiesterasehemmer mit gleichem Indikationsgebiet ist Enoximon. Enoximon besitzt jedoch im Gegensatz zu Milrinon eine sehr lange Halbwertszeit im Bereich von mehreren Stunden, weshalb der Wirkstoff für den Akuteinsatz, z. B. im Rahmen einer Operation, nicht geeignet ist. Diesen Nachteil weist Milrinon mit einer Halbwertszeit von etwa 20 Minuten nicht auf, was die gute Steuerbarkeit und die günstige therapeutische Breite des Medikaments bedingt.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
211.22 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 2.3 H
Q0-Wert:
0.17
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
16.12.2022
Quelle:
  1. Fachinformation Milrinon Rotexmedica
  2. DrugBank: Milrinone, zuletzt abgerufen am 16.12.2022
  3. Gdynia, Hans-Jürgen. Der Einfluss des Phosphodiesterase-III-Inhibitors Milrinon auf die rechtsventrikuläre Pumpfunktion des ischämischen, isolierten Rattenherzens. Diss. Jena, Univ., Diss., 2004, 2004.
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