Mitotan
Mitotan ist ein adrenolytisches Medikament, das selektiv die adrenokortikalen Zellen angreift und in der Behandlung des adrenokortikalen Karzinoms eingesetzt wird. Durch seine zytotoxische Wirkung führt es zur Apoptose der Tumorzellen und wird vorrangig bei fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung angewandt.
Mitotan: Übersicht

Anwendung
Mitotan ist indiziert zur symptomatischen Behandlung des fortgeschrittenen, nicht-resezierbaren, metastasierenden oder rezidivierenden Nebennierenrindenkarzinoms (adrenokortikales Karzinom).
Wirkmechanismus
Der Wirkmechanismus von Mitotan beruht auf seiner Fähigkeit, selektiv adrenokortikale Zellen zu zerstören, was hauptsächlich durch Induktion von Apoptose und Zytolyse in diesen Zellen erreicht wird. Mitotan beeinflusst die Steroidbiosynthese, indem es die Enzymaktivität in der Nebennierenrinde hemmt, was zu einer reduzierten Produktion von Cortisol und anderen Steroidhormonen führt. Diese Hemmung der Steroidproduktion ist besonders nützlich bei der Kontrolle der Symptome des Hormonüberschusses, der oft mit adrenokortikalem Karzinom assoziiert ist.
Darüber hinaus wird angenommen, dass Mitotan die Permeabilität der Mitochondrienmembran in den adrenokortikalen Zellen verändert, was zu einer energetischen Erschöpfung und letztendlich zum Zelltod führt. Es hat auch immunmodulatorische Effekte, die zur antitumoralen Aktivität beitragen können, indem es das Immunsystem des Körpers indirekt moduliert, um gegen die Tumorzellen vorzugehen.
Dosierung
Dosierung von Mitotan bei Erwachsenen:
- Startdosis: 2 - 3 g pro Tag
- Erhöhung: Schrittweise, z.B. alle zwei Wochen, bis ein Plasmaspiegel von 14 – 20 mg/l erreicht ist
Bei hoch symptomatischen Patienten:
- Höhere Startdosis: 4 - 6 g pro Tag
- Schnellere Dosiserhöhung: Möglich, z.B. jede Woche
- Eine Anfangsdosis über 6 g/Tag wird im Allgemeinen nicht empfohlen.
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Mitotan zu beachten:
- Spironolacton: Die Kombination mit Mitotan ist zu vermeiden, da Spironolacton die Wirkung von Mitotan blockieren kann.
- Warfarin und Antikoagulanzien des Cumarin-Typs: Mitotan kann den Metabolismus dieser Medikamente beschleunigen, was einen erhöhten Bedarf an Warfarin zur Folge haben kann. Eine genaue Überwachung der Antikoagulanzien-Dosierung ist erforderlich.
- Durch Cytochrom P450 verstoffwechselte Substanzen: Mitotan kann die Aktivität von Cytochrom P450 Enzymen induzieren, was die Plasmakonzentrationen von Medikamenten, die über diesen Weg verstoffwechselt werden, beeinflussen kann. Besondere Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Verordnung von Medikamenten wie Antikonvulsiva, Rifabutin, Rifampicin, Griseofulvin und Johanniskraut.
- Auf das Zentralnervensystem wirkende Arzneimittel: Bei hohen Konzentrationen kann Mitotan Nebenwirkungen im Zentralnervensystem auslösen. Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Anwendung von Medikamenten, die eine dämpfende Wirkung auf das ZNS haben.
- Fettreiche Nahrungsmittel: Die Einnahme von Mitotan zusammen mit fettreichen Nahrungsmitteln kann die Resorption des Medikaments erhöhen.
- Hormonbindungsprotein: Mitotan erhöht den Plasmaspiegel von Hormonbindungsproteinen wie SHBG und CBG, was bei der Interpretation von Hormon-Assays berücksichtigt werden sollte und zu Gynäkomastie führen kann.
Kontraindikationen
Mitotan besitzt folgende Kontraindikationen:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile des jeweiligen Arzneimittles
- Stillzeit
- Gleichzeitige Anwendung von Spironolacton
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Mitotan zu beachten:
- Vor Behandlungsbeginn: Große metastatische Tumormassen sollten chirurgisch entfernt werden, um das Risiko eines Tumorinfarkts oder einer Tumorblutung zu minimieren.
- Risiko einer Nebenniereninsuffizienz: Bei den meisten Patienten kann eine Nebenniereninsuffizienz auftreten, was eine Steroidzufuhr notwendig macht. Die Überwachung des freien Kortisols und ACTH ist für die optimale Steroid-Substitution erforderlich.
- Schock, schweres Trauma oder Infektion: Mitotan sollte in diesen Fällen vorübergehend abgesetzt und exogene Steroide sollten angewendet werden. Patienten müssen ihren Arzt bei Verletzung, Infektion oder anderen Erkrankungen sofort kontaktieren und eine Lysodren-Patientenkarte mitführen.
- Überwachung des Plasmaspiegels: Der Mitotanspiegel im Plasma muss regelmäßig überwacht werden, um die Dosis anzupassen und Nebenwirkungen zu vermeiden.
- Eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion: Bei Patienten mit stark eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion liegen keine ausreichenden Daten vor. Vorsicht ist geboten und eine regelmäßige Überwachung wird empfohlen.
- Hepatotoxizität: Leberfunktionstests sollten regelmäßig durchgeführt werden, besonders bei Dosiserhöhungen oder während der ersten Behandlungsmonate.
- Mitotanakkumulation im Gewebe: Fettgewebe kann Mitotan speichern, was zu einer verlängerten Halbwertzeit führen kann. Eine regelmäßige Überwachung der Mitotanspiegel ist auch nach einer Behandlungsunterbrechung erforderlich.
- Erkrankungen des Zentralnervensystems: Langfristige hohe Dosen von Mitotan können zu reversiblen Hirnschäden führen. Regelmäßige neurologische Beurteilungen sind erforderlich.
- Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems: Die Überwachung der Blutzellen ist während der Behandlung notwendig, da Leukopenie, Anämie und Thrombozytopenie auftreten können.
- Blutungszeit: Bei Patienten kann eine verlängerte Blutungszeit auftreten, was vor chirurgischen Eingriffen berücksichtigt werden muss.
- Warfarin und Antikoagulanzien des Cumarin-Typs: Eine genaue Überwachung ist erforderlich, da Mitotan den Bedarf an Antikoagulanzien ändern kann.
- Cytochrom P450 und insbesondere Cytochrom 3A4: Mitotan ist ein Leberenzym-Induktor und kann die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen.
- Frauen im gebärfähigen Alter: Eine zuverlässige Verhütungsmethode ist während der Behandlung notwendig.
- Pädiatrische Patienten: Eine Überprüfung der Schilddrüsenfunktion ist bei Kindern und Jugendlichen erforderlich, um eine mögliche Beeinträchtigung durch Mitotan zu erkennen.
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Lysodren
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Lysodren 500 mg Abacus Tabletten
Abacus Medicine A/S
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Lysodren 500 mg ACA Tabletten
A.C.A. Müller ADAG Pharma AG
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Lysodren 500 mg axicorp Tabletten
axicorp Pharma B.V.
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Lysodren 500 mg CC Pharma Tabletten
CC Pharma GmbH
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Lysodren 500 mg Eurim Tabletten
Eurim-Pharm Arzneimittel GmbH
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Lysodren 500 mg European Tabletten
European Pharma B.V.
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Lysodren 500 mg kohlpharma Tabletten
kohlpharma GmbH
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Lysodren 500 mg Orifarm Tabletten
Orifarm GmbH
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Lysodren 500 mg Paranova Tabletten
Paranova Pack A/S
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Lysodren® 500 mg Tabletten
Esteve Pharmaceuticals GmbH










