Momelotinib

Momelotinib (Omjjara) ist ein Inhibitor von Januskinasen und ACVR1, der zur Behandlung von krankheitsbedingter Vergrößerung der Milz (Splenomegalie) oder Symptomen bei Patienten mit Anämie angewendet wird, die an Myelofibrose erkrankt sind.

Momelotinib

Anwendung

Momelotinib wird angewendet zur Behandlung von krankheitsbedingter Splenomegalie oder Symptomen bei erwachsenen Patienten mit moderater bis schwerer Anämie, die an primärer Myelofibrose, Post-Polycythaemia Vera-Myelofibrose oder Post-Essentieller Thrombozythämie-Myelofibrose erkrankt sind, und die nicht mit einem Januskinase (JAK)-Inhibitor vorbehandelt sind oder die mit Ruxolitinib
behandelt wurden.

Wirkmechanismus

Momelotinib zielt spezifisch auf JAK1 und JAK2 ab, wobei die Hemmung von JAK2 besonders relevant für die Behandlung von Myeloproliferativen Neoplasien ist, zu denen auch die Myelofibrose gehört. JAK2 ist direkt an der Pathogenese der Myelofibrose beteiligt, indem es die Signalwege beeinflusst, die für die Proliferation von Blutzellen und die Fibrose des Knochenmarks verantwortlich sind.

Durch die Hemmung von JAK1 und JAK2 moduliert Momelotinib die fehlgeleitete Signalübertragung, die zur unkontrollierten Zellproliferation, zur Entstehung von Entzündungen und zur Fibrose im Knochenmark führt. Dies resultiert in einer Reduktion der Symptome der Myelofibrose, wie Splenomegalie und Anämie, sowie einer Verbesserung der Lebensqualität der Patienten.

Zusätzlich zu seiner Wirkung auf JAK1 und JAK2 zeigt Momelotinib Aktivität gegen ACVR1 (Activin A Receptor Type I), einen weiteren Signalweg, der an der Regulation der Erythropoiese beteiligt ist. Diese zusätzliche Hemmung kann zur Wirksamkeit von Momelotinib bei der Behandlung der anämischen Komponente der Myelofibrose beitragen, indem sie die Erythropoiese unterstützt und somit die Anämie verbessert.

Dosierung

Die empfohlene Dosis von Momelotinib beträgt 200 mg einmal täglich.

Nebenwirkungen

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen von Momelotinib gehören Diarrhö, Thrombozytopenie, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Schwäche, abdominale Schmerzen und Husten​​.

Wechselwirkungen

Bei der Anwendung von Momelotinib sind folgende Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln zu beachten:

  • Starke CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin können die Wirksamkeit von Momelotinib verringern, indem sie dessen Plasmakonzentration reduzieren. Eine zusätzliche Überwachung ist empfohlen.
  • OATP1B1/1B3-Inhibitoren können die Momelotinib-Exposition erhöhen, was eine sorgfältige Überwachung erfordert.
  • BCRP-Inhibitoren können die Exposition gegenüber BCRP-Substraten wie Rosuvastatin erhöhen und das Risiko von Nebenwirkungen steigern.
  • P-Glykoprotein (P-gp)-Hemmung durch Momelotinib kann die Exposition gegenüber P-gp-Substraten erhöhen, was bei Substraten mit geringer therapeutischer Breite besondere Vorsicht erfordert.
  • Transporterhemmung durch Momelotinib und seinen aktiven Metaboliten M21 kann die Exposition gegenüber Substraten von OCT1 und MATE1 erhöhen.
  • CYP-Enzym-Induktion und -Inhibition durch Momelotinib kann die Wirkung von Arzneimitteln, die über diese Enzyme metabolisiert werden, beeinflussen, insbesondere von CYP1A2- und CYP2B6-Substraten.
  • Hormonelle Kontrazeptiva könnten in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt sein, daher ist Vorsicht geboten

Kontraindikationen

Momelotinib darf nicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff sowie während der Schwangerschaft und der Stillzeit angewendet werden.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Momelotinib zu beachten:

  • Infektionen: Momelotinib kann schwere bis tödliche bakterielle und Virusinfektionen, einschließlich COVID-19, verursachen. Die Behandlung sollte bei aktiven Infektionen vermieden werden. Ärzte müssen Patienten auf Infektionszeichen überwachen und gegebenenfalls sofort behandeln.
  • Hepatitis-B-Reaktivierung: Bei Patienten mit chronischer Hepatitis-B kann die Viruslast unter Momelotinib ansteigen. Die Behandlung solcher Patienten muss den klinischen Richtlinien für Hepatitis B folgen.
  • Thrombozytopenie und Neutropenie: Schwere Fälle von Thrombozytopenie und Neutropenie können auftreten. Regelmäßige Blutbildkontrollen sind erforderlich, und gegebenenfalls muss die Behandlung angepasst werden.
  • Überwachung der Leberfunktion: Leberfunktionstests sind vor und während der Behandlung sowie bei Bedarf durchzuführen. Bei Anzeichen von Leberschäden kann eine Behandlungsanpassung nötig sein.
  • Schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse (MACE): Fälle von MACE wurden berichtet, allerdings ist ein direkter Zusammenhang mit Momelotinib nicht bewiesen. Risiken und Nutzen sollten, besonders bei älteren Patienten und solchen mit Risikofaktoren, sorgfältig abgewogen werden.
  • Thrombose: Thromboembolische Ereignisse wie tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien wurden beobachtet. Patienten mit Risikofaktoren benötigen eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken.
  • Sekundär auftretende primäre maligne Erkrankungen: Eine erhöhte Rate an malignen Erkrankungen wurde in Studien mit anderen JAK-Inhibitoren beobachtet. Auch unter Momelotinib wurden maligne Erkrankungen berichtet, ein kausaler Zusammenhang ist jedoch nicht bestätigt.
  • Wechselwirkungen und Kontrazeption: Momelotinib kann die Plasmakonzentrationen bestimmter Medikamente erhöhen. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und für eine Woche danach eine zusätzliche Barrieremethode verwenden. Die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A4-Induktoren kann die Wirksamkeit von Momelotinib verringern und erfordert zusätzliche Überwachung.

Alternativen

Alternativen zu Momelotinib umfassen:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
414.46 g·mol-1
Autor:
Stand:
26.02.2024
Quelle:
  1. EMA: Fachinformation Omjjara
  2. DGHO: NUB Antrag 2023/2024; Momelotinib
  3. Keam, Susan J. "Momelotinib: First Approval." Drugs 83.18 (2023): 1709-1715.
  4. Verstovsek, Srdan, et al. "MOMENTUM: momelotinib vs danazol in patients with myelofibrosis previously treated with JAKi who are symptomatic and anemic." Future Oncology 17.12 (2021): 1449-1458.
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8 Präparate mit Momelotinib