Mupirocin

Mupirocin ist ein Antibiotikum, das durch Hemmung der bakterien-spezifischen RNA-Synthese wirkt, indem es das Enzym Isoleucin-tRNA-Synthetase blockiert. Es wird topisch zur Behandlung von Hautinfektionen, insbesondere bei Staphylokokken und Streptokokken, eingesetzt.

Anwendung

Mupirocin ist in Deutschland in Form von Nasensalben zur topischen Behandlung bakterieller Hautinfektionen zugelassen, insbesondere zur Elimination von Staphylokokken, einschließlich Methicillin-resistenter Stämme, aus der Nasenschleimhaut.

Anwendungsart

  • Falls nicht anders verordnet, sollte Mupirocin 2- bis 3-mal täglich in einer Menge etwa so groß wie ein Streichholzkopf (maximal 30 mg Salbe) in den vorderen Bereich der Nase aufgetragen werden.
  • Die Salbe wird mit dem kleinen Finger oder einem Wattestäbchen in das Nasenloch eingeführt.
  • Durch leichtes Zusammendrücken der Nasenflügel und sanftes Massieren zwischen Daumen und Finger wird eine gleichmäßige Verteilung der Salbe erreicht.

Wirkmechanismus

Mupirocin wirkt als selektives, bakterienhemmendes Antibiotikum, indem es das bakterielle Enzym Isoleucyl-tRNA-Synthetase inhibiert, welches eine entscheidende Rolle in der Proteinbiosynthese spielt. Durch die Blockade dieses Enzyms wird die Bindung der Aminosäure Isoleucin an die tRNA verhindert, was zur Unterbrechung der Proteinproduktion in den Zellen des Erregers führt. Dieser Wirkmechanismus ist spezifisch für Bakterien, da Mupirocin nur geringe Affinität zu den menschlichen tRNA-Synthetasen aufweist und somit eine selektive Hemmung ermöglicht. Besonders wirksam ist Mupirocin gegen grampositive Erreger wie Staphylococcus aureus, einschließlich methicillinresistenter Stämme (MRSA). 

Pharmakokinetik

Mupirocin-Salbe ist ausschließlich für die äußerliche Anwendung vorgesehen. Wird es versehentlich oral oder intravenös verabreicht, gelangt Mupirocin in den Blutkreislauf und wird dort schnell zu Moninsäure abgebaut, die keine antibakterielle Wirkung hat. Die Aufnahme des Wirkstoffs über gesunde oder geschädigte Schleimhäute ist minimal – weniger als 1% der Dosis wird als Moninsäure im Urin ausgeschieden.

Dosierung

Empfohlene Dosierung für Kinder (ab 1 Jahr) und Erwachsene

  • Mupirocin 2% Nasensalbe 2- bis 3-mal täglich in einer Menge auftragen, die etwa der Größe eines Streichholzkopfes entspricht (maximal 30 mg Salbe pro Anwendung).

Wichtige Hinweise zur Anwendung

  • Die Nasensalbe sollte nicht mit anderen Substanzen gemischt werden, da dies die antibakterielle Wirksamkeit beeinträchtigen und die Stabilität von Mupirocin in der Salbe verringern kann.
  • Die Anwendungsdauer beträgt 5 bis 7 Tage. Nach Abschluss der Behandlung sollte eine mikrobiologische Kontrolle zur Überprüfung der Bakterienbeseitigung erfolgen.
  • Nach Behandlungsende ist die angebrochene Tube zu entsorgen.

Nebenwirkungen

Gelegentlich kann es bei der Anwendung von Mupirocin-Salbe zu Reizungen der Nasenschleimhaut kommen. Sehr selten wurden Nebenwirkungen wie Hautüberempfindlichkeitsreaktionen und systemische allergische Reaktionen wie Anaphylaxie, Hautausschlag, Urtikaria und Angioödem beschrieben.

Wechselwirkungen

Bisher sind keine Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bekannt.

Kontraindikationen

Mupirocin darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Mupirocin oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Säuglingen, um ein Aspirieren der Salbe in die Luftröhre zu vermeiden

Schwangerschaft

Tierstudien deuten darauf hin, dass Mupirocin keine teratogenen oder embryotoxischen Effekte verursacht. Da jedoch keine ausreichenden klinischen Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft vorliegen, sollte Mupirocin nur dann während der Schwangerschaft eingesetzt werden, wenn der potenzielle Nutzen die möglichen Risiken überwiegt.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Mupirocin in die Muttermilch übergeht. Bei topischer Anwendung wird jedoch nur eine geringe systemische Aufnahme bei stillenden Müttern erwartet. Eine Anwendung während der Stillzeit ist möglich, wenn der Nutzen für die Mutter das potenzielle Risiko für das Kind überwiegt.

Verkehrstüchtigkeit

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass Mupirocin die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder das Bedienen von Maschinen beeinträchtigt.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Mupirocin zu beachten:

  • Überempfindlichkeitsreaktionen: Bei Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion oder einer schweren lokalen Irritation sollte die Behandlung sofort abgebrochen, die Salbe entfernt und eine alternative Therapie eingeleitet werden.
  • Kolonisation mit nicht-empfindlichen Erregern: Eine längere Anwendung kann zu einer Besiedelung mit nicht-empfindlichen Bakterien führen.
  • Pseudomembranöse Colitis: Während oder nach der Anwendung von Antibiotika kann eine pseudomembranöse Colitis auftreten, die von leichten bis lebensbedrohlichen Symptomen reicht. Bei Diarrhö, Bauchkrämpfen oder länger anhaltenden Beschwerden sollte die Behandlung sofort abgebrochen und der Patient weiter untersucht werden.
  • Augenkontakt vermeiden: Die Nasensalbe ist nicht zur Anwendung am Auge geeignet. Bei Kontakt mit den Augen sollten diese gründlich mit Wasser ausgespült werden, bis die Salbe vollständig entfernt ist.

Alternativen

  • Mupirocin bleibt Standard zur gezielten MRSA-Dekolonisation der Nasenschleimhaut und ist hierfür zugelassen.
  • Povidon-Iod kann als alternative Option genutzt werden, ist aber in Deutschland nicht explizit für die MRSA-Dekolonisation zugelassen.
  • Chlorhexidin/Neomycin und Octenidin bieten nur eingeschränkte Wirksamkeit oder fehlende Zulassung für die gezielte MRSA-Dekolonisation. Sie sind primär zur Reduktion von Staphylokokken geeignet, jedoch weniger spezifisch für MRSA.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
500.62 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
12.11.2024
Quelle:

Produktinformationen zu Mupirocin (z. B. Fachinformation Turixin), Herstellerinformationen

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