Nefopam
Nefopam ist ein zentral wirksames, nicht-opioides Analgetikum. Es wird zur Behandlung akuter, mäßig starker Schmerzen eingesetzt und stellt eine Alternative zu Opioiden und nichtsteroidalen Antirheumatika dar.
Nefopam: Übersicht

Anwendung
Nefopam wird zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzen angewendet, wenn alternative Analgetika kontraindiziert, nicht ausreichend wirksam oder nicht verträglich sind. Zudem kann Nefopam als Add-on-Therapie in Betracht gezogen werden, wenn Schmerzen unter einer bestehenden Behandlung nicht ausreichend kontrolliert sind.
Die Anwendung erfolgt insbesondere bei:
- postoperativen Schmerzen
- Zahnschmerzen
- muskuloskelettalen Beschwerden
- akuten traumatischen Schmerzen
- tumorbedingten Schmerzen
In Deutschland ist Nefopam derzeit nicht zugelassen.
Anwendungsart
Nefopam wird oral in Tablettenform angewendet.
Wirkmechanismus
Nefopam ist ein zentral wirksames, nicht-opioides Analgetikum. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt.
Bekannt ist, dass Nefopam die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im zentralen Nervensystem hemmt. Dadurch werden schmerzmodulierende inhibitorische Bahnen verstärkt. Zusätzlich blockiert Nefopam spannungsabhängige Natrium- und Calciumkanäle, was die neuronale Erregungsweiterleitung dämpft und zur analgetischen Wirkung beiträgt.
Pharmakokinetik
Resorption
- Nefopam wird nach oraler Gabe aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert.
- Maximale Plasmakonzentrationen werden etwa 1 bis 3 Stunden nach Einnahme erreicht.
Verteilung
- Etwa 73 % des Wirkstoffs sind an Plasmaproteine gebunden.
Metabolismus
- Nefopam wird in erheblichem Umfang hepatisch metabolisiert.
- Der Hauptmetabolit Desmethylnefopam besitzt nach bisheriger Datenlage keine klinisch relevante analgetische Aktivität.
Elimination
- Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 4 Stunden.
- Die Ausscheidung erfolgt überwiegend renal (92 %) in Form von Metaboliten.
- Weniger als 5 % der verabreichten Dosis werden unverändert über den Urin ausgeschieden.
- Rund 8 % der Dosis werden über die Faeces eliminiert.
Dosierung
Erwachsene
- Übliche Dosierung: 30–90 mg dreimal täglich, abhängig vom individuellen Ansprechen.
- Empfohlene Initialdosis: 60 mg dreimal täglich.
Besondere Patientengruppen
Ältere Patienten:
- Aufgrund eines verlangsamten Metabolismus ist eine Dosisreduktion erforderlich.
- Empfohlene Anfangsdosis: maximal 30 mg dreimal täglich.
- Ältere Patienten reagieren empfindlicher auf ZNS-Nebenwirkungen (z. B. Verwirrtheit, Halluzinationen).
Niereninsuffizienz:
- Bei terminaler Niereninsuffizienz können erhöhte Plasmaspiegel auftreten.
- Eine Reduktion der Tagesdosis wird empfohlen.
Kinder und Jugendliche:
- Für Kinder unter zwölf Jahren liegen keine ausreichenden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit vor.
- Eine Dosierungsempfehlung kann daher nicht gegeben werden.
Überdosierung
Eine Überdosierung von Nefopam äußert sich vor allem durch neurologische und kardiovaskuläre Symptome. Typisch sind Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma, Krampfanfälle, Halluzinationen und ausgeprägte Unruhe. Kardiovaskulär können Tachykardie und eine hyperdynamische Kreislaufsituation auftreten.
Therapeutisch stehen allgemeine unterstützende Maßnahmen im Vordergrund. Eine Magenspülung kann erwogen werden, sofern die Einnahme kurz zurückliegt und keine Kontraindikationen bestehen. Zusätzlich kann die Gabe von Aktivkohle die weitere Resorption vermindern. Krampfanfälle und Halluzinationen werden beispielsweise mit Diazepam (intravenös oder rektal) behandelt. Zur Kontrolle kardiovaskulärer Komplikationen können Betablocker eingesetzt werden.
Nebenwirkungen
Nefopam kann eine Reihe zentralnervöser, gastrointestinaler und kardiovaskulärer Nebenwirkungen verursachen. Am häufigsten treten Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit oder Benommenheit, Blutdruckabfall sowie abdominale Schmerzen auf. Eine Tachykardie ist möglich und wird insbesondere bei intensivmedizinisch behandelten Patienten beobachtet.
Weniger häufig kommen Durchfall, Schwindel, Kopfschmerzen, Tremor, Parästhesien, Synkopen oder Krampfanfälle vor. Bei älteren Patienten können Verwirrtheit und Halluzinationen auftreten. Zudem sind anticholinerge Effekte wie Mundtrockenheit, Obstipation, Sehstörungen und Harnverhalt beschrieben.
Selten wurde über die Entwicklung einer Arzneimittelabhängigkeit berichtet. Das Risiko hängt unter anderem von einer Vorgeschichte mit Substanzgebrauchsstörungen ab.
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Nefopam zu beachten:
Kombination mit trizyklischen Antidepressiva
Bei gleichzeitiger Anwendung von Nefopam mit trizyklischen Antidepressiva ist Vorsicht geboten, da sich anticholinerge Effekte additiv verstärken können.
Kombination mit MAO-Hemmern
Die Kombination mit Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmern) ist kontraindiziert, da ein erhöhtes Risiko für schwere hypertensive Reaktionen besteht.
Einfluss auf Screeningtests
Zudem kann Nefopam bestimmte Screeningtests auf Benzodiazepine und Opioide beeinflussen. Falsch-positive Testergebnisse sind möglich und bei der Interpretation entsprechender Laborbefunde zu berücksichtigen.
Kontraindikationen
Die Anwendung von Nefopam ist generell kontraindiziert bei:
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- Krampfleiden in der Anamnese, da das Risiko für Krampfanfälle erhöht ist
- gleichzeitiger Anwendung mit MAO-Hemmern
Schwangerschaft
Zur Anwendung von Nefopam in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Daten zur Sicherheit beim Menschen vor. Auch aus tierexperimentellen Untersuchungen ergeben sich keine gesicherten Hinweise, dass der Wirkstoff unbedenklich ist. Daher sollte Nefopam während der Schwangerschaft möglichst vermieden werden.
Stillzeit
Nefopam geht in die Muttermilch über, wobei Konzentrationen erreicht werden, die in etwa den mütterlichen Plasmaspiegeln entsprechen. Da beim gestillten Säugling unerwünschte Wirkungen nicht ausgeschlossen werden können, sollte während einer Behandlung mit Nefopam nicht gestillt werden.
Verkehrstüchtigkeit
Nefopam kann durch Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Benommenheit und Schwindel die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Zu Behandlungsbeginn und bei Dosisänderungen ist besondere Vorsicht geboten.
Anwendungshinweise
Bei der Anwendung von Nefopam sind folgende Warnhinweise zu beachten:
Additive Wirkungen
Die Nebenwirkungen von Nefopam können sich mit denen anderer Arzneimittel mit anticholinerger oder sympathomimetischer Wirkung verstärken. Eine gleichzeitige Anwendung erfordert daher besondere Vorsicht.
Kardiovaskuläre Anwendung
Zur Behandlung eines Myokardinfarkts sollte Nefopam nicht eingesetzt werden, da hierfür keine klinischen Erfahrungen vorliegen.
Leber- und Nierenfunktionsstörungen
Bei hepatischer oder renaler Insuffizienz kann es zu einer veränderten Metabolisierung und Elimination kommen. Eine vorsichtige Anwendung ist angezeigt.
Augen- und Harnwegserkrankungen
Bei Patienten mit Engwinkelglaukom oder mit bestehender bzw. drohender Harnverhaltung ist Nefopam mit Vorsicht anzuwenden.
Abhängigkeit und Missbrauch
Es wurden Fälle von Abhängigkeit und Missbrauch berichtet. Besonders bei Patienten mit entsprechender Vorgeschichte (Substanzkonsum oder psychiatrische Erkrankungen) sollte Nefopam zurückhaltend verordnet und auf Anzeichen einer Arzneimittelabhängigkeit geachtet werden.
Alternativen
Zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzen stehen zahlreiche etablierte Analgetika zur Verfügung, darunter:
- Paracetamol
- NSAR (z. B. Ibuprofen, Diclofenac)
- Metamizol
- Opioide (z. B. Morphin, Oxycodon)
- Regionalanästhetische Verfahren
Nefopam stellt insbesondere bei akuten Schmerzen eine nicht-opioide Option dar, wenn Opioide vermieden oder NSAR nicht eingesetzt werden können.
- Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
- Fachinformationen Nefopam
- Umsetzung des einstimmigen Beschlusses der Koordinierungsgruppe vom 11.12.2025 betreffend die Zulassungen für Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Nefopam, abgerufen am 28.02.2026.
- Beschluss.










