Nemolizumab

Nemolizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der an den Interleukin-31-Rezeptor bindet und zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis eingesetzt wird. Zudem wird es zur Behandlung von Prurigo nodularis bei Erwachsenen angewendet.

Anwendung

Nemolizumab ist indiziert zur Behandlung bei:

  • Atopische Dermatitis (AD): Nemolizumab wird bei Patienten ab 12 Jahren zur Behandlung einer mittelschweren bis schweren atopischen Dermatitis eingesetzt, wenn eine systemische Therapie erforderlich ist.
  • Prurigo nodularis (PN): Nemolizumab wird bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Prurigo nodularis angewendet, die eine systemische Therapie benötigen.

Anwendungsart

Nemolizumab wird subkutan in den oberen vorderen Oberschenkel oder den Bauch injiziert, wobei ein Abstand von 5 cm zum Bauchnabel eingehalten werden muss. Eine Injektion in den Oberarm darf nur durch eine medizinische Fachkraft oder eine Pflegeperson erfolgen. Die Injektionsstelle sollte bei jeder Anwendung gewechselt werden und das Medikament darf nicht in geschädigte oder entzündete Hautbereiche verabreicht werden. Nach einer ärztlichen Schulung können Patienten oder ihre Pflegepersonen die Injektion selbstständig durchführen.

Wirkmechanismus

Nemolizumab ist ein humanisierter monoklonaler IgG2-Antikörper, der durch Bindung an den Interleukin-31-Rezeptor alpha (IL-31 RA) die Signalübertragung von IL-31 hemmt. IL-31 spielt eine Schlüsselrolle bei Pruritus, Entzündungen, epidermaler Dysregulation und Fibrose. Durch die Blockade von IL-31 unterdrückt Nemolizumab die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine und Chemokine. In Studien zur atopischen Dermatitis reduzierte es gezielt entzündliche und proliferative Immunprozesse, insbesondere bei T-Zellen und Monozyten/Makrophagen, ohne Immunsuppression zu verursachen. Bei Prurigo nodularis zeigte es eine regulierende Wirkung auf Pruritus, Entzündung und epidermale Differenzierung.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Nach einer subkutanen Dosis von 60 mg beträgt die maximale Plasmakonzentration (Cmax) etwa 6,7 µg/ml (±2,20 µg/ml), die etwa 6 Tage nach der Injektion erreicht wird.
  • Steady-State-Konzentrationen werden bei atopischer Dermatitis und Prurigo nodularis unterschiedlich erreicht. AD: Bei 30 mg alle 4 Wochen: 2,63 µg/ml (±1,27 µg/ml) sowie bei 30 mg alle 8 Wochen: 0,74 µg/ml (±0,44 µg/ml); PN: Bei einem Körpergewicht <90 kg, 30 mg alle 4 Wochen: 3,04 µg/ml (±1,23 µg/ml) sowie bei einem Körpergewicht ≥90 kg, 60 mg alle 4 Wochen: 3,66 µg/ml (±1,63 µg/ml).
  • Steady-State-Konzentrationen werden bei beiden Indikationen mit einer Aufsättigungsdosis von 60 mg nach Woche 4 oder ohne Aufsättigungsdosis in Woche 12 erreicht.

Verteilung

  • Das scheinbare Verteilungsvolumen (V/F) von Nemolizumab beträgt 7,67 Liter.

Metabolismus

  • Da Nemolizumab ein monoklonaler Antikörper ist, erfolgt sein Abbau durch katabole Stoffwechselwege.
  • Es wird zu kleinen Peptiden und Aminosäuren abgebaut, ohne dass spezielle enzymatische Umwandlungen erforderlich sind.

Elimination

  • Nemolizumab wird wie endogenes IgG abgebaut.
  • Die terminale Halbwertszeit beträgt 18,9 Tage (±4,96 Tage).
  • Die systemische Clearance (Cl/F) liegt bei ca. 0,26 l/Tag.

Linearität

  • Nach einer Einzeldosis zeigt Nemolizumab eine lineare Pharmakokinetik mit dosisproportionaler Exposition zwischen 0,03 und 3 mg/kg.
  • Nach mehrfachen Dosen bleibt die Exposition bis 30 mg subkutan dosisproportional, während bei 60 mg subkutan die Bioverfügbarkeit um 9% abnimmt.

Besondere Patientengruppen

  • Geschlecht, Alter, Körpergewicht und ethnische Herkunft: Es zeigen sich keine Hinweise einen klinisch relevanten Einfluss auf die Pharmakokinetik
  • Leberfunktionsstörung: Eine leichte bis mittelschwere Leberfunktionsstörung hat keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik.
  • Nierenfunktionsstörung: Eine leichte bis mittelschwere Nierenfunktionsstörung zeigte keinen klinisch bedeutsamen Einfluss auf die Exposition.

Dosierung

Atopische Dermatitis

  • Initialdosis: 60 mg (zwei 30-mg-Injektionen)
  • Erhaltungsdosis: 30 mg alle 4 Wochen
  • Nach 16 Wochen: Falls ein klinisches Ansprechen erreicht wurde, Reduktion auf 30 mg alle 8 Wochen

Kombinationstherapie

  • Kann mit oder ohne topische Kortikosteroide angewendet werden
  • Topische Calcineurin-Inhibitoren können angewendet werden, sollten jedoch auf Problemzonen wie Gesicht, Hals, intertriginöse Bereiche und Genitalien beschränkt werden
  • Falls eine ausreichende Besserung eintritt, sollten topische Therapien ausgeschlichen und abgesetzt werden

Therapieabbruch

  • Falls nach 16 Wochen kein Ansprechen erfolgt, sollte die Behandlung überdacht und ggf. abgebrochen werden
  • Bei anfänglichem partiellem Ansprechen kann eine Fortsetzung über 16 Wochen hinaus zu weiterer Besserung führen

Prurigo nodularis

Gewicht <90 kg:

  • Initialdosis: 60 mg (zwei 30-mg-Injektionen)
  • Erhaltungsdosis: 30 mg alle 4 Wochen

Gewicht ≥90 kg:

  • Initialdosis: 60 mg (zwei 30-mg-Injektionen)
  • Erhaltungsdosis: 60 mg alle 4 Wochen

Therapieabbruch:

  • Falls nach 16 Wochen keine ausreichende Verbesserung des Pruritus eintritt, sollte die Behandlung überdacht werden

Ausgelassene Dosis

  • Eine versäumte Dosis sollte so bald wie möglich nachgeholt werden
  • Anschließend sollte die geplante Dosierung beibehalten werden

Kinder und Jugendliche

  • Atopische Dermatitis: Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern unter 12 Jahren mit einem Körpergewicht von <30 kg nicht erwiesen
  • Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern unter 18 Jahren nicht erwiesen

Überdosierung

Für eine Überdosierung von Nemolizumab gibt es keine spezifische Behandlung. Im Falle einer Überdosierung sollten Patienten sorgfältig auf mögliche Nebenwirkungen überwacht und gegebenenfalls symptomatisch behandelt werden.

Nebenwirkungen

Zu den häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Nemolizumab auftreten können, zählen:

  • Oberflächliche Pilzinfektionen
  • Typ-I-Allergie (einschl. Urtikaria und Angioödem)
  • Verschlechterung des Asthmas (einschließlich Asthma, Giemen, exspiratorischer Spitzenfluss erniedrigt)
  • Atopische Dermatitis
  • Ekzem
  • nummuläres Ekzem
  • Reaktionen an der Injektionsstelle (einschl. Erythem, Pruritus, Hämatom, Schmerz, Reizung, blaue Flecken und Ödem an der Injektionsstelle)

Die vollständigen Angaben können der jeweiligen Fachinformation entnommen werden.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Nemolizumab zu beachten:

  • Lebendimpfstoffe: Die gleichzeitige Anwendung mit attenuierten Lebendimpfstoffen wurde nicht untersucht. Eine gleichzeitige Verabreichung wird nicht empfohlen.
  • Totimpfstoffe: Die Sicherheit und Wirksamkeit von Totimpfstoffen unter Nemolizumab-Therapie sind nicht untersucht.
  • Wechselwirkungen mit Cytochrom P450: In Studien wurden keine klinisch relevanten Effekte auf die Pharmakokinetik von CYP450-Substraten beobachtet. Eine Dosisanpassung ist nicht erforderlich.

Kontraindikationen

Die Anwendung von Nemolizumab ist generell kontraindiziert bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.

Schwangerschaft

Da nur begrenzte Erfahrungen vorliegen, sollte Nemolizumab in der Schwangerschaft aus Vorsicht vermieden werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Nemolizumab in die Muttermilch übergeht. Da IgG-Antikörper in den ersten Tagen nach der Geburt in die Muttermilch ausgeschieden werden, kann in diesem Zeitraum ein Risiko für das gestillte Kind nicht ausgeschlossen werden. Danach kann Nemolizumab angewendet werden, wenn es klinisch notwendig ist.

Verkehrstüchtigkeit

Nemolizumab hat keinen oder nur einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Nemolizumab sind folgende Warnhinweise zu beachten:

  • Überempfindlichkeit: Bei Überempfindlichkeitsreaktionen, einschließlich Angioödem, ist die Behandlung sofort abzubrechen und eine geeignete Therapie einzuleiten.
  • Verschlechterung des Asthmas: Bei Patienten mit PN und vorbestehendem Asthma wurde eine leichte bis mittelschwere Verschlechterung beobachtet, besonders bei einem Körpergewicht über 90 kg unter der 60-mg-Dosis.
  • Einschränkungen bei bestimmten Patienten: Es gibt keine Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit bei Patienten mit schwerer Asthma-Exazerbation, unkontrolliertem Asthma, COPD oder chronischer Bronchitis.
  • Impfungen: Lebendimpfstoffe sollen während der Behandlung vermieden werden. Die Impfung mit Totimpfstoffen wurde nicht untersucht.

Alternativen

Als alternative systemische Therapie bei Atopischer Dermatitis können folgende Wirkstoffe eingesetzt werden:

Als alternative systemische Therapie bei Prurigo nodularis können folgende Wirkstoffe bzw. Wirkstoffklassen eingesetzt werden:

Autor:
Stand:
27.04.2025
Quelle:
  1. Fachinformationen Nemolizumab
  2. Werfel et al.: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis (AD) [Neurodermitis; atopisches Ekzem]Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Stand: 2023. Abgerufen am: 16.03.2025.
  3. Mullins et al. (2022): Prurigo Nodularis, StatPearls
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1 Präparate mit Nemolizumab