Niclosamid

Niclosamid ist ein antiparasitärer Wirkstoff aus der Gruppe der Salicylsäure-Derivate, der zur Behandlung intestinaler Bandwurminfektionen eingesetzt wird. Der Wirkstoff wirkt lokal im Darm, ohne nennenswerte systemische Resorption, und ist besonders gegen Taenia- und Hymenolepis-Arten wirksam.

Niclosamid

Anwendung

Niclosamid wird angewendet zur Behandlung von intestinalen Infektionen mit folgenden Bandwurmarten:

  • Taenia saginata (Rinderbandwurm)
  • Taenia solium (Schweinebandwurm)
  • Diphyllobothrium latum (Fischbandwurm)
  • Hymenolepis nana (Zwergbandwurm)

Niclosamid wirkt ausschließlich im Darm und ist nicht geeignet zur Behandlung extraintestinaler Zestodeninfektionen (z. B. Zystizerkose oder Echinokokkose).

Anwendungsart

Niclosamid wird oral in Form von Kautabletten eingenommen. Die Tabletten sollten gründlich zerkaut oder in Wasser zerfallen eingenommen werden. Bei kleinen Kindern empfiehlt sich die Zerkleinerung zu einem Brei mit anschließender Verabreichung in Wasser.

Wirkmechanismus

Niclosamid wirkt lokal im Darm durch direkte Schädigung des Bandwurmskolex. Der Wirkstoff hemmt die oxidative Phosphorylierung in den Mitochondrien der Parasiten, was zum Absterben der Würmer führt. Mikronisierte Kristalle erhöhen die Kontaktfläche und verbessern die Wirksamkeit. Die abgestorbenen Wurmteile werden anschließend mit dem Stuhl ausgeschieden.

Pharmakokinetik

Niclosamid wird nach oraler Gabe nur minimal resorbiert. Bis zu 25 % der Dosis erscheinen im Urin. Die gemessenen Plasmakonzentrationen liegen zwischen 0,2–6 μg/ml. Eine systemische Wirkung ist daher vernachlässigbar.

Dosierung

Die Dosierung richtet sich nach der Bandwurmart und dem Alter des Patienten:

Bei Taenia spp. und D. latum:

  • Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren: 1× täglich 4 Kautabletten
  • Kinder 2–6 Jahre: 1× täglich 2 Kautabletten
  • Kinder <2 Jahre: 1× täglich 1 Kautablette

Bei Hymenolepis nana (über 7 Tage):

  • Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren: 4 Kautabletten am 1. Tag, anschließend je 2 Kautabletten pro Tag
  • Kinder 2–6 Jahre: 2 Kautabletten am 1. Tag, anschließend je 1 Kautablette pro Tag

Eine salinische Purgation zur schnelleren Wurmausscheidung kann indiziert sein, insbesondere bei Taenia solium.

Nebenwirkungen

Folgende Nebenwirkungen wurden beschrieben (Häufigkeiten nicht abschätzbar):

  • Immunsystem: allergische Reaktionen, anaphylaktischer Schock
  • Nervensystem: Benommenheit
  • Gastrointestinaltrakt: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Würgereiz
  • Haut: Exanthem, Pruritus, Hyperhidrose
  • Allgemein: Unwohlsein, Erschöpfung
  • Gefäße: Cyanose

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Niclosamid zu beachten:

  • Alkohol: Alkohol kann die Löslichkeit und damit die Resorption von Niclosamid erhöhen. Ein gleichzeitiger Alkoholgenuss sollte vermieden werden.

Kontraindikationen

Niclosamid darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Niclosamid oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Stillzeit

Schwangerschaft

Da keine ausreichenden Erfahrungen zur Anwendung von Niclosamid in der Schwangerschaft vorliegen, sollte die Behandlung nach Möglichkeit auf die Zeit nach der Geburt verschoben werden. Falls zwingend notwendig, sollte Niclosamid erst ab dem 2. Trimenon eingesetzt werden.

Stillzeit

Da nicht bekannt ist, ob Niclosamid in die Muttermilch übergeht, darf Niclosamid in der Stillzeit nicht angewendet werden.

Verkehrstüchtigkeit

Niclosamid kann das zentrale Nervensystem beeinflussen und dadurch die Verkehrstüchtigkeit sowie das Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Niclosamid zu beachten:

  • Zystizerkose-Prophylaxe bei T. solium: Bei Schweinebandwurmbefall besteht das Risiko einer Zystizerkose durch freigesetzte Eier. Es wird eine frühzeitige, drastische Purgation empfohlen, um die Ausscheidung reifer Bandwurmglieder zu beschleunigen und Reinfektionen zu vermeiden.
  • Therapiekontrolle: Bei Taenia-Infektionen sind nach 3 Monaten, bei Hymenolepis nana bereits nach 14 Tagen Kontrolluntersuchungen notwendig, da überlebende Skolizes erneut infektiös werden können.

Alternativen

Als mögliche Alternativen zu Niclosamid kommen folgende Wirkstoffe infrage:

  • Praziquantel: Breitspektrum-Anthelminthikum mit systemischer Wirkung, auch bei Zystizerkose und Trematodeninfektionen.
  • Albendazol: Systemisch wirksames Anthelminthikum, insbesondere bei Gewebeformen wie Zystizerkose und Echinokokkose.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
327.12 g·mol-1
Autor:
Stand:
20.05.2025
Quelle:

Fachinformation „Yomesan®“, Stand: 09/2023

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
1 Präparate mit Niclosamid