Nirsevimab

Nirsevimab ist ein monoklonaler Antikörper, der zur Prävention von schweren RSV-Infektionen bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern angewendet wird. Der Wirkstoff ist als erste passive Immunisierung auch für gesunde Säuglinge zugelassen.

Anwendung

Nirsevimab dient als passive Immunisierung und ist indiziert zur Prävention von RSV-Erkrankungen der unteren Atemwege bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern während ihrer ersten RSV-Saison. Das Arzneimittel sollte vor Beginn der RSV-Saison oder bei Säuglingen, die während der RSV-Saison geboren werden, möglichst rasch nach der Geburt verabreicht werden, wenn ein Risiko für RSV-Infektionen in der Bevölkerung besteht.

Anwendungsart

Nirsevimab ist als 50-mg- und 100-mg-Fertigspritze verfügbar. Es wird einmalig intramuskulär injiziert, vorzugweise in den anterolateralen Oberschenkel.

Wirkmechanismus

Nirsevimab ist ein rekombinanter, neutralisierender, humaner langwirksamer monoklonaler Immunglobulin-G1κ-Antikörper. Er richtet sich gegen die Präfusionskonformation des RSV-Fusionsproteins und bindet an ein hochkonserviertes Epitop der Antigenbindungsstelle. Auf diese Weise hemmt Nirsevimab den entscheidenden Schritt der Membranfusion und damit das Eindringen des Virus in die Wirtszelle.

Pharmakokinetik

Resorption

Die Maximalkonzentration von Nirsevimab wird etwa 6 Tage (Bereich: 1-28 Tage) nach der intramuskulären Injektion erreicht. Die geschätzte absolute Bioverfügbarkeit beträgt 85%.

Verteilung

Das Verteilungsvolumen bei einem 5 kg schweren Säugling/Kleinkind beträgt 249 bzw. 241 ml. Mit steigendem Körpergewicht nimmt das Verteilungsvolumen zu.

Metabolismus

Als monoklonaler Antikörper wird Nirsevimab durch im Körper verbreitete proteolytische Enzyme abgebaut.

Elimination

Nirsevimab wird wie alle Antikörper durch intrazellulären Katabolismus eliminiert. Die geschätzte Clearance liegt bei einem 5 kg schweren Säugling/Kleinkind bei 3,38 ml/Tag. Sie nimmt mit steigendem Körpergewicht zu.

Durch eine Modifikation in der Fc-Region mit einer dreifachen Aminosäuresubstitution (YTE) ist die Halbwertszeit von Nirsevimab verlängert. Sie beträgt etwa 69 Tage.

Dosierung

Die empfohlene Dosierung von Nirsevimab ist eine Einzeldosis von 50 mg für Säuglinge mit einem Körpergewicht <5 kg und eine Einzeldosis von 100 mg für Säuglinge mit einem Körpergewicht ≥5 kg.

Aufgrund einer langen Eliminationszeit von mindestens 5 Monaten schützt eine Dosis Nirsevimab Säuglinge während einer ganzen RSV-Saison.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen traten in Studien im Zusammenhang mit Nirsevimab gelegentlich auf. Am häufigsten kam es zu einem Hautausschlag (0,7%) innerhalb von 14 Tagen nach der Anwendung. Daneben traten Pyrexie (0,5%) und Reaktionen an der Injektionsstelle (0,3%) innerhalb einer Woche nach Anwendung auf. Diese Reaktionen waren nicht schwerwiegend.

Wechselwirkungen

Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt, da monoklonale Antikörper in der Regel kein signifikantes Potenzial für Arzneimittelinteraktionen haben.

Es ist nicht zu erwarten, dass Nirsevimab die aktive Immunantwort auf gleichzeitig angewendete Impfstoffe beeinflusst.

Kontraindikationen

Nirsevimab darf bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff nicht angewendet werden.

Schwangerschaft

Nicht zutreffen, da Nirsevimab ausschließlich im pädiatrischen Bereich angewendet wird.

Stillzeit

Nicht zutreffen, da Nirsevimab ausschließlich im pädiatrischen Bereich angewendet wird.

Verkehrstüchtigkeit

Nicht zutreffen, da Nirsevimab ausschließlich im pädiatrischen Bereich angewendet wird.

Anwendungshinweise

Nirsevimab kann gleichzeitig mit Kinderimpfstoffen gegeben werden, sofern die Injektionen an unterschiedlichen Stellen erfolgen. Das Arzneimittel sollte allerdings nicht mit anderen Impfstoffen in der gleichen Spritze oder Durchstechflasche vermischt werden.

Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Anaphylaxie

Da unter monoklonalen Antikörpern schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen, einschließlich Anaphylaxie, beobachten wurden, kann dieses Risiko für Nirsevimab nicht ausgeschlossen werden. Treten Anzeichen und Symptome einer klinisch signifikanten Überempfindlichkeitsreaktion oder Anaphylaxie auf, ist die Anwendung sofort abzubrechen und eine geeignete Therapie einzuleiten.

Klinisch relevante Erkrankungen des Blutes

Nirsevimab sollte aufgrund der Applikation als intramuskuläre Injektion bei Säuglingen und Kleinkindern mit Thrombozytopenie oder anderen Gerinnungsstörungen mit Vorsicht angewendet werden.

Rückverfolgbarkeit

Um die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern, müssen die Bezeichnung des Arzneimittels und die Chargenbezeichnung eindeutig dokumentiert werden.

Weitere Informationen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.

Alternativen

Bei speziellen Risikopatienten kann zur passiven Immunisierung gegen eine RSV-Erkrankung alternativ der humanisierte Antikörper Palivizumab angewendet werden. Er ist zur Prophylaxe bei Frühgeborenen, die vor der 35. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen sind und bei bronchopulmonaler Dysplasie sowie hämodynamisch signifikanten angeborenen Herzfehlern bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum Ende des zweiten Lebensjahres zugelassen.

Mit Abrysvo ist seit Oktober 2023 der erste RSV-Impfstoff für Säuglinge und ältere Erwachsene ab 60 Jahren auf den Markt gekommen. Zur Immunisierung von Säuglingen wird der Impfstoff während der Schwangerschaft der Mutter verabreicht, wodurch spezifische Antikörper über die Plazenta auf das Kind übertragen werden und es bis zu 6 Monate nach der Geburt schützen.

Autor:
Stand:
23.11.2023
Quelle:
  1. Sanofi, Fachinformation Beyfortus
  2. Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (2023): Aktualisierung der S2k-Leitlinie „Leitlinie zur Prophylaxe von schweren Erkrankungen durch Respiratory Syncytial Virus (RSV) bei Risikokindern“, abgerufen am 23.11.2023
  3. EMA: Fachinformation Abrysvo
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