Nomegestrol

Nomegestrol ist ein synthetisches Gestagen, das strukturell vom natürlichen Hormon Progesteron abgeleitet ist. Es wird hauptsächlich in Kombination mit Estradiol als monophasisch kombiniertes Kontrazeptivum zur hormonellen Empfängnisverhütung eingesetzt.

Nomegestrol

Anwendung

Nomegestrol wird in Kombination mit Estradiol als monophasisch kombiniertes orales Kontrazeptivum (KOK) zur hormonellen Empfängnisverhütung bei Frauen verwendet.

Anwendungsart

In Arzneistoffen wird Nomegestrol in veresterter Form als Nomegestrolacetat eingesetzt. Im Folgenden wird verallgemeinert von Nomegestrol gesprochen. 
Die Tabletten mit Nomegestrol/Estradiol sollten täglich etwa zur gleichen Zeit eingenommen werden, unabhängig von den Mahlzeiten. Die Einnahme erfolgt in der auf der Blisterpackung angegebenen Reihenfolge.

Wirkmechanismus

Nomegestrol ist ein höchst selektives Gestagen, das vom natürlichen Steroidhormon Progesteron abgeleitet ist. Es besitzt eine starke Affinität zum menschlichen Progesteron-Rezeptor, was seine Hauptwirkung vermittelt. Durch seine antigonadotrope Wirkung hemmt es die Freisetzung von Gonadotropinen, was die Ovulation unterdrückt. Darüber hinaus zeigt Nomegestrol eine antiestrogene Wirkung, die durch den Progesteronrezeptor vermittelt wird, sowie eine moderate antiandrogene Wirkung. Im Gegensatz dazu weist es keine östrogene, androgene, glukokortikoide oder mineralokortikoide Wirkung auf.
Die kontrazeptive Wirkung von Nomegestrol/Estradiol basiert auf der Unterdrückung des Eisprungs und der Veränderung des Zervixschleims.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Nach oraler Einnahme wird Nomegestrol rasch resorbiert. Die maximalen Plasmakonzentrationen von etwa 7 ng/ml werden etwa zwei Stunden nach einer Einmalgabe erreicht.
  • Die absolute Bioverfügbarkeit von Nomegestrol beträgt etwa 63%. Die Nahrungsaufnahme hat keine klinisch signifikante Auswirkung auf die Bioverfügbarkeit, was die Einnahme unabhängig von Mahlzeiten ermöglicht.

Verteilung

  • Nomegestrol ist zu 97 bis 98% an Albumin gebunden. Es zeigt keine Bindung an das sexualhormonbindende Globulin (SHBG) oder das kortikoidbindende Globulin (CBG).
  • Das scheinbare Verteilungsvolumen im Steady State beträgt etwa 1.645 ± 576 Liter.

Metabolismus (Biotransformation)

  • Nomegestrol wird hauptsächlich durch die Cytochrom-P450-Enzyme CYP3A4 und CYP3A5 metabolisiert, möglicherweise unter Mitwirkung von CYP2C19 und CYP2C8. Dabei entstehen verschiedene inaktive hydroxylierte Metaboliten.
  • Diese Metaboliten werden anschließend durch einen extensiven Phase-ll-Metabolismus zu Glukuroniden und Sulfaten konjugiert. Die scheinbare Clearance im Steady State liegt bei etwa 26 l/h.

Elimination

  • Die Eliminationshalbwertszeit von Nomegestrol im Steady State beträgt etwa 46 Stunden, wobei sie in einem Bereich von 28 bis 83 Stunden variieren kann.
  • Nomegestrol wird sowohl über den Urin als auch über den Stuhl ausgeschieden. Etwa 80% der verabreichten Dosis werden innerhalb von vier Tagen ausgeschieden, wobei der Großteil über die Fäzes erfolgt. Die Ausscheidung ist nach zehn Tagen nahezu vollständig abgeschlossen.

Linearität und Steady-State-Bedingungen

  • Die Pharmakokinetik von Nomegestrol zeigt eine lineare Dosisabhängigkeit im Bereich von 0,625 bis 5 mg, was sowohl bei fertilen als auch postmenopausalen Frauen beobachtet wurde.
  • Der Steady State wird nach etwa fünf Tagen erreicht. Unter Steady-State-Bedingungen werden maximale Plasmakonzentrationen von etwa 12 ng/ml etwa 1,5 Stunden nach der Einnahme erreicht. Die durchschnittlichen Steady-State-Plasmakonzentrationen liegen bei etwa 4 ng/ml.

Dosierung

Während 28 aufeinander folgenden Tagen muss täglich eine Tablette eingenommen
werden. Jede Packung beginnt mit 24 wirkstoffhaltigen Tabletten, gefolgt von
vier wirkstofffreien Placebotabletten.

Einnahmezyklus

  • Tage 1–24: Eine wirkstoffhaltige Filmtablette (2,5 mg Nomegestrol und 1,5 mg Estradiol) einmal täglich einnehmen.
  • Tage 25–28: Eine wirkstofffreie Placebo-Filmtablette einmal täglich einnehmen.

Fortsetzung

  • Nach Aufbrauchen der Tabletten einer Packung sollte unmittelbar und ohne Unterbrechung die nächste Packung begonnen werden, unabhängig davon, ob eine Abbruchblutung eingesetzt hat oder nicht.

Abbruchblutung

  • Setzt gewöhnlich an den Tagen zwei und drei nach Einnahme der letzten wirkstoffhaltigen Tablette ein.
    Kann noch anhalten, wenn die nächste Packung begonnen wird.

Einnahmebeginn

  • Ohne vorherige Anwendung hormoneller Kontrazeptiva:

Die Einnahme beginnt am 1. Tag des weiblichen Zyklus (erster Tag der Menstruation), es sind keine zusätzlichen Verhütungsmaßnahmen erforderlich.

Bei Umstellung von einem kombinierten hormonellen Kontrazeptivum:

  • Bei voriger Verwendung eines kombinierten oralen Kontrazeptivums sollte die Einnahme von Nomegestrol am Tag nach der letzten wirkstoffhaltigen Tablette des bisherigen Präparats begonnen werden, spätestens jedoch am Tag nach dem üblichen einnahmefreien Intervall oder der Placebophase.
  • Bei Umstellung von einem Vaginalring oder transdermalen Pflaster erfolgt der Einnahmebeginn am Tag der Entfernung des Rings oder Pflasters.

Umstellung von einem Gestagenmonopräparat (z. B. Minipille, Implantat, Injektion) oder einem intrauterinen Hormon-Freisetzungssystem (IUS):

  • Die Umstellung von der Minipille kann an jedem beliebigen Tag erfolgen, die Einnahme von Nomegestrol beginnt am nächsten Tag.
  • Bei Entfernung eines Implantats oder IUS beginnt die Einnahme am Tag der Entfernung.
  • Die Einnahme nach einem Injektionspräparat beginnt zu dem Zeitpunkt, an dem die nächste Injektion fällig wäre.

Nach einem Abort im 1. Trimenon:

  • Die Einnahme kann sofort begonnen werden.
  • Zusätzliche Verhütungsmaßnahmen sind nicht erforderlich.

Nach Geburt oder Abort im 2. Trimenon:

  • Die Einnahme sollte zwischen dem 21. und 28. Tag nach der Geburt oder einem Abort im 2. Trimenon begonnen werden.
  • Bei späterem Beginn sollte zusätzlich eine Barrieremethode (z. B. Kondom) angewendet werden, bis sieben Tage lang ununterbrochen wirkstoffhaltige Tabletten eingenommen wurden.
  • Hatte die Anwenderin in der Zwischenzeit Geschlechtsverkehr: vor Behandlungsbeginn mit dem KOK eine Schwangerschaft ausschließen oder 1. Monatsblutung abwarten.

Vorgehen bei vergessener Tabletteneinnahme (gilt nur für wirkstoffhaltige Tablette)

Wenn die Einnahmezeit um ≤ 24 Stunden überschritten wird:    

  • Konzeptionsschutz bleibt erhalten.
  • Maßnahme: Die vergessene Tablette sofort einnehmen und die darauffolgenden Tabletten wieder zur gewohnten Tageszeit einnehmen.

Wenn die Einnahmezeit um ≥ 24 Stunden überschritten wird:

  • Konzeptionsschutz ist möglicherweise nicht vollständig gewährleistet.
  • Um den Schutz zu gewährleisten, müssen mindestens sieben Tage ununterbrochen weiße, wirkstoffhaltige Tabletten eingenommen werden.
  • Risiko einer Schwangerschaft: Je mehr Tabletten vergessen wurden und je näher dies an der Einnahmezeit der Placebo-Tabletten liegt, desto höher ist das Risiko einer Schwangerschaft.

Vorgehen bei verschiedenen Zyklustagen:

Tag 1–7:

  • Die zuletzt vergessene Tablette so bald wie möglich einnehmen, auch wenn das bedeutet, dass zwei Tabletten gleichzeitig eingenommen werden müssen.
  • In den nächsten sieben Tagen zusätzlich eine Barrieremethode anwenden.
  • Wenn Geschlechtsverkehr in den letzten sieben Tagen stattfand: Möglichkeit einer Schwangerschaft in Betracht ziehen.

Tag 8–17:

  • Die zuletzt vergessene Tablette so bald wie möglich einnehmen, auch wenn das bedeutet, dass zwei Tabletten gleichzeitig eingenommen werden müssen.
  • Nicht erforderlich, sofern in den sieben Tagen vor der ersten vergessenen Tablette alle Tabletten regelmäßig eingenommen wurden.
  • Bei Vergessen von ≥1 Tablette: Zusätzliche Verhütungsmethoden anwenden, bis sieben Tage lang ununterbrochen wirkstoffhaltige Tabletten eingenommen wurden.

Tag 18–24:

Risiko für eingeschränkten Konzeptionsschutz erhöht. Durch Anpassung des Einnahmeschemas kann dies verhindert werden:

  • Option 1: Vergessene Tablette sofort nachholen, auch wenn zwei Tabletten gleichzeitig eingenommen werden müssen. Restliche wirkstoffhaltige Tabletten zur gewohnten Zeit einnehmen. Anschließend die vier Placebotabletten verwerfen und direkt mit der nächsten Blisterpackung beginnen. Mögliche Durchbruch- oder Schmierblutungen können auftreten.
  • Option 2: Einnahme der wirkstoffhaltigen Tabletten abbrechen, bis zu drei Placebotabletten einnehmen (Summe aus vergessenen und Placebo-Tabletten darf vier nicht überschreiten). Danach mit der neuen Blisterpackung fortfahren.
  • Wenn keine Abbruchblutung eintritt: Möglichkeit einer Schwangerschaft in Betracht ziehen.

Bei Unsicherheit über die vergessene Tablette:

  • Eine Barrieremethode anwenden, bis sieben Tage ununterbrochen wirkstoffhaltige Tabletten eingenommen wurden.

Vorgehen bei vergessener Tabletteneinnahme Placebo-Tablette

  • Das Vergessen einer Placebo-Tablette hat keine Auswirkungen auf den Konzeptionsschutz.
  • Die vergessene Tablette sollte verworfen werden, um die Placebophase nicht unbeabsichtigt zu verlängern.

Verhalten bei gastrointestinalen Beschwerden

Schwere Beschwerden (z. B. Erbrechen oder Durchfall):

  • Es besteht die Möglichkeit, dass die Wirkstoffe nicht vollständig resorbiert werden.
  • Zusätzliche kontrazeptive Schutzmaßnahmen sollten angewendet werden.

Erbrechen innerhalb von drei bis vier Stunden nach Einnahme einer wirkstoffhaltigen Tablette:

  • Eine neue Tablette sollte so bald wie möglich eingenommen werden, idealerweise innerhalb von 24 Stunden nach der normalen Einnahmezeit.
  • Die nächste Tablette sollte zur gewohnten Zeit eingenommen werden.
  • Wenn die letzte Tabletteneinnahme mehr als 24 Stunden zurückliegt, sollten die Hinweise zu vergessenen Tabletten befolgt werden.
  • Um das gewohnte Einnahmeschema beizubehalten, können zusätzliche wirkstoffhaltige Tabletten aus einer weiteren Packung entnommen werden.

Verzögerung oder Verschiebung der Monatsblutung

Verzögerung der Monatsblutung:

  • Die wirkstofffreien Placebofilmtabletten aus der aktuellen Packung können übersprungen werden. Stattdessen wird direkt mit der Einnahme der wirkstoffhaltigen Filmtabletten aus einer weiteren Blisterpackung fortgefahren.
  • Die Monatsblutung kann bis zum Ende der wirkstoffhaltigen Filmtabletten der zweiten Packung hinausgezögert werden.
  • Nach der Verzögerung wird die regelmäßige Einnahme nach den wirkstofffreien Placebofilmtabletten der zweiten Packung fortgesetzt.
  • Mögliche Durchbruch- oder Schmierblutungen können während der Einnahme der zweiten Packung auftreten.

Verschiebung der Monatsblutung auf einen anderen Wochentag:

  • Die bevorstehende Phase mit wirkstofffreien Placebofilmtabletten kann um maximal vier Tage verkürzt werden.
  • Je kürzer das Intervall, desto höher das Risiko, dass keine Abbruchblutung eintritt.
  • Während der Einnahme der folgenden Packung können jedoch Durchbruch- oder Schmierblutungen auftreten.

Dosisanpassung bei eingeschränkter Organfunktion

  • Eingeschränkte Nierenfunktion: Es liegen keine spezifischen Daten vor, aber eine Beeinflussung der 
    Elimination von Nomegestrol und Estradiol ist unwahrscheinlich.
  • Eingeschränkte Leberfunktion: Bei schweren Lebererkrankungen sollte Nomegestrol nicht angewendet werden, da der Metabolismus der Steroidhormone beeinträchtigt sein könnte. Die Anwendung ist erst wieder indiziert, wenn sich die Leberfunktionswerte normalisiert haben.

Überdosierung

Eine Überdosierung von Nomegestrol, selbst in Mehrfachdosen bis zu einer fünffachen Tagesdosis oder in Einzeldosen bis zu einer 40-fachen Tagesdosis, wurde ohne Sicherheitsbedenken vertragen. Mögliche Symptome einer Überdosierung können Übelkeit, Erbrechen und leichte vaginale Blutungen bei jungen Mädchen sein. Es gibt kein spezifisches Antidot, daher sollte die Behandlung symptomatisch erfolgen.

Nebenwirkungen

Zu den sehr häufigen bis häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Nomegestrol in Kombination mit Estradiol auftreten können, zählen:

  • verminderte Libido
  • Depression/depressive Verstimmung
  • Stimmungsschwankungen
  • Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Übelkeit
  • Akne
  • anormale Abbruchblutung
  • Metrorrhagie
  • Menorrhagie
  • Brustschmerz
  • Unterbauchschmerz
  • Gewichtszunahme

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Nomegestrol in Kombination mit Estradiol zu beachten:

Einfluss anderer Arzneimittel auf Nomegestrol:

  • Enzyminduktion: Medikamente, die CYP450-Enzyme induzieren, wie Antikonvulsiva (z. B. Carbamazepin, Phenytoin), Antiinfektiva (z. B. Rifampicin), Johanniskraut und bestimmte HIV/HCV-Protease-Inhibitoren, können die Konzentration von Nomegestrol und Estradiol senken, was zu einem verminderten kontrazeptiven Schutz führen kann. Eine zusätzliche Barrieremethode sollte während der Anwendung und 28 Tage nach Absetzen dieser Substanzen verwendet werden.
  • CYP3A4-Hemmer: Die gleichzeitige Anwendung starker oder mäßig starker CYP3A4-Hemmer (z. B. Ketoconazol, Erythromycin) kann die Serumkonzentrationen von Nomegestrol und Estradiol erhöhen.

Einfluss von Nomegestrol auf andere Arzneimittel:

  • Lamotrigin: Kombinierte Kontrazeptiva, die Estradiol enthalten, können die Konzentrationen von Lamotrigin um etwa 50% senken, was besondere Vorsicht bei Frauen erfordert, die auf Lamotrigin eingestellt sind und zum ersten Mal kombinierte Kontrazeptiva anwenden.

Sonstige Wechselwirkungen:

  • HCV-Kombinationstherapien: Bei gleichzeitiger Anwendung von Nomegestrol mit dem Kombinationsregime Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir (mit oder ohne Dasabuvir) ist Vorsicht geboten, da eine erhöhte ALT-Aktivität auftreten kann, insbesondere bei Frauen, die Ethinylestradiol-haltige Präparate anwenden.

Kontraindikationen

Die Anwendung von Nomegestrol ist generell kontraindiziert bei:

Venöse Thromboembolie (VTE):

  • Vorhandene oder frühere VTE, wie tiefe Venenthrombose (TVT) oder Lungenembolie.
  • Bekannte vererbte oder erworbene Prädisposition für VTE, wie APC-Resistenz (z. B. Faktor-V-Leiden), Antithrombin-III-Mangel, Protein-C-Mangel oder Protein-S-Mangel.
  • Geplante größere Operation mit längerer Immobilisierung.
  • Hohes Risiko für VTE aufgrund mehrerer Risikofaktoren.

Arterielle Thromboembolie (ATE):

Weitere Kontraindikationen:

  • Aktuelle oder frühere Pankreatitis in Verbindung mit schwerer Hypertriglyzeridämie.
  • Schwere Lebererkrankung, solange sich die Leberfunktionswerte nicht normalisiert haben.
  • Aktuelle oder frühere Lebertumoren (gutartig oder bösartig).
  • Bekannte oder vermutete hormonabhängige Tumoren, wie Brust- oder Genitaltumoren.
  • Bestehendes oder früheres Meningiom.
  • Ungeklärte vaginale Blutungen.
  • Überempfindlichkeit gegenüber den Wirkstoffen Nomegestrol/Estradiol.

Schwangerschaft

Nomegestrol sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Bei Eintritt einer Schwangerschaft muss die Einnahme sofort beendet werden. Studien zeigen kein erhöhtes Risiko für Missbildungen oder teratogene Effekte bei versehentlicher Einnahme in der Frühschwangerschaft. Tierstudien deuten auf eine mögliche Reproduktionstoxizität hin. Nach einer Geburt ist das erhöhte Risiko für venöse Thromboembolien zu berücksichtigen, bevor die Anwendung wieder aufgenommen wird.

Stillzeit

Während der Stillzeit können geringe Mengen von Nomegestrol in die Muttermilch übergehen, ohne bekannte negative Auswirkungen auf den Säugling. Da KOK jedoch die Milchmenge und -zusammensetzung beeinflussen können, wird ihre Anwendung erst nach dem Abstillen empfohlen. Stillenden Frauen sollte eine alternative Verhütungsmethode angeboten werden.

Verkehrstüchtigkeit

Nomegestrol hat keinen oder nur einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen.

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Nomegestrol sind folgende Warnhinweise zu beachten:

Erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolie (VTE)

Die Anwendung von kombinierten hormonellen Kontrazeptiva (KHK) ist mit einem höheren Risiko für VTE verbunden, besonders im ersten Anwendungsjahr und nach Pausen von mehr als vier Wochen. KHKs mit Levonorgestrel, Norgestimat oder Norethisteron haben ein geringeres VTE-Risiko. Es ist unklar, wie das Risiko von Nomegestrol im Vergleich dazu ausfällt. VTE können in 1-2% der Fälle tödlich verlaufen.

Risikofaktoren für VTE:

  • Zusätzliche Risikofaktoren wie Operationen mit längerer Immobilisierung, erbliche Prädispositionen oder schwerwiegende Erkrankungen können das VTE-Risiko deutlich erhöhen.
  • Bei Frauen mit mehreren Risikofaktoren ist Nomegestrol kontraindiziert.

Symptome einer VTE:

  • Frauen sollten bei Anzeichen wie einseitiger Beinschwellung, plötzlicher Atemnot oder Brustschmerzen sofort ärztliche Hilfe suchen und das medizinische Fachpersonal über die Einnahme eines KHK informieren.

Seltene Thrombosen:

  • Sehr selten können Thrombosen in anderen Blutgefäßen wie der Leber oder den Augen auftreten, was zu schweren Komplikationen führen kann.

Erhöhtes Risiko für arterielle Thromboembolie (ATE)

Die Anwendung von kombinierten hormonellen Kontrazeptiva ist mit einem erhöhten Risiko für arterielle Thromboembolien wie Myokardinfarkt und Schlaganfall verbunden, die tödlich verlaufen können. Frauen mit zusätzlichen Risikofaktoren für ATE haben ein noch höheres Risiko. Nomegestrol ist kontraindiziert bei Frauen mit mehreren oder schwerwiegenden Risikofaktoren.

Symptome einer ATE:

  • Bei Symptomen wie plötzlicher Schwäche oder Taubheit in Gesicht oder Gliedmaßen, Sehstörungen, starken Kopfschmerzen, Brustschmerzen oder Atemnot sollte sofort ärztliche Hilfe gesucht werden.

Tumorrisiken

Langzeitanwendung von KOK kann das Risiko für Zervixkarzinom erhöhen. KOK-Anwenderinnen haben zusätzlich ein leicht erhöhtes Brustkrebsrisiko, das nach Absetzen innerhalb von 10 Jahren zurückgeht. In seltenen Fällen wurden bei KOK-Anwenderinnen gutartige oder bösartige Lebertumoren beobachtet, die zu lebensbedrohlichen Blutungen führen können.

Meningeom

Langzeiteinnahme von Nomegestrol in hohen Dosen (3,75 mg oder mehr täglich) wurde mit dem Auftreten von Meningeom in Verbindung gebracht. Bei Diagnose eines Meningeom muss die Behandlung sofort abgesetzt werden.

Hepatitis C

Bei gleichzeitiger Anwendung von Nomegestrol mit dem HCV-Kombinationsregime Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir (mit oder ohne Dasabuvir) kann es zu einem signifikanten Anstieg der ALT-Werte kommen. Vorsicht ist geboten.

Sonstige Erkrankungen

  • Hypertriglyzeridämie: Frauen mit bestehender oder familiärer Hypertriglyzeridämie haben ein erhöhtes Risiko für Pankreatitis.
  • Bluthochdruck: KOK können selten zu klinisch relevantem Bluthochdruck führen; bei anhaltendem Anstieg sollte die Anwendung pausiert werden.
  • Leberstörungen: Akute oder chronische Leberstörungen können ein Absetzen von KOK erforderlich machen.
  • Chloasma: Frauen mit Neigung zu Chloasma sollten während der Anwendung Sonnenlicht und UV-Strahlung meiden.
  • Angioödem: Bei Frauen mit hereditärem Angioödem können exogene Estrogene Symptome eines Angioödems auslösen oder verschlimmern.
  • Diabetes: Obwohl KOK die Insulinresistenz beeinflussen können, ist bei gut eingestellten Diabetikerinnen keine Änderung der Therapie notwendig. Eine sorgfältige Überwachung ist jedoch ratsam.
  • Depression: Depressive Verstimmungen und Depressionen sind mögliche Nebenwirkungen und können schwerwiegend sein, weshalb Frauen bei Symptomen ihren Arzt aufsuchen sollten.
  • Entzündliche Darmerkrankungen: Es wurde von einer möglichen Verschlimmerung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa berichtet.
  • Andere Erkrankungen: Bei seltenen Erbkrankheiten wie Galactose-Intoleranz sollte das Medikament nicht eingenommen werden.

Ärztliche Untersuchung/Beratung

Vor Beginn der Behandlung ist eine umfassende Anamnese, Blutdruckmessung und körperliche Untersuchung notwendig. Frauen sollten über Thromboserisiken und Symptome informiert werden und die Packungsbeilage lesen.

Verminderte Wirksamkeit:

  • Die Wirksamkeit kann durch vergessene Tabletten, Magen-Darm-Probleme oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die die Plasmakonzentration senken, beeinträchtigt werden.

Zykluskontrolle:

  • Unregelmäßige Blutungen sind in den ersten Monaten möglich. Eine Abklärung ist sinnvoll, wenn die Blutungen anhalten.
  • Abbruchblutungen können ausbleiben, ohne dass eine Schwangerschaft vorliegt.

Kinder und Jugendliche:

  • Es ist unklar, ob die Estradiol-Menge in KOK ausreicht, um bei Jugendlichen eine gesunde Knochendichte zu erhalten.

Labortests:

  • Nomegestrol kann verschiedene Labortests beeinflussen, einschließlich biochemischer Parameter der Leber-, Schilddrüsen-, Nebennieren- und Nierenfunktion sowie von Trägerproteinen und Kohlenhydratstoffwechsel- und Gerinnungsparametern.
  • Diese Veränderungen bleiben jedoch in der Regel innerhalb des Normbereichs.

Alternativen

Alternativen zu Nomegestrol umfassen andere synthetische Gestagene wie Levonorgestrel, Norgestimat, Norethisteron, Desogestrel oder Dienogest, die ebenfalls zur Empfängnisverhütung in Form von Kombinations- oder Monopräparaten verfügbar sind. Je nach Absprache mit dem zuständigen Gynäkologen kann auch die Anwendung von anderen hormonellen Kontrazeptiva oder hormonfreien Methoden wie einer Kupferspirale in Betracht gezogen werden.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
328.45 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
28.10.2024
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
  2. Fachinformationen ausgewählter Nomegestrol-Hersteller (z. B. Zoely 2,5 mg/1,5 mg Filmtabletten, Theramex Ireland Ltd.)
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